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Kapitel 4

Die Paarung dauerte stundenlang, und jeder weitere Moment fühlte sich an wie ein Nagel im Sarg unserer Beziehung. Ich blieb in meiner Wolfsgestalt verborgen und sah zu, wie der Mann, dem ich mein ganzes Selbst geschenkt hatte, seine ganze Aufmerksamkeit einer anderen schenkte.

Als sie sich schließlich trennten, schmiegte Jessica sich an Hugos massiven Hals. Ihr silbernes Fell verschmolz mit seinem schwarzen in einer Zurschaustellung von Vertrautheit, die mir allein hätte gehören sollen. Ihre Gerüche waren nun so untrennbar verwoben, dass selbst ein Mensch ihre Bindung hätte erkennen können.

Ich wartete, bis sie getrennte Wege gingen, bevor ich zu unserem Bau zurückkehrte - mein Wolfsinstinkt schrie nach Blut und Vergeltung. Doch ich hatte einen besseren Plan, einen, der ihn weit tiefer treffen würde als jeder körperliche Angriff.

Ich begann, jedes heilige Werwolf-Artefakt zusammenzutragen, das Hugo mir im Laufe der Jahre gegeben hatte. Die Mondsteinkette, die er mir während unserer Paarungszeremonie umgelegt hatte. Der Silbermond-Stab, der meinen Rang als Luna symbolisierte. Der Blutmond-Ring, der mich als seine erwählte Gefährtin und künftige Mutter seiner Erben auswies.

Jedes Einzelne stand für ein gebrochenes Versprechen, für einen zertrümmerten Schwur.

Mit ruhigen, sicheren Händen packte ich alles in eine Holztruhe und rief den Ältestenrat an. „Ich stifte alle Luna-Artefakte der Rudelkasse. Sie sollen heimatlosen Wölfen zugutekommen, denen, die ihr Territorium an Streuner verloren haben.“

Ältester Marcus kam innerhalb einer Stunde. Seine alten Augen wurden groß, als er die Truhe voller heiliger Gegenstände erblickte. „Luna Florentina, das ist doch dein angestammtes Recht. Bist du dir bei dieser Entscheidung sicher?“

„Völlig sicher“, erwiderte ich und beobachtete, wie er behutsam den Blutmond-Ring hochhob. Der Rubin schien mit einem eigenen inneren Feuer zu pulsieren, als wüsste er, dass er aufgegeben wurde. „Gebt alles denen, die es am nötigsten brauchen.“

Als die Ältesten die Symbole meines früheren Lebens davontrugen, begann ich, meine persönlichen Sachen zu packen. Kleidung, Bücher, die wenigen menschlichen Besitztümer, die ich aus der Zeit vor Hugo bewahrt hatte.

Meine Wölfin heulte in mir auf und betrauerte alles, woran wir geglaubt hatten. Doch ich hatte meine Wahl getroffen.

Dieses Territorium, dieses Rudel, diese ganze Welt, die einst so magisch gewesen war - all das würde bald nur noch eine Erinnerung sein.

Ich faltete meine Kleider mit mechanischer Genauigkeit. Jedes Stück war ein weiterer Schritt weg von der Wölfin, die Hugo einst von ganzem Herzen geliebt hatte. Diese Wölfin starb in diesem Moment und machte Platz für eine Stärkere, für jemanden, der niemals mehr die Zweite Wahl sein würde.

Der Mond sah durch mein Fenster zu, wie ich mich auf meine Verwandlung vorbereitete - von der hingebungsvollen Luna zur freien Frau.

Hugo hatte keine Ahnung, dass er im Begriff war, alles zu verlieren.

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