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Kapitel 5: Der Geschmack des Verbotenen

Elena

Ich spüre seine Präsenz, noch bevor er den Raum betritt. Die Luft verändert sich. Sie wird schwerer, dichter. Bedrohlicher.

Gabriel.

Er schließt die Tür hinter sich, ohne ein Wort zu sagen. Sein Blick durchbohrt mich, zieht mir die Kleider vom Leib. Er trägt einen dunklen, perfekt sitzenden Anzug. Seine lockere Krawatte gibt den Blick auf seinen Hals frei, und seine hochgekrempelten Ärmel zeigen die angespannten Venen seiner Unterarme.

Er sagt nichts.

Er sieht mich an.

Und ich spüre, dass sich etwas verändert hat.

— Du hast letzte Nacht allein geschlafen, sagt er schließlich, seine tiefe Stimme gleitet wie eine Klinge über meine Haut.

Ich bleibe regungslos. Am Rand des Bettes sitzend, sind meine Finger auf der Decke verkrampft.

— Das Drehen hat lange gedauert. Ich war erschöpft.

Ein Lächeln entsteht an den Lippenwinkeln. Langsam. Kalt.

— Müde… aber beunruhigt, nicht wahr?

Ich hebe den Blick zu ihm. Mein Herz schlägt zu schnell.

— Wovon sprichst du?

Er tritt näher. Einen Schritt. Dann einen weiteren.

— Von diesem Feuer, das ich in deinen Augen sehe. Dieses Feuer, das du niemals zu verbergen wusstest. Selbst wenn du es leugnest.

Ich stehe auf. Doch er ist bereits da. Zu nah. Er packt mein Handgelenk. Nicht gewaltsam. Nur genug, um seine Anspannung zu spüren. Seine stumme Wut.

— Glaubst du, ich kenne dich nicht, Elena? Glaubst du, ich spüre nicht, wenn ein anderer Mann auf das schaut, was mir gehört?

Ich zittere.

— Ich gehöre dir nicht, Gabriel.

Sein Kiefer verkrampft sich.

Er zieht mich mit einer abrupten, fast brutalen, aber kontrollierten Bewegung an sich. Ich spüre seinen Atem auf meinen Lippen. Sein Blick ist der eines beleidigten Königs, bereit, jeden Widerstand zu zerschlagen.

— Dann erinnere mich, Elena… Wer hat dich beim ersten Mal zum Zittern gebracht? Wer hat deinem Körper beigebracht, was Vergnügen ist? Wer hat dich jede Nacht geweckt und deinen Namen geflüstert?

Seine Hände gleiten über meine Taille, wandern in meinen Rücken. Er drückt mich an sich. Ich spüre seine Kraft, sein Verlangen. Er brennt. Er will mich. Hier. Jetzt. Bedingungslos. Ohne Entschuldigung.

Ich versuche zurückzuweichen. Er folgt mir.

— Du hast ihn angesehen, nicht wahr? Den jungen Schauspieler. Noah.

Ich halte den Atem an.

— Glaubst du, seine Blicke können dich vergessen lassen, was ich dir beigebracht habe?

Er drückt mich sanft gegen die Wand. Seine Hände sind überall. Sein Mund sucht meinen, fordernd, brennend. Und ich gebe nach, gegen meinen Willen. Mein Körper reagiert, bevor mein Verstand protestieren kann.

Er beißt in meine Lippe. Ich stöhne.

Er wandert an meinem Hals entlang. Seine Zunge zieht eine feurige Linie entlang meines Schlüsselbeins. Seine Hände heben mein Kleid. Ich wehre mich schwach, aber er fängt mich mit seinen Armen ein.

— Sag es, Elena, murmelt er gegen meine Haut. Sag, dass du mein bist. Dass du es immer warst.

Ich schließe die Augen.

Ich kämpfe gegen mich selbst.

Ich hasse seine Dominanz, sein Bedürfnis nach Kontrolle… und doch spüre ich meinen Bauch sich unter seinen Berührungen zusammenziehen. Er kennt jede Vertiefung meines Körpers, jedes Seufzen, jede Schwäche.

Er dreht mich gegen die Wand. Seine Hände gleiten zwischen meinen Schenkeln. Er weiß genau, wie er mich den Verstand verlieren lässt.

— Glaubst du, du kannst mir entkommen? Du kannst die Schauspielerin spielen. Aber hier, Elena… hier bist du meine Frau. Und ich werde dich daran erinnern.

Und er tut es.

Langsam. Intensiv.

Er nimmt mich ohne Zärtlichkeit, aber mit brennender Leidenschaft. Er will mich besitzen. Mich zerdrücken. Mich an sich binden. Als könnte er mit seinem Körper den Eindruck von Noah auf meiner Haut auslöschen.

Ich stöhne gegen seine Schulter. Mein Rücken wölbt sich. Meine Nägel graben sich in seine Haut. Ich hasse die Macht, die er über mich hat.

Und ich gebe mich hin.

Aber dieses Mal ist etwas anders.

Wenn er mich nimmt, wenn er mich liebt oder was er für Liebe hält, bin ich nicht mehr ganz bei mir.

Mein Verstand flieht. Zu Erinnerungen, die zu frisch sind. Zu diesem Blick, der mich durchdrang, ohne mich zu besitzen. Zu diesem respektvollen Schweigen. Zu diesem ungenutzten Schauer, der unendlich gefährlicher ist.

Als es vorbei ist, bleibe ich da, gegen ihn gelehnt, keuchend. Seine Finger in meinem Haar. Sein rauer Atem gegen meinen Nacken.

— Ich liebe dich, Elena.

Ich zittere.

Er sagt es nie. Nie so. Er sagt es heute, weil er spürt, dass ihm etwas entgleitet. Und er hat Angst.

Aber ich bin woanders.

Ich bin noch in diesem Raum mit Noah. In diesem brennenden Schweigen. In diesem Blick, der mich wirklich sieht.

Gabriel hält mich fester.

— Ich will dich mehr als alles andere auf der Welt. Und ich werde niemanden zulassen, der dich nimmt, hörst du?

Ich nicke. Unfähig zu antworten. Unfähig zu sagen, dass ich ihm bereits entgleite.

Später, allein im Badezimmer, sehe ich mein Spiegelbild an.

Meine Lippen sind geschwollen. Meine Wangen rot. Abdrücke an meinem Hals.

Ich sollte mich lebendig fühlen. Begehrt.

Ich fühle mich leer.

Verloren.

Ich berühre meine Lippen. Und es ist nicht Gabriel, den ich fühle.

Es ist Noah.

Sein Kuss. Seine Sanftheit. Sein Schweigen.

Ich denke an seine Finger, die meine beim Dreh streiften, an die Art, wie er mich ansah, als wäre ich mehr als nur ein Körper.

Ich ertrinke in diesem zerbrochenen Bild.

Und ich verstehe, dass das Gefährlichste… nicht Gabriel ist.

Es bin ich.

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