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Kapitel 5

Ich wachte vor der Dämmerung auf, mein Körper summte vor nervöser Energie.

Heute war der Tag.

Ich zog mich sorgfältig an - Jeans, bequeme Schuhe, eine unauffällige Jacke. Nichts, das nach „ich haue ab“ schrie, einfach nur normale Tia auf dem Weg zum Campus.

Ich hinterließ einen Zettel auf dem Bett:

Connor,

Wenn du das liest, bin ich schon weg. Die Scheidung ist seit drei Tagen rechtskräftig. Ich bin nicht mehr deine Gefährtin, nicht mehr dein Rudel. Du hast die Papiere selbst unterschrieben - schau dir das Datum an.

Such mich nicht. Es gibt nichts mehr zu finden.

Tia

Kurz. Endgültig. Wahr.

Ich schnappte meinen vorbereiteten Handgepäck-Koffer und verließ das Weingartner-Anwesen zum letzten Mal.

Die Morgenluft roch nach Kiefern und Regen. Wunderschön. Frei.

Ich sah mich nicht um.

Der Flughafen war zwei Stunden entfernt. Ich hatte einen Mietwagen auf meinen Mädchennamen organisiert und bar bezahlt. Jeder Schritt war geplant, jedes Detail durchdacht.

An einer Tankstelle auf halber Strecke zerstörte ich mein altes Telefon und aktivierte das neue.

Eine SMS an Sarah: Ich bin raus. Erzähl niemandem was. Ich melde mich, wenn ich in Sicherheit bin.

Ihre Antwort kam sofort: Pass auf dich auf. Du schaffst das.

Dann schaltete ich auch das neue Telefon aus, nur um ganz sicherzugehen.

Um 13:30 Uhr war ich durch die Sicherheitskontrolle in SeaTac, saß an meinem Gate mit einem scheußlichen Kaffee und einem rasenden Herzen.

Was, wenn Connor kam?

Was, wenn er es irgendwie herausgefunden hatte, mich irgendwie aufgespürt hatte?

Aber die Minuten verrannen, und niemand kam.

Kein wütender Alpha, der durch den Flughafen stürmte.

Keine Rudel-Vollstrecker, die geschickt worden waren, um mich zurückzuschleifen.

Nur ich, eine Bordkarte und eine Zukunft, die ich mir selbst ausgesucht hatte.

„Flug 332 nach Zürich wird jetzt aufgerufen“, krächzte die Durchsage.

Ich stand auf wackligen Beinen auf.

Das war es also.

Der Punkt ohne Wiederkehr.

Ich gab meine Bordkarte der Mitarbeiterin, die mir professionell zulächelte und mich durchwinkte.

Als ich den Gang zum Flugzeug entlanglief, spürte ich es - das endgültige Reißen dessen, was immer von der schwachen Bindung zu Connor noch übrig gewesen war.

Wie ein Faden, der durchtrennt wird.

Wie eine Käfigtür, die aufspringt.

Als ich mich in meinen Sitz setzte, liefen mir Tränen übers Gesicht.

Keine traurigen Tränen.

Erleichterung.

Die Maschine schob sich um Punkt 14:00 Uhr von der Gate-Position.

Ich sah zu, wie Seattle unter den Wolken verschwand, und wusste, ich würde nie zurückgehen.

Irgendwo in dieser Stadt bereitete Connor sich auf seine besondere Versammlung vor.

Würde er meinen Zettel davor finden oder danach?

Würde er wütend sein? Erleichtert?

Spielte es überhaupt eine Rolle?

Ich schloss die Augen, als die Maschine ihre Reiseflughöhe erreichte.

Zum ersten Mal seit vier Jahren hatte ich das Gefühl, richtig atmen zu können.

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