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Kapitel 6

Nach jener Nacht fühlte es sich an, als hätte sich eine gläserne Wand zwischen Elena und Dante erhoben.

Sie aßen nicht mehr zusammen.

Elena wartete nachts nicht mehr auf ihn.

Wenn sie sich im Wohnzimmer begegneten, wandte sie den Blick ab, als könnte schon ein einziges Wort von ihm sie beschmutzen.

Dante bemerkte es.

Natürlich bemerkte er es.

Mehr als einmal kam er nach Hause und sah sie beim Packen.

Der Kleiderschrank stand offen. Schubladen waren leergeräumt. Ein halb gepackter Koffer lag auf dem Boden.

Er wollte fragen, was sie da tat.

Doch dann erinnerte er sich an diesen kalten, ausdruckslosen Blick von ihr und schluckte die Frage wieder hinunter.

Einmal versuchte er, so zu tun, als wäre alles normal.

„Film am Wochenende?“

Elena hob nicht einmal den Kopf.

„Ich habe etwas vor.“

Drei leichte Worte.

Eine verschlossene Tür.

Nach einer Weile hörten sie sogar auf, so zu tun, als wäre noch etwas zwischen ihnen.

Sie redeten einfach gar nicht mehr.

Elena packte tatsächlich.

Australien rückte näher. Ihr Arbeitsbeginn stand kurz bevor.

Bevor sie ging, wollte sie einen Abschluss.

Selbst wenn er nur… sauber war.

Sie druckte die Scheidungspapiere aus und legte sie auf den Schreibtisch im Arbeitszimmer.

Dann schrieb sie Dante zwei Nachrichten:

„Komm heute Abend früher nach Hause. Ich muss mit dir reden.“

Als Dante die Nachricht sah, hielt er kurz inne.

Normalerweise meldete sie sich nie zuerst.

Irgendetwas in ihm entspannte sich.

Er antwortete sofort.

„Okay. Mache ich.“

Doch an diesem Abend brach er sein Wort.

Sechs Uhr.

Sieben.

Acht.

Zehn.

Das Essen auf dem Tisch wurde erst warm, dann lauwarm, dann kalt.

Um elf Uhr leuchtete schließlich ihr Handy auf.

Dante: „Dringendes Familientreffen. Ich muss heute Abend noch etwas außerhalb erledigen. Was auch immer es ist, wir reden morgen darüber. Geh früh schlafen.“

Elena starrte einige Sekunden auf die Nachricht.

Es war eine so billige Lüge.

Und er glaubte wirklich noch, dass sie ihm das abkaufte.

Sie stellte ihn nicht zur Rede.

Sie antwortete nur mit einem einzigen Wort:

„Okay.“

Dann öffnete sie die sozialen Medien.

Und da war es.

Der oberste Beitrag.

Bianca lächelte strahlend.

An ihrer Hand funkelte ein Diamantring so hell, dass er in den Augen brannte.

In der Spiegelung des Fensters war die Silhouette eines Mannes zu sehen – ein scharfer Anzug, eine vertraute Statur.

Dante.

Der Dante, der behauptet hatte, er sei „in einer Besprechung“.

Der Dante, der ihr geschworen hatte, sie niemals anzulügen.

Elena lachte leise.

Ein bitteres Lachen.

Ihr Blick fiel auf die Scheidungspapiere auf dem Schreibtisch.

Dann streckte sie die Hand aus, zerknüllte sie zu einer Kugel, und warf sie in den Papierkorb.

Sinnlos.

Sie konnten ihre Beziehung nicht einmal ordentlich beenden.

Na gut.

Ein Scheidungsschein war ohnehin nicht nötig.

Vielleicht war das sein letztes „Geschenk“ an sie.

Elena weckte niemanden.

Sie nahm den bereits gepackten Koffer, schloss leise die Tür und verließ das Haus, in dem sie sechs Jahre lang gelebt hatte.

Das Bewegungslicht im Flur sprang bei ihren Schritten an, und erlosch langsam wieder, als würde es sie verabschieden.

Die Nacht war dicht und schwer.

Die Straßenlaternen warfen ein schwaches gelbes Licht, das ihren Schatten lang und schmal über den Boden zog.

Sie winkte ein Taxi heran und nannte dem Fahrer den Flughafen.

Als das Auto losfuhr, glitt die Stadt draußen schnell rückwärts.

So wie die letzten sechs Jahre, es hatte süße Momente gegeben, warme Augenblicke, doch am Ende blieben sie hinter ihr zurück.

Und dort würden sie bleiben.

Die Lichter des Flughafens wurden immer heller.

Zum ersten Mal seit Tagen atmete Elena tief aus.

Egal.

Der Traum war vorbei.

Zeit, weiterzugehen.

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