Lieber nicht (8)
An: 1204 Wörter, puh das Kapitel ist auch nicht so wirklich mein favourite, aber man kann es aushalten. Jo, viel Spaß beim Lesen! Hihi :D
Olivia
Sie mochte es nicht. Wie Professor Collin sie seit ihrem letzten aufeinander Treffen belagerte. Wie er überall war, wo sie war. Wie er sie fast schon stalkte.
Auch jetzt fühlte sie sich beobachtet.
Sie saß, wie fast jeden Sonntag in der Bibliothek und studierte gerade ein Buch, welches sie sich ohne große Überlegungen aus dem nächstbesten Regal gegriffen hatte.
Mit einer schnellen Bewegung blätterte sie zur nächsten Seite und ließ dabei unauffällig den Blick zu ihrem Professor wandern, der drei Tische weiter schräg von ihr saß und gelangweilt durch ein Buch durchforstete. Olivia vermutete, dass es Shakespeare war. Altmodisch aber gut.
Mit einem Seufzen schaute sie wieder auf ihr eigenes Buch und überflog die Zeilen. Sie bemerkte gar nicht, wie ein gewisser Mann den Kopf hob und sie musterte.
Doch das musste sie gar nicht, denn schon in der nächsten Sekunde gab sie es auf, sich zu konzentrieren und stand abrupt auf, was den alten Stuhl sehr ins wanken brachte. Mit einem schnellen Griff hielt sie den Stuhl vorm Umfallen ab und ging in Richtung Ausgang.
Wenn Professor Anderson ihr jetzt folgen würde, dann wäre sie sich sicher, dass er ein stalker war.
,,Guten Abend Ihnen", wünschte sie der Bibliothekarin beim verlassen und ging schnellen Schrittes um die nächste Ecke.
Kurzerhand entschloss sie sich hinter der Wand halt zu machen um zu sehen, ob er ihr wirklich folgen würde.
3 Minuten- danach würde sie gehen. Vielleicht war es wirklich nur Zufall.
2 Minuten waren vergangen und so entschloss Olivia sich dazu, zu gehen. Wahrscheinlich waren doch es nur Zufälle und sie hatte sich das alles bloß eingebildet.
Seufzend ging sie um die Ecke und bereute es im nächsten Moment, denn nur einen Augenblick später landete sie auf einer harten Brust.
,,Sorry", murmelte sie, ohne einen Blick nach oben zu wagen.
,,Ist...äh schon gut"
Beim Erkennen der schrecklich bekannten Stimme, schoss ihr Kopf in die Höhe.
Vor ihr stand Professor Anderson, der jetzt unbeholfen einen Schritt zurück trat und sie musterte.
,,Miss Taylor.", sagte er und klang wieder wie ein strenger Professor.
,,Was machen Sie so spät am Abend noch vor der Bibliothek?"
Olivia stutzte. Tat er jetzt so, als hätte er sich nicht schon den ganzen Tag wie ein Stalker verhalten und sie in der Bibliothek beobachtet?
,,Ich habe nur ein bisschen gelesen und jetzt... will ich nach Hause, also", sagte sie und deutete bei den letzten Wörtern auf den Gang, den er ihr mit seiner Größe versperrte.
,,Achso...ich äh ja", er stellte sich möglichst nah an die Wand, sodass Olivia problemlos an ihm vorbei konnte. Doch trotzdem entschied sie sich dazu so nahe an ihm zu gehen, dass ihr Arm den seinen berührte, wobei ihr sein angehaltener Atem als Reaktion nicht entging.
Ein paar Schritte war sie gegangen, als seine warme Stimme neben ihr ertönte. ,,Ist es weit nach Hause?", fragte er unschuldig, während er zu ihr aufschloss.
,,Es geht.", sprach sie und vermied jeglichen Blick Kontakt. Dass sie eigentlich mehr als 1 Stunde auf einen Bus, der nach außerhalb fuhr warten musste verschwieg sie dabei gewissentlich.
,,Ich kann... di-Sie mitnehmen."
Olivia dachte stirnrunzelnd nach. Sie hatte 2 Möglichkeiten. In der eisigen Kälte warten oder ihrem Stalker Professor sagen, wo sie wohnte.
Weil sie die Kälte hasste, entschied sie sich für Option 1 und nannte ihm ihre Adresse. Obwohl sie sich leicht unwohl bei dem Gedanken fühlte, dass er nun ihre genaue Adresse wusste, gab es ihr gleichzeitig ein Gefühl von Sicherheit und... Intimität.
Gemeinsam liefen sie auf sein Auto zu. Ein Mercedes.
,,Schickes Auto", murmelte Olivia, als sie kurz vor dem Auto waren. Ihr Professor nickte bloß und joggte ein wenig, sodass er nur wenige Sekunden vor ihr die Beifahrertür erreichte und sie ihr öffnete.
Ein kleines Lächeln zierte sein Gesicht, als Olivia ein ,,Danke" murmelte und sich setzte.
Nachdem Collin sich auch gesetzt hatte und sie losfuhren, herrschte für ein paar Minuten Schweigen, bis er entschied sich zu räuspern.
,,Wie läuft es so? Fühlst du dich vorbereitet?"
Olivia sah ihn kurz von der Seite an.
Er hatte schon wieder ,,Du" gesagt.
,,Ähm... ja, ich glaube, ich muss ein bisschen was nacharbeiten vor der Klausur.", gestand sie ehrlich.
Jetzt war es an Collin sie von der Seite anzustarren.
,,Ich... kann dir vielleicht während meinen Bürostunden helfen", schlug er vor und achtete wieder auf die Straße.
,,Das wäre sehr nett von Ihnen."
,,Bitte du, wenn wir nicht gerade in der Uni sind oder andere Studenten neben uns stehen", lachte er und lehnte sich mehr in seinen Sitz. Jetzt lag nur noch eine Hand auf dem Lenkrad, während die andere lässig am Fenster angelegt war.
,,Wie wäre es mit Montag, direkt nach unserem Seminar, also wenn du dann nichts anderes vor hast.", fragte er und tauschte nun die Hände, sodass er seine rechte Hand zwischen die Sitze auf die Habdbremse legte.
Olivia schaute für einige Sekunden fasziniert auf seine Hände. Sie waren groß und geprägt von dünnen Adern, die sich seinen Unterart entlang zogen.
,,Ja, das würde gehen"
,,Gut.... ich- finde es gut, dass du nach Hilfe fragst, wenn du sie brauchst.", erklärte er freundlich, doch irgendwie hatten seine Worte etwas, das Olivia nicht mochte. So als würde er all ihre Geheimnisse kennen.
,,Danke...", sagte sie und schaute aus dem Fenster.
Sie waren gerade auf einer typisch Englischen Straße, die durch den kleinen Vorort Dartmore führte. Rechts und links reihten sich Backsteinhäuser aneinander und ergaben die Illusion, dass alles ganz und gar friedlich war. In den kleinen Vorgärten blühten zwar keine Blumen mehr, da es mittlerweile November war, trotzdem waren die meisten Vorgärten ordentlich und gepflegt. Olivia dachte an ihren Vorgarten und bekam auf einmal den Drang nicht mit Professor Anderson dort zu sein. In ihrem Vorgarten wuchs Unkraut. Der kurze Pfad zur Haustür war überwuchert und die Hauswand war alt und dreckig.
,,Kannst du mich hier rauslassen?", fragte sie und sah Collin dabei intensiv an.
,,Ist alles gut?", fragte er, anstatt ihre Frage zu beantworten und versuchte gleichzeitig unbeholfen ihren Blickkontakt zu erwidern, ohne einen Unfall zu bauen.
,,Ähm ja... ich möchte nur... laufen. Das ist alles.", murmelte sie.
,,Wir sind schon fast da und außerdem... wer weiß, was für Leute sich jetzt noch auf den Straßen aufhalten?" In seiner warnen Stimme klang ein wenig Sorge, als er sprach und weiterfuhr.
,,Sie- Du verstehst nicht, ich- ich... möchte jetzt aussteigen", sagte sie fest.
,,Olivia, es ist stockdunkel da draußen.", murmelte er nach einem kurzen Moment.
,,Ist mir egal"
Collin seufzte aufgrund ihrer Aussage, doch zu ihrem Glück fuhr er schon in der nächsten Sekunde an den Rand und hielt nahe der Bordsteinkante.
,,Pass auf dich auf, Olivia, okay? Und... gute Nacht.", sprach er, wobei sein Blick ein wenig weicher wurde.
,,Danke, dir auch.", sagte sie und öffnete die Autotür um zu gehen.
Einen Atemzug später war sie weg und ein Gefühl der Schuld überkam ihn.
Sie war alleine und bis zu ihr wäre es zu Fuß noch ein ganzes Stück. Außerdem war es nicht nur kalt, sondern eisig draußen. Doch er hatte das richtige getan. Andererseits hätte er sich gefühlt wie ein Entführer.
