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Kapitel 9

   »Baby.« hauchte jemand ganz nah an meinem Gesicht. Dann spürte ich, wie mir Haarsträhnen hinters Ohr gestrichen wurden und sich schließlich eine große Hand auf meine Wange legte und dort weilte.

   Langsam und gewagt öffnete ich meine Augen einen Spalt weit. Es dauerte eine kurze Zeit, bis ich mich ans morgendliche Sonnenlicht gewöhnt hatte, doch dann erkannte ich sie, direkt vor mir - zwei tiefblaue Augen, die mich eindringlich musterten.

   »Colyn?«, fragte ich mit meiner kratzenden Morgenstimme zur Sicherheit.

   Die Lippen des Mannes vor mir verzogen sich zu einem Grinsen.

   Sein Daumen bewegte sich auf meiner Wange, er strich hin und her. »Jap, Baby.«

   Seine Stimme war so rau, dass sie mich aus einem unerklärlichen Grund unwillkürlich mehr an ihn und seine Hand an meine Wange schmiegen ließ.

   »Hmm.«, brummte ich.

   Da lachte er leise auf, doch dann verdunkelten sich seine Augen.

   Das war der Moment, in dem ich hochschreckte und bemerkte, dass ich nur geträumt hatte.

 

   Ich wollte zum Frühstücken die Küche betreten, als mich bereits das blaue Wunder empfing.

   »Kathryn, ich habe dich angerufen! Wo warst du gestern Abend noch so lange? Und erzähl mir nicht, du warst bei Blair, denn die habe ich bereits kontaktiert!« Wenn Blicke töten konnten, wäre meine Mom bereits eine Massenmörderin.

   Gestern war ich erst so spät nach Hause gekommen, dass meine Eltern bereits schliefen, da sie einen langen Tag hatten.

   »Aber ich war doch mit Blair.«, sagte ich unschuldig, »Die meiste Zeit.«

   »Und wo warst du, nachdem du nicht mehr mit Blair warst?«

   »Ich war bei Cayla.«, gab ich schließlich von mir. Etwas anderes war mir auf die Schnelle nicht eingefallen.

   »Cayla Whittmore?«, giftete meine Mutter.

   »Jap. Ich war bei ihr, weil sie mir ihr Kleid für die Feier zeigen wollte. Dann haben wir uns noch unterhalten und plötzlich war es spät geworden. Sorry.«, entschuldigte ich mich, ohne mir Mühe zu machen, es sich wie eine richtige Entschuldigung anhören zu lassen.

   »Ich empfinde es als eine Unverantwortlichkeit von dir, uns nicht wenigstens Bescheid zu geben! Was glaubst du, dachten wir, was mit dir passiert sei?«, stapfte Mom aufgebracht.

   »Ich weiß nicht. Was dachtet ihr denn, was mit mir passiert sei?«, fragte ich skeptisch, hob eine Augenbraue und verschränkte meine Arme vor der Brust. Den Sarkasmus ließ ich nicht aus.

   »Wir haben uns schon die schlimmsten Szenarien ausgemalt, wie dir dieser Colyn Whittmore gegen deinen Willen an die Wäsche gegangen ist!« Sie nahm mein Gesicht plötzlich behutsam zwischen ihre Hände und blickte mir in die Seele.

   Wenn Mom nur wusste, dass er das bereits getan hatte. Nur ohne die Sache mit der Wäsche. Jedoch mit meinem Willen. Dass ich den Kuss etwas bereute, verdrängte ich.

   Meine Hände legten sich auf ihre und schoben sie von meinen Wangen. »Mom, denk nicht so viel.« Der entsetzte Gesichtsausdruck meiner Mutter hinderte mich nicht am Weiterreden. »Und außerdem wäre Whittmore ohne meine Genehmigung nicht an mich herangekommen, also mach dir keine Sorgen. Ich bin keine fünf mehr.«

   »Was willst du mir damit sagen, Kathryn?«

   »Dass ich mich im Notfall verteidigen kann.« Einen Schritt meinerseits nach vorne ließ uns beide zur Seite drehen.

   »Du willst mir weismachen, dass du gegen einen Mann ankommen kannst, der älter ist als du, größer und viel breiter gebaut? Rede keinen Schwachsi-«

   »Mom«, ich hielt kurz inne, im durchzuatmen, »Zweifelst du etwa an deiner Tochter?« Diese Frage ließ sie unbeantwortet und ich war froh darüber, da ich so schnell wie möglich weg und keine weitere Diskussion anfangen wollte. »Und auch wenn ich mich nicht verteidigen könnte, dann wüsste ich das und würde es nicht so weit kommen lassen.«

   Dann drehte ich mich um und verschwand in der Küche, ließ die Tür zuknallen, um mich von meiner Mutter abzuschotten und begann, zu frühstücken.

   Da ich heute frei hatte, verging mein restlicher Tag recht schnell durch Videoschauen in meinem Bett und Nachrichten schreiben mit Blair. Natürlich erzählte ich ihr nicht von dem Kuss mit Colyn, denn das würde sie wütender denn je machen. Stattdessen vereinbarte ich mit ihr, dass wir uns am Montag früh bei mir treffen würden, um uns gemeinsam für die Feier fertig zu machen.

 

   Die Tür zu meinem Zimmer wurde aufgerissen und ich somit ruckartig aus meinem Schlaf geholt.

In Lichtgeschwindigkeit setzte mich auf und rieb mir die Augen, da sie sich nicht ans helle Licht gewöhnen wollten.

   »Kathryn!«, hörte ich meinen Vater streng rufen und näher ans Bett treten. Ich blinzelte und erkannte einen wütenden Ausdruck in seinem Gesicht.

   »Was ist los? Wie viel Uhr ist es?« Ich räusperte mich, um das Rau meiner Morgenstimme loszuwerden.

   »Es ist fast zehn Uhr.« Dad rieb mit Daumen und Zeigefinger seine Augen von außen bis zum Nasenbein und verharrte dort so. »Kannst du mir bitte erklären, was Colyn Whittmore um diese frühen Morgenstunden hier bei uns vor der Tür verloren hat?« Er entfernte seine Finger aus seinem Gesicht und setzte ein falsches Lächeln auf.

   Was? Colyn ist hier? »Oh Gott!«, brachte ich nur schockiert hervor.

   Im nächsten Moment stand ich aufrecht vor meinem Vater und richtete mein Top. »Das werde ich euch noch erklären«, eher nicht, »Tut mir leid.«

   Dann ging ich schnellen Schrittes aus meinem Zimmer zur Treppe und machte mir beim Gehen einen Dutt mit einem Haargummi, dass ich mir vor dem Verlassen meines Zimmers von meiner Kommode geschnappt hatte.

   »So trittst du nicht vor diesen Mann!« rief mein Vater mir aus meinem Zimmer hinterher und ließ mich an mir heruntersehen.

   Ich hatte ein hautenges Top und eine Shorts an - wie an dem Abend, als Dean mich zu Boden geschubst hatte.

   Bei dem Gedanken an den Kuss begann mein Bauch, aufgeregt zu kribbeln und es wurde nur noch stärker, als ich daran dachte, den Verursacher meiner Glücksgefühle gleich wiederzusehen.

   Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen, als ich am Fußende der Treppe angekommen war und von hier aus Colyn ausmachen konnte. Ich ging auf ihn zu, doch mit jedem Schritt verblasste meine Fröhlichkeit wieder, da ich dann ganz plötzlich Ryan sah, der wie aus dem Nichts neben Colyn aufgetaucht war.

   Also war er doch noch im Dienst und meine Eltern hatten meine Meinung durchgehen lassen.

Doch anscheinend stand Ryan schon die ganze Zeit dort, denn er hielt ein großes, tütenähnliches Ding in der Hand, das nicht ihm zu gehören schien. Es ist mein Kleidersack!

   Ich stand nun vor den beiden und musterte Colyn. Er hatte ein hellblaues Hemd – die selbe Farbe, wie die meines Kleides! -, dass in eine helle Jeans gesteckt wurde, an. Hatte er sich jetzt schon für die Feier fertig gemacht? Dafür sahen seine Haare aber noch nicht gerichtet aus.

   Hatte Cayla ihm also erlaubt, sich heute dort blicken zu lassen?

   Ich griff nach der Tüte in Ryan's Händen, die er mir ohne zu zögern überreichte.

   »Lass uns bitte alleine, Ryan.«

   Er nickte und verschwand. Es war neu für mich, dass er einfach auf mich hörte, doch ich war dankbar dafür.

   »Hallo, Hübsche.«

   Ich drehte meinen Kopf wieder zu Colyn, der mich mit seinen blauen Augen bewunderte.

   Ich lächelte und schaute auf meine Füße, die weiche Socken trugen. »Hallo, mein Bote.« Ich presste meine Lippen aufeinander, um das aufkommende Lachen zu unterdrücken, das mich überkam. Theoretisch war er ja auch mein Bote. Er hatte mir mein fertiges Kleid gebracht, was er zuvor auch seiner Schneiderin übermittelt hatte.

   Dazwischen kam nur eine gewisse kleine Kleinigkeit.

   Entsetzt verzog sich sein Gesicht. »Also nur ein Bote. Ist das wahr?« Ich konnte etwas Belustigung ausmachen, aber auch die Beharrung auf eine Antwort.

   »Anfangs schon.«, gab ich zu, »Bis ... na ja ...«

   Seine Hand näherte sich meinem Gesicht und wenig später strich sein Daumen über mein Kiefer.

   Benebelt schaute ich zu ihm auf und sah zu, wie sein harrender Blick zu meinen Augen wanderte.

   »Das reicht jetzt aber! Kathryn, komm rein!«, sagte mein Vater plötzlich vom Treppengeländer aus und ließ Colyn seine Hand zurückziehen und enttäuscht auf den Boden sehen.

   Ich räusperte mich.

   »Ja, klar. Ich komme schon.«

   Durch seine dichten Wimpern schaute Colyn mich an und für diesen Blick hätte ich ihn am liebsten verschlungen, doch lächelte bloß schwach, bedankte mich, dass er mir das Kleid vorbeigebracht hatte, und verabschiedete mich von ihm.

   Dann schloss ich die Tür und drehte mich zu meinem Vater. »Was habt ihr beredet?«, fragte er neugierig, als ich auf ihn zukam.

   »Was hast du alles gehört?«, fragte ich die Gegenfrage.

   »Nichts.«, sagte er stumpf.

   »Gut, denn mehr brauchst du auch nicht erfahren.« Kurz vor ihm angekommen, drehte ich mich zu Seite, stieg die Treppenstufen empor und ließ meinen Vater entsetzt zurück.

 

   Erschöpft ließ Blair sich auf mein Bett fallen. »Wie lange sitzen wir jetzt alleine schon am Make-up? Zwei Stunden? Ich glaube das nicht.«

   »Dafür kommt jetzt der beste Teil - die Kleider anziehen!« Erfreut klatschte ich in die Hände und stand von dem Hocker vor meinem Schminktisch auf.

   Mein Kleid wurde vor meinem Kleiderschrank von einer Puppe getragen. Ich hoffte, es sah an mir genau so schön aus, wie an ihr. Zwar hatte ich es schon einmal angehabt, aber jetzt - am entscheidenen Tag und mit den Änderungen von Colyns Schneiderin - da war ich noch ein Mal mehr aufgeregt.

   Ich ging zur Puppe und zog den Reisverschluss am Rücken des Kleides nach unten und hielt es fest, sodass es nicht auf den Boden fiel.

   Als ich mich wieder zu Blair drehte, sah ich, wie sie gerade nur in Unterwäsche bekleidet in ihr Kleid stieg. Ich schmunzelte und entledigte mich ebenfalls meinen Sachen.

   Mit den Füßen voran trat ich in mein Kleid und zog es nach hoben, hielt es am Dekolleté fest und schaute meine beste Freundin an, die in der selben Position wie ich innegehalten hatte. »Kannst du mir mein Kleid zumachen?«, fragte ich sie.

   »Das wollte ich dich gerade auch fragen.« Amüsiert und wir fingen an zu lachen. »Mist.«

   »Egal, komm her.«, bot ich ihr an, klemmte mit meinen Armen das Oberteil des Kleides an meinen Körper und zog den Verschluss Blairs Kleides zu. Nachdem sie meinen ebenfalls bearbeitet hatte, drehten wir uns um und schauten geradewegs in den großen Ganzkörperspiegel an meiner Schranktür.

   »Wir sehen echt heiß aus!«, bemerkte Blair und ließ uns wieder lachen.

   »Da muss ich dir recht geben.« Ich schaute an mir herunter. Das Kleid saß wie angegossen, um meine Taille herum war es nun eng genug und ich fühlte mich wirklich schön.

   »Hach, ich fühle mich, wie vor meiner eigenen Trauung!« Blair wischte sich ihre imaginäre Träne von der Wange. »Nur in rot.«

   »Du bist unbeschreiblich, Blair.« Amüsiert schaute ich sie durch den Spiegel an. »Lass uns unsere Haare machen.«, schlug ich vor und meine beste Freundin stimmte darauf ein.

   Die Reihenfolge des Fertigmachens hatten wir nicht gut durchdacht, doch großartig störte uns das nicht.

 

   »Meinst du, es sind schon viele Leute da?«, fragte Blair mich, als wir vor Whittmore Industries' Haupteingang stehengeblieben waren. Durch die zahlreichen verglasten Außenwände konnte man nur einen Bruchteil der sich innen aufhaltenden Leute ausmachen, da die Fenster dank dem Sonnenlicht den Vorhof widerspiegelten.

   »Ich denke schon. Wir haben es eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn und die meisten kommen bei sowas immer viel zu früh.«, erwiderte ich, als wir wieder zum Gehen ansetzten und durch die automatisch öffnenden Schiebetüren spazierten.

   »Besser zu früh, als zu spät.« Blair zupfte ein letztes Mal an ihrem Kleid und richtete ihre Haare.

   »So ist es.« Ich schaute an mir herunter, einfach nur, um mein wunderschönes Kleid ein weiteres Mal zu bewundern.

   Die Dekoration der Eingangshalle war in weiß-gold gehalten und bereits eine Menge an Gästen füllten diesen Bereich des Gebäudes.

   Aus dem Augenwinkel erkannte ich Cayla auf uns zukommen. Bei uns angekommen umarmte sie uns beide. »Hey! Wie geht es euch?« Ihre Augen strahlten vor Freude, uns wiederzusehen, und vor allem Blair, die sie bis jetzt noch nicht angetroffen hatte.

   »Prima! Wir haben dich so vermisst, Cayla.«, sagte die Schwarzhaarige und musterte das brünette Mädchen vor ihr innig.

   »Ich hab euch beide auch so sehr vermisst, aber ich brauchte eben eine Auszeit. Ich hoffe ihr versteht das.«

   »Natürlich.«, sagte ich, »Und wie geht es dir?«

   »Ausgesprochen gut. Ich fühle mich echt wohl, wieder hier zu sein und Colyn habe ich - Gott sei Dank - noch nicht angetroffen.« Cayla wirkte sichtlich erleichtert.

   Mein Blick fiel auf ihr Handgelenk und entdeckte ein wunderschönes Armband aus hellbraunem Leder. Goldene Steinchen zierten es und ließen es elegant aussehen. »Woher hast du dieses schöne Armband?«, fragte ich Cayla und ergriff ihr Handgelenk, um mir das Schmuckstück genauer anzusehen. Günstig war es sicherlich nicht gewesen.

   »Wundervoll, nicht wahr?«, strahlte Colyns Schwester. »Josh hat es mir in Portland gekauft. Ich liebe es!«

   »Wow, wie aufmerksam von ihm.«, bemerkte ich.

   »Josh?«, fragte Blair verwirrt, »Was hab ich verpasst?«

   Cayla lachte. »Josh ging mit Kat und mir auf die selbe Highschool. Wir sind seit einer Zeit zusammen und waren gemeinsam in Portland, als ich meine Auszeit von Hollywood bauchte.«

   Nun bemerkte ich, dass ich, als ich Blair am Samstag von Cayla erzählte, vergessen hatte, Josh zu erwähnen.

   Ein junger Mann unterbrach unser Gespräch, indem er sich mit einem runden Tablet zu uns stellte. Auf dem Tablett standen gefüllte Sektgläser, welche er uns höflich anbot. Jeder von uns nahm sich dankend eins.

   Ich betrachtete die goldene Flüssigkeit kurz und nahm dann zusammen mit den anderen einen Schluck des Getränks. Der Sekt prickelte angenehm auf meiner Zunge und ließ mich das Bittersüße aus ihm herausschmecken.

   »Okey, Mädels, ich muss meinen Eltern noch einen Besuch abstatten. Sie wissen noch nicht, dass ich hier bin.« Sie hob ihr Glas in unsere Richtung und verschwand kurz darauf wieder in der Menge.

   Als ich meinen Blick durch die Leute gleiten ließ und plötzlich an zwei ozeanblauen Augen hängenblieb, die mich innig musterten, machte mein Herz einen Satz. Ich blinzelte und fragte mich, ob ich mir das bloß einbildete, doch ich tat es nicht.

   Colyn Whittmore war aus dem Fahrstuhl gestiegen und hatte in der Bewegung innegehalten, als er mich im selben Moment, wie ich ihn, erblickte. Dann fand er wieder zu sich und kam grinsend und mit selbstbewussten Schritten auf mich zu.

   »Ähem, Kat ... ich will ja nichts sagen, aber Whittmore Junior kommt gerade auf uns - oder eher gesagt dich - zu.«, warnte Blair mich etwas zu spät.

   »Ich weiß.«, sagte ich benebelt, während ich versuchte, meinen Puls und meine Atmung wieder unter Kontrolle zu bekommen. Vergeblich.

   Colyn kam immer und immer näher und unser Blickkontakt schien nie enden zu wollen.

   »Ich glaube, ich lasse euch lieber alleine.«, beschloss Blair und war im nächsten Moment schon verschwunden

   »Wow.«, staunte Colyn, als er vor mir angekommen war. »Du siehst atemberaubend aus. Katy.« Dass er mich Katy nannte, war mir neu. Aber ich fand es süß.

   »Danke.«, brachte ich bloß heiser hervor und hob meinen Kopf etwas, da er mir nun so nah war, dass ich ihm anders nicht in seine Augen schauen konnte.

   »Du ... äh ... du auch. Du siehst auch gut aus. Also das tust du immer, aber jetzt, ähem-« Ich war so nervös, dass ich mehr als erleichtert war, als Colyn mich unterbrach.

   »Danke.«, lachte er. Dann nahm er - ohne mich zu fragen - den Sekt langsam aus meiner Hand, legte seine vollen Lippen an den Rand des Glases und nahm einen genüsslichen Schluck von diesem. Ich verfolgte dieses Geschehen gierig und biss mir auf die Lippe, als ich daran dachte, seine wieder zu küssen. Ich dachte, ich bereue den Kuss?!

   Er überreichte mir das Glas wieder.

   »Lass uns woanders hingehen.« Colyn starrte nun auch auf meine Lippen.

   »W-wohin?«, stotterte ich benommen.

   Colyn grinste bloß und drehte sich mit einer Handbewegung, die mir zum Folgen bedeuten sollte, um und ging durch die Gruppen von Leuten.

   Ich straffte meine Schultern und ging ihm mit Sicherheitsabstand hinterher. Es sollte niemand wissen, dass wir den selben Weg einschlugen. Zur Sicherheit, dass ich auch stets hinter ihm war, schaute Colyn ab und zu nach mir.

   Ich leerte mein Sektglas und stellte es beim Gehen auf das Tablett eines Catering-Personals.

   Wir erreichten einen Flur, indem die lautstarken Unterhaltungen der Menschen gedämpft wurden und wo wir alleine waren.

   Ich holte Colyn schnell ein und ehe ich mich versah, wurde ich schon mit dem Rücken gegen eine Tür gedrückt, während Colyn sein Gewicht an meine Vorderseite lehnte.

   »Nun habe ich dich fast dort, wo ich dich wollte.« Triumphierend lächelte er und tastete im nächsten Moment nach dem Griff der Tür, drückte ihn herunter und schob mich beim Öffnen zur Seite. Wie von ihm gesteuert betrat ich den Raum und sah Colyn beim Verriegeln des Schlosses zu. Was hatte er vor? Sollte nicht spätestens jetzt meine Panik einsetzen?

   Dann drehte er sich wieder zu mir. Sein Blick war zum dahinschmelzen. Colyn kam auf mich zu, nahm mein Gesicht in seine Hände und küsste mich.

   Erst küsste er mich ganz zart und wartete, bis ich es erwiderte. Als ich dies mit einem explodierenden  Feuerwerk in meinem Bauch tat, liebkosten seine Lippen meine immer leidenschaftlicher, was mich verrückt machte. Ich wollte in seine Haare greifen, doch hielt mich zurück, da ich seine Frisur nicht ruinieren wollte. Also griff ich nach seinem Nacken und zog ihn an diesem weiter zu mir herunter.

   Hatte ich nicht gesagt, dass der erste Kuss zwischen uns nicht hätte passieren sollen? Warum küsste ich ihn dann erneut?

   Ich stellte fest, dass seine Lippen wie ein süchtigmachendes Gift auf mich wirkten, dem ich nicht widerstehen konnte.

   Colyns Hände fuhren an meiner Taille auf und ab.

   Ich konnte nicht glauben, dass ich einen Verbrecher küsste und es mir sogar gefiel! Ich musste doch bei unklaren Sinnen sein!

   Gerade, als wir uns voneinander lösten, und ich ihm sagen wollte, dass wir lieber aufhören und gehen sollten, kam er mir zuvor.

   »Wir sollten wieder zurück, bevor mein Vater seine Ansprache beginnt. Sonst fallen wir noch auf.« Zwar waren wir erst seit wenigen Minuten verschwunden und ich fragte mich, warum ich für einen Kuss in ein leeres Bürozimmer gelaufen war und war wiederum froh, dass wir uns nun wieder unter die Leute mischen würden. Ich war mir nämlich noch nicht sicher, ob es richtig oder falsch war, mich mit Colyn herumzuschlagen. 

   Er schloss den Raum leise wieder auf, lukte in den Flur und als die Luft rein war - was sie in diesem Flur eigentlich die ganze Zeit war -, ließ er mir den Vortritt aus dem Raum.

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