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Kapitel 3

|CIGARETTES - Amir Obe|

⊏Noah⊐

Nathan reichte mir einen Becher und ich nahm ihn wortlos in die Hand. Er selbst trank einen Schluck aus seinem und richtete dann den Blick auf .. wie hieß sie noch gleich? Meli? Mendy? Keine Ahnung.

"Megan, wie geht's dir? Ich habe lange nichts mehr von dir gehört", er lallte ein ganz klein wenig. Megan, sichtlich nicht erfreut über diese Konversation antwortete nach kurzem Zögern. "Es geht mir gut danke." "Wie läufts in der Schule?" Nicht sein Ernst. Ich fuhr mir durch die Haare und Nathan schien sich daran zu erinnern das ich direkt neben ihnen stand. "Megan das ist Noah", stellte er mich peinlicher Weise vor. Ich nickte ihr zu. "Hallo Megan." Sie sah mich an und mir fiel auf das sie dunkelblaue Augen hatte. Ich starrte gerade aus und nahm einen Schluck aus meinem Becher. Megan, welche sich jetzt hilfesuchend definitiv nach ihrer Freundin umsah wirkte zunehmend unruhiger und mir kam der Gedanke, dass das was Nathan wohl für sie empfand vielleicht auf Einseitigkeit beruhte. Autsch Bruder.

Mit der freien Hand rieb ich mir den Nacken und wollte gerade eine Ausrede erfinden um zu verschwinden, da tauchte Penelope in meinem Sichtfeld auf- sichtlich angetrunken möchte ich an dieser Stelle erläutern. Sie lächelte ihr Megawatt-Lächeln und ihre weißen Zähne weckten in mir den Drang meine Hand schützend vor meine Augen zu legen. Die Blondine entdeckte mich an der Wand lehnend und grinste noch breiter. "Noah", lallte sie und schien überglücklich über meine Anwesenheit. Was ich von mir nicht behaupten konnte. Ich verkniff mir all die Kommentare, die auf meiner Zunge lagen und verbittert darum bettelten herausgelassen zu werden. Schluckte sie herunter.

"Penelope", war meine einzige Reaktion auf ihr Getue. Mein Blick glitt zu Megan, sie sah weg und errötete. "Wieso antwortest du nie auf meine Nachrichten?", beschwerte sich Penelope, sie und hatte sich inzwischen vor mich gestellt. Ihre Hände lagen auf meiner Brust und ich unterdrückte den Impuls sie von mir weg zu schieben. Meine Antwort blieb aus da in diesem Moment Cyril und Christina zu uns traten. Mein Freund beäugte die Situation und fasste einen Entschluss. "Noah ich muss mit dir reden kannst du kurz mitkommen?"

Ich nickte stumm und stieß mich von der Wand ab, brachte so Penelope dazu mich loszulassen. Christina ging hinter mir und Cyril, Megan folgte uns zu meiner Überraschung. Nathan und Penelope blieben zurück. So ließen wir wohl beide unsere unerwünschten Begegnungen hinter uns.

|Blue Lights - Jorja Smith|

⊏Megan⊐

Wir gingen in einen anderen Raum der sich als weiteres Wohnzimmer herausstellte. Echt nervig. Wenn ich jetzt noch eine Bücherei und einen Swimmingpool fand, müsste man mich hier unter Gewaltanwendung herauszerren.

Mein Gesichtsausdruck musste wohl ziemlich entnervt ausgesehen haben denn Christina tauchte neben mir auf und musterte mich kurz. "Alles okay bei dir?" Ich nickte nur und lächelte leicht. Cyril unterhielt sich währenddessen aufgebracht mit Noah. "Ich hab sie nicht eingeladen Mann, du weißt wie das ist, man erzählt es den Personen die man dahaben will und die anderen kommen einfach auch." Noah, welcher mittlerweile einen ebenso genervten Gesichtsausdruck trug wie ich antwortete so leise das ich es nicht verstand. Nach einer Weile sprang Christina auf. "Wer hat Lust auf Bier Pong?"

Cyril stimmte ihr augenblicklich zu und ich sank noch tiefer in den weichen Sessel auf dem ich saß. Zu meiner Überraschung stand Noah auf und ging zu einem der Schränke an der Wand. Sie waren aus massiv wirkendem Holz gefertigt und doch übersäht von feinen Mustern. Irgendwie wirkten sie fehl am Platz in diesem hochmodernen Haus. Wenige Augenblicke später kehrte er mit einer Glaskaraffe und einem Stapel roter Plastikbecher zurück. Mir entging nicht wie Noah etwas davon in einen der Becher füllte und in einem Zug austrank. Cyril füllte die restlichen Becher und reihte sie am Ende des Tisches auf.

"Also gut", meinte er als alle etwa zwei Finger breit mit brauner Flüssigkeit gefüllt waren. "Wir spielen kein normales Bier Pong", erläuterte er und sah mich an. "Die Person die trifft darf eine andere aussuchen und ihr eine Frage stellen. Nur eine Frage und keinen Gegenfragen."

Gerade als ich mich fragte wie ich dieses Spiel am besten vermeiden konnte erklang Christinas Stimme "Komm schon Megan, das wird lustig", natürlich wusste sie weshalb ich noch hier saß. Wiederstrebend stand ich auf und ging zu ihnen. "Ich fange an!", entschied Christina und Cyril warf ihr einen kleinen weißen Tischtennisball zu.

Ich stellte mich zu Cyril und Noah und beobachtete wie meine Freundin ihren Arm ein paar mal anwinkelte und dann ruckartig ausstreckte. Sie hatte ein Auge zugekniffen und starrte konzentriert die Plastikbecher auf der anderen Seite an. Als könnte sie sie dazu bringen den Ball zu verschlucken, wenn sie diese nur konzentriert genug anstarrte. "Wir warten", kommentierte Cyril trocken. Dafür erntete er von mir einen Schlag auf die Schulter. "Sie darf so lange da stehen wie sie möchte", beschloss ich und zwinkerte ihr zu. Als sie schließlich den Ball warf und den zweiten Becher traf quietschte sie erfreut. Sie ging zu dem Becher und trank ihn in einem Zug aus. Wenn das so weiter ging war ich bald die einzige nüchterne Person hier. Ach was dachte ich, das war ich längst!

Christina drehte sich zu uns um und überlegte einen Moment welche Frage sie stellen sollte. Nachdenklich tippte sie sich mit dem Zeigefinger ans Kinn.

Ihr Blick fiel auf Noah, sah dann doch zu Cyril. "Liebst du mich?" Okay wow. Ich sah das Noah sich anscheinend sehr zusammenriss um nichts zu sagen. Unwillkürlich fragte ich mich was er von der Frage hielt. Warum interessierte es mich was er dachte?

Auf Cyrils Gesicht hingegen erschien ein breites Grinsen. "Natürlich Babe" Es folgte eine Reihe unangenehmer Augenblicke in denen ich meinen Blick auf die Kristallflasche richtete. Vielleicht sollte ich mir mit dem Ding einfach den Schädel zusammen schlagen. Oder vielleicht bat ich auch Noah das für mich zu übernehmen.

Danach war Cyril an der Reihe. Er warf den Ball mit geübter Leichtigkeit und streckte triumphierend eine Faust in die Luft. "Ich bin der Meister! Eine lebende Legende.", lobte er sich selbst. "Und genau wegen dieser selbstgefälligen Art können dich so viele nicht ausstehen", kommentierte Noah trocken. "Ach du bist nur neidisch alter", rief Cyril entspannt aus. "Aber wenn wir gerade dabei sind-", er zeigte auf den schwarzhaarigen Jungen. "Wieso studierst du eigentlich Literatur Shakespeare? Das hast du mir seit wir uns kennen nie erzählt" Ich spitzte die Ohren. Interessant. "Ist das eine deiner Maschen bei den Frauen oder gefällt es dir wirklich?"

Noahs Gesicht nahm einen seltsamen Ausdruck an. "Ja, natürlich, nur wegen der Weiber. Es hat mir schon viel geholfen bei Dates zu sagen das ich auf Poesie stehe. Da flippen die immer gleich total aus." Niemand sagte etwas. Dann fing Cyril an zu lachen. Er lachte so sehr das er sich den Bauch rieb. Noahs Lächeln aber wirkte falsch und unehrlich und seine Augen traurig. Er erwischte mich beim Starren und konnte nicht wegsehen- konnte den Schmerz nicht ignorieren. Noah blickte mich fast schon herausfordernd an. Als wartete er darauf das auch ich anfangen würde zu lachen. Ich wandte den Blick ab.

|The Enemy - Andrew Belle|

⊏Megan⊐

Danach passierte nicht mehr viel. Cyril schenkte Christina und Noah etwas aus einer anderen- nicht minder edleren Glaskaraffe ein. Ich verneinte die Frage ob ich auch einen Schluck haben wollte und griff nach meinem Handy. Zwei verpasste Anrufe. Ich hielt inne. Mit einem flauen Gefühl entsperrte ich mein Handy und rief die Anruferliste auf. Dort stand eine Nummer. Meine Hände zitterten und ich versuchte mich zu beruhigen. Ich durfte keine Voreiligen Schlüsse ziehen. Es war bestimmt nur ein Spam oder jemand der sich verwählt hatte. Kein Grund zur Panik. Christina und Cyril unterhielten sich angeregt über irgendeine Familienfeier bei der sie zusammen auftauchen wollten. Mein Herz hämmerte so laut, dass ich mich wunderte warum es niemand hören konnte. Ich schluckte, schluckte noch einmal. Meine Kehle war wie ausgetrocknet, gerade jetzt wünschte ich mir mit aller Kraft einen randvollen Becher mit der dunkelbraunen Flüssigkeit herbei. In diesem Zimmer war die Musik zwar leiser, aber ich konnte die Party förmlich fühlen. Ich musste hier raus, konnte die wummernden Bässe nicht ertragen. Mein Atem ging schneller und ich sprang auf.

Ich musste hier raus, musste nach hause, musste meiner Mutter sagen dass.. musste musste musste. Ohne eine Sekunde länger zu warten rannte ich aus dem Raum. Geradewegs auf die Ausgangstür zu. Hinter mir vernahm ich gedämpfte Rufe, gedämpft durch die Musik und meine Panik. Dann lief ich los.

In dieser Gegend gab es nur eine Bushaltestelle. Ich wusste es weil Christina einmal mit mir den Bus genommen hatte und hier ausgestiegen war. Nur konnte ich mich nicht mehr daran erinnern wo genau sie den Bus verlassen hatte. Ziellos rannte ich die Straße entlang bis ich endlich das Schild der Haltestelle sah. Inzwischen mussten etwa zehn Minuten vergangen sein und ich hatte die nicht aufzuhören wollenden Anrufe von Christina geflissentlich ignoriert. Mein Blick glitt auf die Tafel mit den Fahrzeiten und ich seufzte erleichtert. In sechs Minuten kam mein Bus. Geschafft ließ ich mich auf die Bank sinken und atmete tief ein und aus. Meine Gedanken wirbelten durcheinander wie der Inhalt einer geschüttelten Schneekugel. Die Nummer hatte sich nicht mehr gemeldet. Vielleicht war es wirklich unbedeutend. Nach einem Moment überwand ich einen Teil meiner Angst und rief ein zweites Mal die Liste der eingegangenen Anrufe auf. Der Anruf stammte aus Seattle.

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