Kapitel 1 - Seite 4
Ich zog mich anschließend um und machte mich auf den Weg. Nach wenigen Minuten betrat ich den großen, dunklen Eingangsbereich der Bar-Disco. Als Erstes zog ich die schwarzen Vorhänge zurück und die warmen Sonnenstrahlen kamen langsam zum Vorschein, die mich herrlich erwärmten. Die Morgensonne war wirklich bezaubernd, auch wenn es zurzeit noch nicht ganz so warm war, brachte die Sonne eine erstaunliche Wärme hervor. Ich widmete mich wieder meiner Arbeit und holte die schwarzen Barhocker von den weißen Tresen herunter, sowie alle anderen schwarzen Stühle von den abgerundeten, weißen Tischen. Dieser Club hatte einen sehr altmodischen Einrichtungsstil und war am Eingang mit unterschiedlichen Pflanzen bewachsen. Er stand mitten im Wald und konnte somit nur von Wölfen erreicht werden, sehr abseits der Stadt Trea. Ich holte mir einen feuchten Lappen und wischte anschließend über alle glatten Flächen. Die Wände waren in einem bläulichen Ton gehalten und leuchteten abends mit verschiedenen Lampen auf, während auf dem Boden ein sehr weicher schwarzer Teppich ausgelegt worden war. Ich lief hinter die Tresen und begann schonmal damit, ein paar Mischungen zusammenzumixen. Da tobte ich mich immer aus, mal gab es Erdbeeren mit Bananen, ein anderes Mal Kiwis mit Orangen, oder Blaubeeren und Himbeeren. Es machte mir tatsächlich viel Spaß mich da auszutoben und viel zu experimentieren. Anschließend fegte ich die Bühne und bereitete alles für die Band vor. Als ich auf die große, alte, dunkle Uhr vor mir sah, war es schon Zeit, den Laden zu öffnen.
Ihr denkt euch sicher, welche Bar öffnet denn bitte schon um 10 Uhr? Ja, eigentlich keine, dennoch haben wir nur von 10 bis 19 Uhr die Bar in Betrieb und stellen danach auch die Bühne zu Verfügung, wo verschiedene Werwölfe ihre Show zeigen. Außerdem können sich die Gäste in die hinteren Räumlichkeiten zurückziehen, um sich anderen Vergnügungen zu widmen.
Max Müller
Schwer seufzte ich und blickte dem lila-blonden Jungen hinterher. Zurückgelassen und ohne zu wissen, was wirklich in ihm vorging, da er ja keinen an sich ran ließ. Nicht mal mir gegenüber öffnete er sich. Sollte ich meinen alten Freund Noah informieren? Ihn um Rat fragen? Ihm Tyler vorstellen. Vielleicht wird er wieder offener, andererseits könnte es dann noch schlimmer werden. Ich schloss für einen kurzen Moment die Augen und atmete tief durch, ehe ich sie wieder öffnete und anschließend aufstand. Den Gedanken an Noah verdrängte ich sofort wieder und räumte anschließend die Teller weg. Um den Abwasch kümmerte ich mich später. Ich wischte den Tisch noch einmal ab, ehe ich mich auf den Weg zu meinem Büro machte. Der Flur war schwarz, es gab kaum Licht und viele Bilder hingen auch nicht wirklich an den Wänden. Ich hatte mich darum nie gekümmert, weil ich sowieso nur in meinem Büro war. Ich lief an vielen Zimmern vorbei: Schlafzimmer, Badezimmer, Abstellkammer, aber auch an der Bar. Mein Blick schweifte einen kleinen Moment in das große Zimmer und entdeckte somit, wie sich Tyler von der hellen Sonne erwärmen ließ. Diese Augenblicke genoß ich wirklich, wenn ich ihn mal glücklich sehen konnte und nicht immer eingeschüchtert von seinen schlimmen Alpträumen. Jede Nacht hörte ich ihn nach seiner verstorbenen Mutter schreien. In diesem Geschrei steckte so viel Schmerz und Traurigkeit, das brach mir einfach nur das Herz. Ich schloss die Tür leise und verzog mich langsam in mein kleines, feines Büro. Ein schwarzer Schreibtisch mit vielen Unterlagen und einem hochwertigen Rechner. Ich musste endlich anfangen, den Papierberg abzuarbeiten, statt mich davor zu drücken. Ich seufzte und setzte mich anschließend auf meinen alten roten Stuhl, er knirschte und zerbrach schon fast. Ich sollte mir wirklich einen neuen zulegen, immerhin wurde er schon über 10 Jahre benutzt. Ja, seit 10 Jahren besaß ich den Laden schon, es war schon immer mein größter Traum so etwas zu besitzen. Klar, die Schreibarbeit am PC nervte mich manchmal, aber das gehörte eben dazu. Dafür hatte ich wunderbare Mitarbeiter, auf die ich mich immer verlassen konnte. Tyler machte grundsätzlich die Bar, verkaufte Drinks und gab manchmal auch Cocktails aus, dann hatte ich noch Ben, der abends die Leute mit seinem guten Gesang und seinem guten musikalischen Talent unterhielt, und Timo, der die Leute an den Tischen bediente und ihnen Essen und Trinken brachte. Alle drei waren sehr sympathisch, zuverlässig und vertrauensvoll. Sie konnten gut im Team arbeiten und auch mal drei bis sechs Stunden unbeaufsichtigt sein, sie brauchten mich nicht unbedingt. Ich lächelte und war glücklich. Der PC war inzwischen schon hochgefahren und somit konnte ich anfangen meine Unterlagen zu sortieren und zu bearbeiten.
