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Kapitel 2

Ich wartete immer noch darauf, dass er anruft.

Jeden Morgen, wenn ich die Augen öffnete, griff ich als Erstes nach dem Telefon. Hoffte — wie die letzte Närrin. Dass Jan plötzlich zur Besinnung kommt, versteht, was er gesagt hat, zurückkommen will. Wenigstens schreibt. Nicht einmal „verzeih mir“, sondern einfach: „Wie geht es dir?“

Aber er schrieb nicht.

Mehr als eine Woche war vergangen, und in meiner Brust zog es immer noch vor dieser Stille. Morgens begann die Übelkeit, abends wurde mir schwindlig. Ich konnte fast nichts essen — weder den Geruch von Rührei noch sogar Kräutertee ertrug ich. Mein Körper lehnte alles ab.

Ich lag auf dem Sofa, zog die Knie an und schluckte still die Tränen hinunter, während Mama im Haus auf Zehenspitzen ging. Sie sprach ohnehin nicht viel, und jetzt schien sie sogar leiser zu atmen.

— Oles, vielleicht wenigstens einen Löffel Suppe? Ich habe ein bisschen Kartoffeln zerdrückt, ohne Anbraten, ganz schlicht, — bat sie mich jeden Tag.

Und ich schüttelte den Kopf, kniff die Augen zu und wünschte mir nur eines: dass mich niemand anrührt. Besonders morgens. Besonders dann, wenn es sich anfühlte, als würde sich mein Magen direkt in die Decke kehren.

Mama brachte mir jedes Mal ein warmes, feuchtes Tuch, legte es mir auf die Stirn und strich mir über die Haare.

— Halt durch, mein Kind. Das geht vorbei. Das alles geht vorbei… Du musst nur durchhalten. Das Baby wird stark sein.

Ich nickte. Aber innerlich hatte ich trotzdem das Gefühl, in ein Loch gefallen zu sein. Tief. Kalt. Einsam.

Wir lebten jetzt nur noch von Mamas wenigen Einnahmen — ihr Gehalt als Postbotin reichte kaum für das Nötigste. Gut, dass wir wenigstens einen kleinen Hof hatten. Eine Kuh, Hühner. Morgens Milch, abends Eier. Für Brot, Salz und ein bisschen Buchweizen reichte es. Alles andere — nur, wenn etwas übrig blieb.

Ich versuchte, nicht zu jammern. Aber ich fühlte mich trotzdem wie eine Last. Mit einundzwanzig war ich nach Hause zurückgekehrt — schwanger, ohne Arbeit, ohne Geld und ohne Mann. Und Mama, der es selbst schwerfiel, trug jetzt wieder alles auf ihren Schultern — mich und meine zukünftige Verantwortung.

Als ich zur Anmeldung in die Schwangerschaftsberatung musste, fuhr ich ins Kreiszentrum — nur dort gab es eine. Die Schlange war wie in der Hölle. Frauen saßen mit Mappen da, sprachen darüber, wer in welcher Woche ist, wer was isst, wer wie viel zugenommen hat. Die meisten mit ihren Männern — manche Arm in Arm, manche mit Ehering, manche erzählten: „Meiner hat schon das Kinderbett ausgesucht.“

Und ich… ich saß in der Ecke, in einer zu großen Jacke, mit einer Tasche, in der nur mein Pass und ein Notizbuch mit Fragen lagen. Ohne Ring. Ohne Mann. Mit Augen, in denen mehr Angst als Freude war.

— Sind Sie allein? — fragte die Krankenschwester nebenbei, während sie den Fragebogen ausfüllte.

— Ja, — brachte ich hervor.

— Nun… das kommt vor. Die Hauptsache ist, regen Sie sich nicht auf, — sagte sie und wandte sich sofort der Nächsten zu.

Niemand sah mich wirklich an. Aber irgendwo tief in mir brannte es. Als stünde mir auf der Stirn geschrieben: „allein. verlassen. unnötig.“

Ich ging von dort weg wie aus einer amtlichen Hölle. In meiner Brust zog sich alles zusammen, ich bekam kaum Luft. Ich setzte mich auf eine Bank vor dem Krankenhaus und legte die Hand auf meinen Bauch.

— Du bist bei mir, — flüsterte ich. — Und ich bin da. Und das reicht. Hörst du?

Und plötzlich wurde es ein wenig leichter. Nicht, weil alles gut war. Sondern weil es wenigstens ehrlich war.

Als ich nach Hause kam, reichte Mama mir sofort einen Becher Milch.

— Warm, gerade gemolken. Nimm.

Ich setzte mich auf den Hocker, umfasste den Becher mit beiden Händen. Der Dampf stieg auf und umhüllte mein Gesicht. Und in dieser Küche, die nach Brot, Kräutern und gebackenen Zwiebeln roch, verstand ich plötzlich, wie viel Glück ich hatte.

Mama sagte nichts. Sie setzte sich einfach neben mich. Legte ihre Hand auf meine Schulter. Überredete mich nicht, bemitleidete mich nicht. Sie war einfach da. Und das war das Größte, was sie mir geben konnte.

Und ich schaute schweigend aus dem Fenster und dachte: Möge alles anders werden. Ohne Jan. Ohne Unterstützung. Aber echt. Ohne Lügen, ohne Angst, ohne die Erwartung, dass jemand mich rettet. Jetzt bin da nur ich. Und mein Kind.

Und das wird reichen.

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