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Kapitel 1 - Seite 3

Unter uns Werwolfen existierten genau drei Arten:

Die Betas. Sie waren die Experten und unterstützten die Alphas, um ihnen dabei zu helfen, in ihrer Stellung zu bleiben. Deren Gegenspieler waren die Omegas. Anders als Betas konnten sie ebenso Alpha werden oder von diesem gezähmt in seiner Position gehalten werden. Manchmal wurden Omegas auch zum Sündenbock oder Bauernopfer, wenn man sie aus dem Rudel drängte. Und dann gab es da noch die Alphas, die ihr Rudel beschützten und dessen Anführer war.

Auch ich gehörte dazu und war ein Omega. Deshalb war das nicht immer so leicht auf der Straße, denn ich verströmte einen süßlichen Duft, der ungewollt andere Wölfe anlockte, die sich daraufhin mit mir vereinigen wollten. Auch dieser Club bestand aus reinen Werwölfen, die sich hier vergnügten und Spaß hatten. Dennoch gab es noch einige Menschen, die uns verabscheuten und aus reinem Vergnügen Jagd auf uns machten, um uns zu töten. Deshalb mussten wir verdammt nochmal vorsichtig sein, nur klappte das nicht sonderlich gut. Wir reagierten sehr intensiv auf dem Vollmond und verrieten uns somit an die Menschen. Dennoch können sich Feen und Vampire viel besser verstecken, da sie viel menschlicher aussehen als wir, denn Gegensatz zu ihnen, besitzen wir Wolfsohren und Wolfsschwänzen. Nachdem mich leise Vögelgeräusche aus meinen tiefen Gedanken erlösten, machte ich mich bereit. Ich stand langsam auf und ging zu meinem Kleiderschrank, den ich sofort öffnete und mir eine schwarze Jogginghose, eine graue Boxershorts und einen langen roten Hoodie herausholte, dazu noch warme schwarze Socken. Ich lief ins Badezimmer und verschloss die Tür - das tat ich rein intuitiv aus Angst. Ich wollte einfach nicht, dass jemand zu mir reinkam, mich nackt sah und dazu meine ganzen Narben auf dem Körper entdeckte oder auf sonstige Ideen kam. Ich hatte für kurze Zeit auf der Straße gelebt und musste oft meinen Schlafplatz verteidigen, dennoch hatte ich tiefe Wunden davongetragen, wie auch Angstzustände. Deshalb vertraute ich mich kaum noch an, um so vieles zu vermeiden. Allerdings würden mich diese Narben immer daran erinnern, was mir widerfahren war.

Ich entledigte mich meiner Klamotten und huschte schnell unter die Dusche, dort fühlte ich mich einfach wohl. Das warme Wasser prasselte auf meinen blassen, mickrigen Körper hinab. Seit diesem Vorfall hatte ich keinen Drang mehr, etwas zu mir zu nehmen. Dennoch zwang mich Max immer, wenigstens etwas zu essen. Ich war 1.73 cm groß und wog 54 Kilo. Ich wusste, dass ich eigentlich mehr wiegen sollte, aber ich schaffte es nicht. Mich überkam immer eine Übelkeit, wenn ich mehr aß als mein Körper überhaupt wollte. Ich wusste selbst, dass ich wieder zunehmen musste, da ich einfach zu schwach war, und meine körperliche Verfassung erschreckte mich. Deshalb versuchte ich es jeden Tag ein Stückchen mehr und es gelang mir sogar, was mich innerlich freute. Ich musste wieder stärker werden und mich meinen Ängsten stellen, dennoch ließ sich das einfacher sagen, als es eigentlich war. Das Duschen hatte mich beruhigt, jetzt roch ich wieder gut und ich fühlte mich in meinem Körper sehr wohl. Seitdem meine Eltern verstorben waren, hatte ich täglich diese Alpträume und sie machten mich fertig. So fertig, dass ich mir selbst die Schuld für alles gab. Ich verließ die Dusche und trocknete mich erstmal ab. Meine blauen Flecken und die leicht sichtbaren Knochen waren für mich noch immer unangenehm. Nie wieder ließ ich mich von jemanden berühren, niemand würde jemals meinen Körper sehen. Ich zog mir meine Klamotten an und verdeckte somit meine Vergangenheit - das musste keiner erfahren. Niemand. Fertig und nicht wirklich hungrig, schlurfte ich aus meinem Zimmer in das hell erleuchtete Esszimmer, wo auch schon Max auf mich wartete. „Nah, geht’s dir besser?” Ich setzte mich ihm gegenüber und nickte schüchtern. Er schob mir einen Pfannkuchen entgegen „Das wirst du bitte essen und nebenbei kannst du mir erzählen, was du da geträumt hast”, sagte er und aß schon seinen Pfannkuchen mit Apfelmus. Natürlich gab es das nicht immer, wir hatten auch mal Waffeln oder Brötchen. Ich aß ein kleines Stück meines Pfannkuchens und schluckte es schwer herunter. „Ich …”, begann ich und wieder kam mir alles hoch. Mein Chef bemerkte dies und sah mich beruhigend an. „Ganz ruhig, du hast Zeit. Du kannst es mir erzählen, wenn du dich dafür bereit fühlst. Das weißt du, oder?” Ich nickte einfach nur stillschweigend und aß meinen Pfannkuchen bis zur Hälfte auf. Mein Magen schrie nach mehr, aber wenn ich jetzt nur noch einen Bissen machen würde, dann würde ich alles wieder auskotzen. Ich schob den Teller zur Seite und stand auf, meine Beine wackelten ein wenig. Dennoch ließ ich mir nichts anmerken. „Ich gehe mich umziehen und fange dann an, vorne alles vorzubereiten. Ich stelle mich dann Punkt 10 Uhr an die Theke.” Ich wartete auf keine Antwort und lief einfach zurück ins Zimmer. Mein Chef hasste es, wenn ich mich von ihm so abwendete. Aber er konnte es einfach nicht nachvollziehen, wie es war, wenn man jemanden so früh verlor, der einem sehr wichtig war. Als ich in meinem Zimmer ankam, lief ich sofort zu meinem Kleiderschrank und holte meine weiße Bluse und einer schwarze Jeans heraus. Ich starrte auf meine Wolfsohren und meinen Wolfsschwanz. Sie hatten auch mal kräftiger ausgesehen, dennoch ließ mich ihr Anblick kurzzeitig in schöne Erinnerungen abdriften. Ich erinnerte mich an die schönen Tage im Wald, die ich in meiner Wolfsform verbrachte. Schließlich liebte ich es in den Wald zu gehen, mich zu verwandeln, durch den Wald zu rennen und den herrlichen Wind in meinen Fell zu spüren. Das machte ich zurzeit jeden Abend.

Da konnte ich wirklich all meine Gedanken vergessen ...

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