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Kapitel 2

|YEAH RIGHT - Joji|

⊏Noah⊐

Ich schob mich zwischen schwitzenden Körpern, die sich im Takt der dröhnenden Bässe bewegten hindurch und wich ein paar Frauen aus, die ganz offensichtlich mit mir tanzen wollten. "Mann, ich dachte nicht das so viele Leute kommen würden", beklagte sich Nathan nun schon zum zweiten mal innerhalb von fünf Minuten. Langsam lies ich meinen Blick über die tanzenden Leute schweifen und fuhr mir mit der Hand durch mein Haar, dann hob ich den Plastikbecher an die Lippen und trank einen Schluck. Der teure Scotch von Nathans Eltern wärmte mich von innen und ich entspannte mich etwas. Nathan redete etwas über ein Mädchen, dass er erwartete. Ich hörte nicht zu sondern starrte auf mein Handy. Eine Nachricht von meiner Mutter war soeben eingegangen.

Hab ein bisschen Spaß, den hast du dir verdient. Ich habe die Schlüssel vor die Wohnungstür gelegt. Ich hab dich lieb.

Ich presste die Lippen zu einem dünnen Strich zusammen und ließ das Handy zurück in meine Hosentasche gleiten. Normalerweise würde ich den Sonntagabend Zuhause verbringen, in meinem Zimmer ein Buch lesen oder am Tisch schreiben. Gerade jetzt verspürte ich den Drang meine Gedanken aufzuschreiben. So ging es mir recht häufig in letzter Zeit. Nur das Blatt, ein Stift und ich. Niemand der Erwartungen an mich stellte. Mich bewertete. Nur ich und meine Gedanken. Gedanken die zu Worten wurden, die sich langsam auf dem zuvor leerem Blatt abzeichneten.

"Hey Tina!", Nathans Stimme riss mich aus meinen Gedanken und lies mich aufblicken. Ich sah eine Brünette auf uns zugehen, sie hatte einen Arm um Cyril gelegt. Cyril und ich begrüßten uns mit der typischen Mischung aus Handschlag und Schulterklopfen. Ich mochte den blonden Jungen mit dem breiten, einnehmenden Lächeln.

Er war von Anfang an nett zu mir, war auf eine Weise offen, die es heutzutage nur noch selten gab. "Hey Leute", begrüßte uns besagte Person "Tina, das ist Noah, er ist erst seit zwei Wochen bei uns und schon auf dem Weg der nächste große Herzensbrecher zu werden. Dabei ist er eigentlich einer der besten Typen die mir bis jetzt unter gekommen sind." Ich bemühte mich um eine ausdruckslose Miene und antwortete: "Ich habe dir doch gesagt du sollst keinen Scheiß reden", antwortete ich, aber konnte ein kleines Grinsen nicht verbergen. Nathan lachte und klopfte mir auf die Schulter. "Das mit dem Charme üben wir aber noch", ich schüttelte bloß den Kopf. Nach einer Weile fragte Nathan an Christina gerichtet "Wo ist Megan?", er sah hinter sie als ob die gesuchte Person sich hinter ihr verstecken könnte. Doch da war niemand. Christina, der die Sache sichtlich unangenehm war sah ihn mit entschuldigender Miene an. "Sie muss sich für eine Klausur vorbereiten, tut mir leid. Sie hat mir gesagt ich solle dich von ihr grüßen."

Es war offensichtlich das sie log doch niemand bohrte weiter nach. Danach war Nathans Stimmung angeschlagen. Auch wenn er es zu verstecken versuchte. Vielleicht war er in das Mädchen verliebt. Ich trank mit ihm den Scotch aus und er schenkte uns nach. Wir redeten über Belanglosigkeiten bis ein Mädchen das ich zuvor noch nie gesehen hatte Nathan an der Hand packte und unter die Tanzenden zog. Ihre Freundin warf mir anzügliche Blicke zu, die ich geflissentlich ignorierte. Ich stand eine Weile alleine da und beobachtete Cyril, welcher mit seiner Freundin auf der butterfarbenen Couch saß. Als Christina meinen Blick bemerkte starrte sie mich einen Moment an. Mein Handy vibrierte und ich holte es hervor. Meine Mutter hatte mir geschrieben.

Alles okay bei dir? Ich wollte mich nur mal melden und fragen ob ich dich nicht doch abholen kann.

Ich seufzte und ging in die Küche um meinen Becher in einen der bereitgestellten Plastiksäcke zu werfen. Während ich ging antwortete ich meiner Mutter.

Du kannst mich abholen, ich warte vor der Einfahrt.

Ich ging zu Cyril und Nathan zurück. Letzterer stand wieder alleine da. Von dem Mädchen war nichts mehr zu sehen. "Ich hau ab, meine Mom will mich abholen", schrie ich ihnen über die Musik zu. Sie nickten und ich verabschiedete mich. Ich warf einen Blick auf die Uhr.

02:14 Uhr

|Mistakes Like This - Prelow|

⊏Megan⊐

"Mein Leben ist gelaufen. Ich bin so gut wie tot", Christinas frustrierte Stimme drang an mein Ohr und ich legte den Strohhalm aus der Hand. Inzwischen sahen die Kanten und Ecken der Kinicke beinahe beeindruckend aus. Das Konstrukt fiel auf den Tisch. "So schlimm kann es doch gar nicht gewesen sein. Ich meine, die ersten zwei Aufgaben konntest du immerhin beantworten und-", meine Freundin starrte beschämt des Tisch an. "Oh", war das einzige das mir dazu einfiel. Sie stieß einen kläglichen Laut aus und vergrub das Gesicht in den Händen. Ich legte meine Hand auf ihren Rücken. "Du schaffst das schon, ja du hast eine Klausur vermasselt, na und? Es war nicht deine letzte, du kannst das wieder hinkriegen."

Langsam hob sie den Kopf und sah mich an. "Wenn du nicht die weltbeste Freundin wärst, wäre ich total eifersüchtig auf dich." Meine Laune sank mit einem mal. Niemand sollte eifersüchtig sein auf mich. Vor allem nicht Christina. Wortlos nahm ich einen Schluck meines Kaffees.

"Du weißt ja das Cyril heute eine Party feiert oder?", fragte sie vorsichtig während wir uns auf den Weg zu ihr nachhause machten. Ich brummte irgendetwas unverständliches. Meine Freundin warf mir einen Seitenblick zu. Während ich überlegte und auf meiner Unterlippe kaute fuhr sie fort: "Bitte, du musst einfach kommen. Ich verspreche dir das wir gehen wenn du mich darum bittest." Scharm nistete sich in meinen Eingeweiden ein und verknotete sie. Ich verzog das Gesicht. "Du solltest aber nicht wegen mir die Party deines Freundes verlassen."

Sie wischte meine Bedenken mit einer einfachen Handbewegung weg und schob sich eine Haarsträhne hinters Ohr. "Cyril würde sich wirklich freuen und ich mich auch." Ich stieß die angehaltene Luft aus. "Ich...ich weiß nicht." "Du kannst auch nur Wasser trinken, ich werde mich jedenfalls nicht beklagen", versprach sie. Stille. Ich hörte nur unsere Schritte auf dem rissigen Asphalt. Auch meine Entschlossenheit bekam Risse, bröckelte langsam aber sicher. "Okay" hörte ich mich sagen. Christina quietschte erfreut und klatschte in die Hände. "Das wird so super!", rief sie aus. "Es ist doch nur eine Party Christina", damit wollte ich eigentlich eher mich beruhigen als meine beste Freundin.

Als wir bei Christina ankamen, ließ ich mich auf das große, mit strahlend weißen Laken überzogene Bett fallen während sie auf geradem Weg zu ihrem begehbaren Kleiderschrank ging und darin verschwand. Ich betrachtete die Decke und ließ meinen umherirrenden Gedanken freien lauf. Nur einmal. Ich hasste Partys, war schon auf zu vielen gewesen. Dort habe ich mich immer unwohl gefühlt. Als ob ich die anderen durch eine Glasscheibe betrachtete. Ich war da aber auch wieder nicht. "Was machst du so lange da drinnen?", fragte ich Christina, die immer noch in ihrem Kleiderschrank war. Als sie aus dem Schrank trat hielt sie etwas in den Händen und streckte mir es triumphierend entgegen. "Auf keinen Fall!", rief ich entsetzt aus. Vor meiner Nase baumelte ein rosa Minikleid. "Nein. Kommt nicht in Frage.", stellte ich entsetzt fest. Dieses...Ding da zeigte mehr als es verdeckte. "Damit gehe ich nicht einmal aus dem Haus."

Christina seufzte. Ich warf ihr halbherzig einen entschuldigenden Blick zu. Sie nickte und verschwand wieder im Ankleidezimmer. "Was hast du eigentlich morgen vor?", fragte Christina, ihre Stimme kam gedämpft aus dem Schrank. Eigentlich war es gar kein Schrank. Nun, es war in der Hinsicht schon der Ort an dem sie ihre Kleidung aufbewahrte. Nur eben das es kein Schrank war sondern ein ganzes Zimmer. Sie hatte ein eigenes Zimmer für ihre Klamotten, ihre Schuhe und ihre Taschen. In manchen Momenten beneidete ich meine Freundin.

Ich schob den Gedanken beiseite und antwortete. "Ich wollte noch ein letztes Mal über meinen Aufsatz für Mr. Cowell lesen und-", sie unterbrach mich. "Super, dann kannst du mit mir und Cyril zu Abend essen. Neun Uhr, wir holen dich ab. Vielleicht kann Cyril einen Freund mitbringen." Ich trat zu ihr in den Schrank oder das Ankleidezimmer oder was auch immer. Sie stand vor einer Stange voller Kleider an Bügeln, die einander überstrahlten.

Das eine schöner als das davor.

|Worst of You - Maisie Peters|

⊏Megan⊐

Die nächste halbe Stunde verbrachten wir damit ein Kleid zu finden, das sowohl meinen Vorstellungen von Kleidung, als auch ihrer Auswahl entsprach. Zu guter Letzt einigten wir uns auf ein graublaues, mit Pailletten besticktes Kleid mit kurzen Ärmeln. Über den Preis will ich nicht einmal nachdenken.

Es war dennoch etwas zu kurz für meinen Geschmack aber das nahm ich wohl oder übel in Kauf. Als ich mich um Neun Uhr endlich vor dem Spiegel betrachtete, wunderte ich mich über mich selbst. Meine braunen Haare waren offen und fielen weich über meine Schultern. Christina hatte mich anschließend trotz meiner Proteste dazu überredet mich zu schminken. Ich sah gut aus, mit der Hand strich ich über die Pailletten und drehte mich mit einem kleinen Lächeln zu Christina um. Sie stand in einem dunkelblauen Kleid im Türrahmen.

"Ich habe Cyril geschrieben das ich gleich komme. Er weiß nicht das du auch kommst. Es wird eine Überraschung", sie lächelte hinterlistig und schob mich zur Tür hinaus. Als wir in ihrem Auto saßen, drehte sie die Musik leiser. "Ich habe das Gefühl dich irgendwie gezwungen zu haben mitzukommen", sie kaute auch ihrer Lippe. Ich sah zu ihr. "Nein, mach dir keinen Stress, es wird schon nicht so schlimm werden", versicherte ich nun schon zum zweiten mal an diesem Tag.

Das Haus vor dem wir hielten war beinahe noch größer als das von Christina. Es besaß eine imposante Auffahrt und sogar einige niedrige Treppenstufen die zu der Eingangstür führten. Einige Leute lungerten vor dem Eingangsbereich herum, tranken, lachten und rauchten etwas das ich mir lieber erst gar nicht so genau ansah. Dann waren wir im Haus. Schon von draußen hatte man die Bässe gehört. Doch jetzt, im Haus, war es ohrenbetäubend laut. Christina schrie mir etwas zu das ich nicht verstand und zog mich mit sich. Wir gelangten in einen mit Menschen angefüllten Raum. Es waren so viele das ich mich wortwörtlich zwischen den Körpern hindurch zwängen musste. "Babe!", hörte ich Christina rufen und sah mich ebenfalls um konnte aber nichts erkennen. Endlich gelangten wir zu einer weniger belebten Stelle.

Jetzt sah ich Cyril der Christina an sich zog und küsste. Ich lächelte leicht. Sie waren wirklich ein gutes Paar. Als ich aufsah traf mich sein Blick und ein überraschtes Grinsen trat auf sein Gesicht. "Megan! Halluziniere ich etwa?", er ging auf mich zu und zog mich in eine freundschaftliche Umarmung. "Kommt ganz darauf an was hier drinnen alles zu geraucht wird", erwiderte ich und lachte leicht. Vielleicht wird der Abend ja doch ganz okay. Gerade als ich das sagte hörte ich eine Stimme hinter mir. "Megan?", ich schluckte und drehte mich langsam um. Nathan stand in einem weißen T-Shirt vor mir. "Hi", sagte ich lahm. Er starrte mich an. Ein Junge tauchte an seiner Seite auf. Oder stand er dort schon vorher? Er war groß, größer als Nathan, hatte schwarze lockige Haare und trug ein schwarzes Shirt. "Ich wusste gar nicht das du kommst", Nathans Stimme ließ mich meinen Blick abwenden. "Tja, jetzt bin ich hier." Es folgte ein peinliches Schweigen in dem niemand so richtig wusste was er sagen sollte. "Ich hole mir etwas zu trinken willst du auch etwas?", fragte mich Nathan und ich verneinte schnell. Er ging davon und ich wandte mich zu Christina nur um einen Moment später zu bemerken das sie nicht mehr neben mir stand. Ich sah mich suchend um, konnte sie jedoch nirgendswo entdecken. Überall nur fremde Leute. Mein Blick fiel auf den schwarzhaarigen Jungen. Er hatte sich an die Wand gelehnt und starrte in die Menge tanzender Körper. Ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen. Während ich noch überlegte sah ich wie Nathan zu uns zurück kam.

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