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Kapitel 8

   Nun stand ich vor Colyns Apartmenttür, mit dem Henkel des Kleidersacks, wo drin sich das hellblaue Kleid und der kleine Zettel mit meinen Maßen befand, in der einen Hand, und die andere zur Faust geballt in der Luft schwebend, bereit zum Anklopfen.

   Doch nur, dass meine Hand bereit war, hieß nicht, dass ich es auch innerlich war, denn das war ich nicht.

   Traf ich hier gerade wirklich die richtige Entscheidung?

   Warum traute ich mich hier hin, zu der Wohnung eines Vergewaltigern? Als würde etwas meinen Verstand beeinflusst und meine Verachtung gegen etwas anderes eingetauscht haben. Etwas, das Colyn zu einer besseren Person machte, als er es tatsächlich war. Ich hätte wenigstens den Hintergedanken haben können, dass er mich einfach in seine Wohnung ziehen und alles mit mir hätte anstellen können. Doch darüber machte ich mir aus einem unerklärlichen Grund keine Sorgen. Was mich hier genau beeinflusste, konnte ich nicht sagen, jedoch war es nichts, was ich je gewollt hatte.

   Ich atmete ein und aus. Tief. Ein und aus. Sollte ich klopfen? Es war meine letzte Chance, ein tolles Kleid zur Feier tragen zu können, und Colyn wollte mir dies ermöglichen. Warum war er nur so höflich zu mir?

   Meine Entscheidung, zu klopfen oder lieber wieder umzudrehen, wurde mir jedoch abgenommen, als sich die Tür zu Colyns Apartment plötzlich öffnete.

   Perplex riss ich meine Hand, die noch immer in der Lift hing, aus ihrer Starre und ergriff damit den Kleidersack. Ich musste etwas in beiden Händen halten, denn ich wurde sofort nervös.

   Colyn stand vor mir, in der Tür, in einem hautengen weißen T-Shirt und einer grauen Jogginghose, was seiner muskulösen Statur unglaublich schmeichelte. Jedoch war das nicht der einzige Hingucker, denn seine ozeanblauen Augen zogen mich in ihren Bann und ließen mich in ihnen ertrinken.

   Aber warum hatte er die Tür aufgemacht? Ich war doch noch nicht dazu gekommen, zu klopfen, oder wurde ich allmählich verrückt?

   Colyn räusperte sich. »Ähm, willst du nicht rangehen?« Er wollte es unterdrücken, konnte seine Mundwinkel vom leichten Anheben aber nicht hindern.

   Ich erwachte aus meiner Trance und blinzelte wenige Male. Was hatte er gesagt? Rangehen? Wo rangehen?

   Doch dann realisierte ich es: mein Handy klingelte. Der Anfangs gedämpft klingende Ton wurde von Sekunde zu Sekunde, in der ich dem Nebel meiner Gedanken immer weiter entwich, lauter.

   Wie vom Blitz getroffen riss ich meine Augen weit auf und kramte im nächsten Moment in meiner Tasche herum.

   Ich wurde angerufen!

   Als ich mein Handy fand, legte ich ohne darauf zu achten, wer mich dort erreichen wollte, auf, und ließ es seinen Platz zurück in der Tasche finden.

   »Ich hatte gedacht, du hast es dir vielleicht anders überlegt. Aber wie ich sehe, zählst du auf mich.« Er stützte den Arm über seinem Kopf am Türrahmen und lehnte sich an diesen, was unglaublich heiß aussah. Seine Muskeln zogen sich bei dieser Bewegung auf der einen Seite lang und er wirkte noch größer, als er es sowieso schon war. Sollte mir das nicht eigentlich Angst einjagen? Verdammt, ist war nur los mit mir?

   Augenblicklich schien sich jede Zelle meines Körpers zu erwärmen und das war gar nicht gut.

   »Ich zähle auf deine Schneiderin. Du sollst es ihr bloß überbringen.« Ihm hielt ich den Sack hin, den er erst kritisch musterte und mir dann anschließend abnahm.

   Nun hatte ich meine Aufgabe des Plans erledigt und machte Anstalten zu gehen, doch er hielt mich mit seinen Worten auf.

   »Du«, er ließ seinen Blick an meinem Körper hinunter und anschließend wieder hinauf wandern, »musst nicht jetzt schon gehen.«

   »Doch, das sollte ich. Meine Eltern machen mir sonst die Hölle heiß.« Mein Blick glitt durch den Flur. Totenstill. Menschenseelenleer. Nicht gut. Gar nicht gut.

   »Komm schon. Ich war gerade am Abendessen. Du könntest mir Gesellschaft leisten.« Er schaute mich mit einem Blick an, dem niemand - nicht einmal ich - widerstehen konnte.

   »Ich weiß nicht.«, bekam ich nur total unsicher heraus. Ich konnte ihm doch um diese Uhrzeit nicht einfach in sein Apartment folgen! Oder?

   »Du kannst gehen, wann immer du willst, aber unterhalte mich bitte etwas. Es ist langweilig, jeden Tag alleine essen zu müssen.« Es war bloß eine Lockmethode, das wusste ich, doch ich fiel trotzdem darauf herein und ließ mich von seiner Hand, die sich auf meinen Rücken legte, in seine Wohnung schieben.

   Hinter mir schloss Colyn die Tür und ließ mich bei dem Klang des Zufallens zusammenzucken. Doch dann schaute ich mich um. Das ganze Apartment war nur schwach beleuchtet, wahrscheinlich hatte er die Lichter durch einen Regler gedimmt. Langsam gingen wir den Flur entlang, ich entledigte mich nach Colyns Wunsch meiner Schuhe - für eine Jacke war das Wetter heute zu warm gewesen - und ließ mich von ihm in sein Wohnzimmer führen.

   Mein erster Blick fiel auf das riesige Panoramafenster, das mir einen unglaublichen Ausblick auf die nächtlich beleuchtete Stadt bot.

   »Wow.« flüsterte ich, in der Hoffnung, er hatte es nicht mitbekommen.

   Doch das hatte er. »Gefällt es dir?« Ich spürte seine Anwesenheit direkt hinter mir, seine Wärme, die er ausstrahlte und seinen heißen Atem in meinem Nacken, trotz meiner Haare, die diesen verdeckten.

   Mein Bauch fing unwillkürlich an zu kribbeln und meine feinen Härchen am Nacken stellten sich auf.

   Meine Fantasie spielte jetzt schon verrückt, bei dem Gedanken, alleine mit Colyn in seiner Wohnung zu sein und seine Nähe zu spüren. Seine verführerische Art war unglaublich berauschend.

   Schnell drehte ich mich um meine eigene Achse, war ihm noch näher als erwartet und schien vor meiner benebelten Sicht kaum noch etwas sehen zu können. Ich nickte einfach, denn zu mehr schien ich nicht in der Lage zu sein, während sein Atem meinem entgegenstieß.

   »Hast du Hunger?«, fragte er plötzlich und ich schien erneut von meinem Tagtraum erwacht zu sein.

   »I-ch ähm ...« Ich ließ meinen Blick von Colyn ab, um mich wieder konzentrieren zu können, doch dann blieben meine Augen an seiner Couch und dem dazugehörigen niedrigen Tisch hängen. »Das sieht nicht gerade aus, wie ein Abendessen.« Ich deutete auf die geöffnete Bierflasche auf dem Tisch und hob eine Braue. Dann schaute ich ihn wieder an und trat einen Schritt zurück.

   Er kratzte sich am Nacken und erhaschte einen Blick auf das Getränk. »Ich weiß, aber irgendwie musste ich dich ja reinlocken.«

   »Reinlocken?« Ich wurde nervös. War an meiner Theorie mit dem ›anstellen was er will, sobald er mich in seine Wohnung bekommen hatte‹ doch etwas dran?

   »Ich brauche Unterhaltung, wie gesagt. Denk nichts Falsches, Kathryn«

   »Was, wenn ich es doch tue?« Die Nervosität war noch immer nicht aus meinem Ausdruck verschwunden.

   Colyn wich meiner Frage aus. »Willst du auch ein Bier?«

   »Nein, das wäre keine gute Idee.«, lehnte ich ab und schluckte schwer, »Danke trotzdem.«

   Doch er hatte bereits den Weg zur Küche angeschlagen. »Warum nicht? Was spricht dagegen?«, sagte er und verschwand in dem Raum. Ich rollte meine Augen und stieß einen leisen Seufzer aus. »Setz dich schon mal auf's Sofa.«, kam es aus der Küche.

   Gegen meinen Willen nahm ich am Rand der Sitzgelegenheit Platz. Die hellen Möbel aus Holz ließen das Apartment dieses Verbrechers freundlich, unbeschwert und einladend wirken.

   Colyn erschien neben mir und setzte sich zu mir, ehe er mir eine geöffnete, kalte Flasche Bier überreichte.

   »Danke.«, sagte ich widerwillig und platzierte die Öffnung an meinen Lippen, doch hielt in der Bewegung inne.

   »Ich hab nichts reingemischt.«, lachte er, als er meinen verunsicherten Ausdruck bemerkte und meine Gedanken zu lesen schien. Ich musste ebenfalls schmunzeln und nahm einen Schluck meines Biers. Bitter umhüllte die Flüssigkeit meine Kehle und ließ mich den schwachen Alkohol ein zweites Mal kosten.

   Geräuschvoll lösten sich meine Lippen von der Flasche und ich stellte sie auf dem Tisch ab. Ich hasste es, aus Glasflaschen zu trinken und das war einer der Gründe davon, doch gerade nahm ich es mit Humor.

   Ich schaute zu Colyn, dessen Augen sich verdunkelt zu haben schienen, während er meine Lippen anstarrte.

   Ich räusperte mich und holte ihn so in die Realität zurück. Blinzelnd fuhr er sich durch seine Haare. Nur zu gerne hätte ich gewusst, was er gerade eben gedacht hatte.

   Nun räusperte Colyn sich und öffnete seinen Mund, um etwas zu sagen, doch schloss ihn wieder. Dies geschah ein weiteres Mal, bis er etwas über seine Lippen gebracht hatte. »Als wir zusammen in deinem Büro waren ... sollten wir darüber reden?«

   »Worüber sollen wir da reden?«

   »Ich wollte mich zuerst entschuldigen, dass du die Auseinandersetzung zwischen meinem Vater und mir mitbekommen hast. Das war sicherlich nicht angenehm.«

   »Genau so wenig, wie es das für euch beide war, denke ich.«

   »Ich möchte, dass du dir aufhörst, darüber Sorgen zu machen, was geschehen könnte, wenn ich wieder häufig an Shootings teilnehmen werde«, begann er, »denn es wird nichts geschehen.«

   »Ich denke, du kannst meine Sorge nachvollziehen.« Wenn nicht, dann würde ich sofort aufstehen und gehen, denn mit so jemandem, der nicht verstehen konnte, warum ich Bange hatte, wenn er wieder das Model für das Cover sein würde, wollte ich nicht in einem Raum sein.

   »Natürlich«, antwortete er glücklicherweise. Oder unglücklicherweise? Ich wusste es nicht.

   »Gut.«

   »Wie hat Dean reagiert?«

   »Auf was?« Hatte ich irgendwas verpasst?

   »Dass ich nun wieder - anstelle von ihm - auf dem Cover zu sehen sein werde.«

   »Er weiß es noch nicht«, sagte ich mit neutraler Stimme, »und wird es wahrscheinlich auch erst erfahren, wenn das Magazin auf dem Markt ist.«

   »Wie?«, Colyn schien verblüfft, »Du hast es ihm nicht erzählt?«

   »Nein.«

   »Wie kommt’s?« Er setzte sich in eine Position, die mir klarmachte, wie interessant es nun für ihn wurde. Mit dem Oberkörper nach vorne gelehnt blickte er mich abwartend an.

   »Dean und ich ...« Ich konnte und wollte es nicht aussprechen. Was ging ihn das denn auch bitte schön an?

   »Beziehungskrise?«

   »Kann man so sagen, nur ohne Beziehung.« Und schon habe ich es doch ausgeplaudert …

   »Krise also. Ihr seid nicht mehr zusammen?«

   »Richtig.«

   Colyn machte große Augen. »Ich kann das gar nicht glauben.«

   »Stell dich nicht so an. Ich weiß, dass du nicht traurig oder sonst was bist.« Meine Augenbrauen zogen sich zusammen.

   »Sollte ich das? Traurig sein?«

   »Nein.« Ich war es ja selbst nicht einmal. Ich griff wieder zu meiner Bierflasche, doch kam nicht dazu, diese anzuheben, da Colyn meinen Arm ruckartig festhielt.

   »Heilige Scheiße, Kathryn, was ist das?« Schockiert guckte er auf mein Handgelenk. Ich tat es ihm gleich und schreckte zusammen, als ich mich an gestern Abend erinnerte, als Dean mir diese Male verpasste. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass nun blaue Farbe mein Handgelenk zierte, da es gestern nur rot gewesen war. Sehr rot jedoch.

   Reflexartig entzog ich mich seinem Griff und umfasste mein Gelenk mit meiner anderen Hand. »Nichts.«

   Er schnippte und lachte ironisch auf. »Ich habs doch gesehen! Nichts.«

   »Nichts, was dich interessieren sollte.«, verbesserte ich mich.

   Schlagartig wurden Colyns Gesichtszüge weich und seine Augen flehten mich an. »Zeig es mir noch einmal, bitte.«

   »Warum sollte ich? Du hast damit doch gar nichts zu tun.«

     »Okey, Kathryn, dann sag mir einfach, wer das war.« Durch inniges Atmen versuchte er, seinen sehbaren Gefühlsausbruch zu kontrollieren. War er sauer, nur weil ich es ihm nicht sagen wollte?

   »Ich will nicht, dass du ihm dafür böse bist, er war nach der Trennung am Boden zerstört.« Und wütend.

   Mir war bewusst, dass ich damit verraten hatte, wer mir mein Handgelenk und meinen Arm gekennzeichnet hatte.

   »Dean.«, stellte er kalt fest und stützte seine Arme auf seinen Beinen ab, wodurch er etwas nach vorne gebeugt war und die Bierflasche in seiner Hand in der Luft zwischen seinen Beinen taumelte. Colyn schien zu überlegen, als seine Zungenspitze zwischen seinen Lippen erschien und diese befeuchtete. Er biss sich auf die Unterlippe, als wollte er einen erneuten Nervenausbruch damit verhindern.

   »Wegen einer Trennung. Der ist krank.«, flüsterte er mehr zu sich selbst, als zu mir und ich konnte meinen Blick nicht von seinen Lippen wenden. Sie waren so wohlgeformt und voll. Sie luden einen mit ihrem weichen Aussehen praktisch zum Küssen ein, und diesen Gedanken konnte ich nicht einfach verwerfen.

   Ein Blick auf seine Hände verriet mir, dass er deutlich angespannt war, denn er umfasste die Bierflasche so fest, dass seine Knöchel weiß hervortraten.

   »Beruhig dich, Colyn ...«, versuchte ich mich daran, ihm dieses Thema aus dem Kopf bekommen zu lassen. »Es ist nicht der Rede wert.«

   »Er wird noch sehen!«, presste er durch seinen zusammengebissenen Kiefer hervor.

   »Du solltest lieber aufpassen. Mit einem Veilchen am Auge lässt es einen auf der Feier nicht gut ansehen.« Nachdem ich den Satz ausgesprochen hatte, wurde mir bewusst, dass Colyn ja garnicht auf die Feier kommt.

   »Du hast recht. Das sollte ich nicht.«, sagte er plötzlich, die Ruhe selbst. Ich war verwirrt. Kam er jetzt zur Feier oder nicht? Aber nachfragen wollte ich nicht.

   Colyn setzte sich wieder gerade hin, lehnte sich dann aber nach hinten ans Sofa und beobachtete mich. »Also«, begann er, »du und Dean seid nicht mehr zusammen.« Das schien er erst jetzt richtig realisiert zu haben. Langsam und unsichern nickte ich, ließ ihn dabei aber nicht aus den Augen.

Colyns dichte und - in diesem schwachen Licht - schwarz wirkenden Haare wurden von seiner Hand ein Mal gekämmt und erneut ging ich in seinen Augen unter, als er seinen Kopf bei der Bewegung etwas senkte und mich mit seinem Blick von unten, durch seine langen Wimpern, verschlingen zu schien.

   »Was möchtest du jetzt gerne tun, Kathryn?« Colyn rückte ein Stückchen näher an mich heran und lehnte seinen Arm auf die Sofalehne, um sich so mehr mir zuzudrehen. Automatisch setzte ich mich auch etwas seitwärts hin und hätte ihn im nächsten Moment am Liebsten überfallen und das Shirt vom Leib gerissen, das sich so verlockend um seine breite Brust spannte. Ich musste mir eingestehen, wie unwiderstehlich er aussah und biss mir auf meine Lippe, als ich realisierte, wie mein Körper auf seine bloße Erscheinung reagierte.

   Ich erinnerte mich daran, dass er mich etwas gefragt hatte, doch nicht daran, was es war. »W-was?«

   Colyns Lache erfüllte mich komplett und ließ mein Herz anfangen zu beben. Er kam mir wieder näher, diesmal aber nur mit seinem Oberkörper. »Ich habe gefragt, was du jetzt gerne tun würdest.«, flüsterte er heiser und ließ meine Sicht erneut verschwimmen.

   Ich will, dass du mich berührst. An jedem Millimeter meiner Haut und nie damit aufhörst.

   »Sag du es mir.«, erwiderte ich bloß, denn ich war sprachlos und froh, wenigstens das herausbekommen zu haben.

   Nein, ich sollte nicht wollen, was meine Gedanken gerade übermannte. Ich sollte aufstehen wollen. Ich sollte aus seinem Apartment laufen wollen. Ich sollte weg wollen.

   Wieder dieses gehauchte Lachen seinerseits.

   »Das, was ich jetzt gerne machen würde ...« Er brachte den Satz nicht zu Ende. Stattdessen stellte er sein Bier ab und legte seine nun freigewordene Hand auf mein Knie. Ich zuckte zusammen, als ich die Kälte spürte, die die Flasche an seiner Hand zurückgelassen hatte.

   »... ist hoffentlich eine richtige Entscheidung.«, beendete ich seinen angebrochenen Satz. Wir kamen uns näher, ohne dass ich es überhaupt realisierte.

   »Oh, Kathryn, glaub mir. Das ist nicht richtig.«, raunte er gegen meinen Mund. Keine Sekunde später schloss er den Abstand zwischen uns und legte seine Lippen auf meine.

   Völlig perplex von den Gefühlen, dich mich in diesem Moment überfielen, musste ich die Situation erst begreifen, doch schon nach kurzer Zeit erwiderte ich den Kuss.

   Anfangs war Colyn sanft und dann drückte er meinen Kopf - mit seiner Hand in meinem Nacken - mehr gegen sich.

   Doch das war das Zeichen, was mich in die Realität zurückholte. Wie vom Blitz getroffen entfernte ich mich von ihm und stand zu schnell von dem Sofa auf, als dass er mich noch aufhalten konnte.

   »Stopp, ich darf das nicht. Du bist ein Verbrecher.«, sagte ich, als erfuhr ich das gerade zum ersten Mal, oder als hätte er es mir durch diese Intimität in mein Gedächtnis zurückgerufen. Dabei dachte ich, ich hatte langsam begonnen, das Gute in ihm zu sehen.

   Colyn war sehbar unzufrieden mit dieser Situation und führ sich genervt durch die Haare. »Hör auf, ständig das Böse in mir zu sehen.«, sagte er, als hätte er meine Gedanken gelesen.

   »Wie könnte ich? Du bist ein böser Mensch.«

   »Ach Kathryn«, sagte er und stand auf. Er stellte sich vor mich und packte meine Hüften, »das glaubst du doch wohl selber nicht.«

   »Wie bitte?«, blaffte ich. Was fiel ihm ein? »Was soll ich denn sonst denken? Dass du ein Engel bist, weil du einem Mädchen vor zwei Jahren wehgetan hast?«

   »Ich muss gestehen«, sagte er schließlich, »dass das nicht sehr überlegen von mir war. Und nett schon gar nicht. Aber ich habe mich geändert.«

   »Sehe ich. Sonst wärst du bestimmt schon längst über mich hergefallen.« In meiner Stimme schwang kein Funken von Sarkasmus mit, denn ich meinte es ernst. Bezüglich dem, was ich gesagt habe, hatte er sich geändert. Aber man wusste nie, wann ein Mensch einen Rückfall erlitt.

   Colyn hatte nichts weiter zu sagen, also ergriff ich die Chance. »Ich werde dann jetzt gehen. Und danke nochmal, wegen dem Kleid.« Ich deutete auf den Kleidersack, der an der Türklinke zur Küche aufgehängt war.

   »Hmm«, machte er. »Gerne.«

   »Ach so, und«, ich wandte mich zu ihm, als ich bereits auf dem Weg zur Tür war, »der Kuss hätte nicht passieren sollen. Aber rückgängig können wir es jetzt nicht mehr machen.« Nicht wissend, was genau ihn das denken ließ, ließ ich ihn in seinem Apartment stehen und trat hinaus.

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