
Zusammenfassung
Im sechsten Jahr ihrer Ehe mit einem Mafia-Boss stellte Elena Russo fest, dass die Heiratsurkunde in ihrer Hand gefälscht war. Und Dante Carusos rechtmäßige Ehefrau … war jemand anderes. Der Flur des privaten Krankenhauses war kalt wie eine Klinge. Die Lichter der Notaufnahme blinkten unaufhörlich. Eine Krankenschwester starrte auf den Bildschirm und überprüfte alles immer wieder. Die Fehlermeldung sprang ihr entgegen, als würde sie sich über sie lustig machen. Schließlich verlor sie die Geduld, und ihre Stimme wurde scharf. „Ms. Russo, der Patient hat lebensgefährliche Verletzungen. Er könnte jederzeit sterben. Hören Sie auf, hier mit gefälschten Dokumenten Zeit zu verschwenden.“ „Korrigieren Sie Ihre Angaben – oder rufen Sie seine echte Angehörige an, damit sie unterschreibt. Sofort.“ Elena erstarrte. Ein schrilles Pfeifen erfüllte ihre Ohren. „Gefälscht …? Wie soll das möglich sein? Wir sind seit sechs Jahren verheiratet. Ist Ihr System vielleicht fehlerhaft?“ Der Gesichtsausdruck der Krankenschwester verdunkelte sich noch mehr. Sie drehte den Bildschirm zu Elena. Auf der Datenseite stand unter Elenas Familienstand klar und deutlich: Ledig.
Kapitel 1
Im sechsten Jahr ihrer Ehe mit einem Mafia-Boss stellte Elena Russo fest, dass die Heiratsurkunde in ihrer Hand gefälscht war.
Und Dante Carusos rechtmäßige Ehefrau … war jemand anderes.
Der Flur des privaten Krankenhauses war kalt wie eine Klinge. Die Lichter der Notaufnahme blinkten unaufhörlich.
Eine Krankenschwester starrte auf den Bildschirm und überprüfte alles immer wieder. Die Fehlermeldung sprang ihr entgegen, als würde sie sich über sie lustig machen. Schließlich verlor sie die Geduld, und ihre Stimme wurde scharf.
„Ms. Russo, der Patient hat lebensgefährliche Verletzungen. Er könnte jederzeit sterben. Hören Sie auf, hier mit gefälschten Dokumenten Zeit zu verschwenden.“
„Korrigieren Sie Ihre Angaben – oder rufen Sie seine echte Angehörige an, damit sie unterschreibt. Sofort.“
Elena erstarrte. Ein schrilles Pfeifen erfüllte ihre Ohren.
„Gefälscht …? Wie soll das möglich sein? Wir sind seit sechs Jahren verheiratet. Ist Ihr System vielleicht fehlerhaft?“
Der Gesichtsausdruck der Krankenschwester verdunkelte sich noch mehr. Sie drehte den Bildschirm zu Elena.
Auf der Datenseite stand unter Elenas Familienstand klar und deutlich:
Ledig.
Die Krankenschwester tippte mit dem Finger auf den Bildschirm. „Das ist mit dem städtischen Register synchronisiert. Das System macht keine Fehler.“
Dann klickte sie eine andere Zeile an und sprach noch kälter.
„Und außerdem haben wir das hier gefunden: Herr Caruso hat vor drei Jahren eine Ehe registriert. Name der Ehefrau: Bianca Caruso.“
„Rufen Sie sie an. Oder einen anderen Angehörigen. Halten Sie den Ablauf nicht weiter auf.“
Es fühlte sich an, als würde jemand Elena mit einem Hammer auf den Kopf schlagen.
Ihre Finger zerdrückten beinahe die Heiratsurkunde. Die Knöchel wurden blass.
Auf dem Foto standen sie eng beieinander – so nah, dass es ihr in den Augen brannte.
Damals, als Dante sich um die Formalitäten gekümmert hatte, hatte er gesagt, der Hintergrund seiner Familie sei „kompliziert“. Die Registrierung müsse „auf besondere Weise“ erfolgen. Über einen „rechtlichen Umweg“.
Sie müsse nicht einmal persönlich erscheinen. Er würde alles erledigen.
Und das hatte er auch.
Ihre „Ehe“ war etwas, das nur ihre beiden Familien und einige seiner Leute kannten.
Sie hatte es sogar verteidigt, weil sie glaubte, so funktioniere eben die Unterwelt. Diskret. Versteckt. Ohne Aufmerksamkeit.
Jetzt stellte sich heraus, dass die Falle von Anfang an gestellt gewesen war.
Aber Bianca?
Seine „Schwester“.
Das Mädchen, das er nach Hause gebracht hatte und von dem er geschworen hatte, es sein Leben lang zu beschützen.
Die Fragen stapelten sich in Elenas Kopf, bis ihr die Luft wegblieb. Am liebsten wäre sie ins Zimmer gestürmt, hätte Dante am Kragen gepackt und ihn gezwungen, die Wahrheit zu sagen.
Doch als sie durch das Glas sah – ihn dort auf dem Tisch liegen, kaum noch atmend – brachen ihre Tränen unaufhaltsam hervor.
Sie kannte Dante seit über zehn Jahren. Sechs Jahre lang war sie seine „Ehefrau“ gewesen.
Für den Rest der Unterwelt von New York war er der gefürchtete Erbe der Familie Caruso.
Für sie war er … gut gewesen. Zu gut.
Wenn sie einmal beiläufig etwas erwähnte, behandelte er es später wie ein Gesetz.
Selbst wenn er spät nachts nach Hause kam, wusch er ihre Kleidung eigenhändig. Brachte ihr Wasser. Massierte ihre Füße.
Von überall auf der Welt brachte er ihr merkwürdige kleine Geschenke mit, nur um sie zum Lachen zu bringen – als wäre sie ein Kind.
Außerhalb der „Familiengeschäfte“ klebte er praktisch an ihr.
Er sagte immer, er könne es nicht ertragen, sie zu lange nicht zu sehen.
Einmal hatte sie gesagt, sie habe Angst vor Schmerzen.
Daraufhin ließ er eine Vasektomie machen.
„Wir zwei reichen“, hatte er gesagt. „Ich setze dein Leben nicht aufs Spiel. Kinder brauchen wir nicht.“
Ein Mann wie er—
wie sollte sie glauben, dass das alles nichts bedeutet hatte?
Am Ende blieb Elena nichts anderes übrig. Sie rief Donna Valeria Caruso an, damit sie die Einwilligung unterschrieb.
Am Telefon klang die Stimme der Frau überheblich und kalt. Mit ein paar Worten brachte sie das Krankenhaus dazu, die Operation sofort freizugeben – während sie Elena gleichzeitig in den Staub trat.
„Ich habe dir doch gesagt, du bringst Unglück. Ich habe ihm gesagt, er soll dich nicht anfassen. Aber er hört nie.“
„Und jetzt sieh dir das an. Er wollte nur schnell zurückkommen, um irgendeinen lächerlichen Jahrestag mit dir zu feiern – und wäre beinahe gestorben.“
„So viele Jahre verheiratet und dein Bauch ist immer noch leer. Jetzt hast du ihn auch noch fast umgebracht. Willst du etwa die Familie Caruso auslöschen?“
Elena hatte diese Worte schon unzählige Male gehört.
Und jedes Mal fühlten sie sich an, als würden Nägel in ihre Brust geschlagen.
Sie umklammerte ihr Handy. Nachdem sie aufgelegt hatte, hörten ihre Tränen nicht mehr auf.
Sie betete, dass die Operation gelingen würde. Sie betete, dass Dante aufwachen und ihr sagen würde, dass alles nur ein Missverständnis war.
Doch die Realität schert sich nicht um die Wünsche der Menschen.
Am siebten Tag nach der Operation wachte Dante endlich auf.
Elena hatte seit Tagen kaum geschlafen. Eine Pflegerin hatte sie gezwungen, für eine Stunde nach Hause zu gehen – doch sobald sie die Nachricht bekam, rannte sie zurück.
Ihre Finger berührten gerade den Türgriff, als sie Stimmen im Zimmer hörte.
„Dante, du bist endlich wach. Du hast keine Ahnung, wie sehr Bianca sich Sorgen gemacht hat. Sie ruft jeden Tag an und fragt nach dir. Schreib ihr später unbedingt, dass es dir besser geht.“
Dantes Stimme klang schwach und heiser.
„Ich habe doch gesagt, du sollst ihren Namen hier nicht erwähnen. Wenn Elena davon hört, denkt sie wieder zu viel nach.“
„Schon gut, Herr Caruso“, lachte der andere. „Aber wie lange willst du sie noch anlügen? Ehrlich gesagt solltest du Bianca einfach aufgeben. Elena hat so viel für dich geopfert – wie viele Jobangebote im Ausland hat sie wegen dir abgelehnt?“
„Und wenn sie es irgendwann herausfindet—“
„Nein.“
Dante unterbrach ihn sofort. Seine Stimme wurde kalt.
„Sie wird es nicht herausfinden.“
„Ich habe es doch all die Jahre gut genug verborgen.“
Die Luft fühlte sich plötzlich stickig an.
Er sprach weiter – ruhig, ernst, mit einem Ton, den Elena noch nie gehört hatte.
„Als mein Vater Bianca in diese Familie brachte, habe ich ihm versprochen, mich um sie zu kümmern.“
„Sie war immer ein gutes Mädchen. Das einzige, worum sie mich je gebeten hat … war eine lange, stabile Ehe.“
„Mehr wollte sie nicht.“
„Es ist ihr sogar egal, dass sie keine öffentliche Identität haben kann. Trotzdem hat sie sich für mich entschieden.“
„Also darf ich sie nicht enttäuschen.“
Dann machte er eine kurze Pause.
„Und Elena …“
Seine Stimme war völlig emotionslos.
„Sie wird immer meine offizielle Frau Caruso bleiben.“
„Das ist ihre Entschädigung.“
Draußen vor der Tür gefror Elenas Blut.
Nach einem kurzen Schweigen sagte sein Freund schließlich zögernd:
„Dante … sag bloß, du bist wirklich in Bianca verliebt.“
Im Zimmer—
keine Antwort.
Keine Erklärung.
Nur Stille.
Und diese Stille sagte alles.
Elena stand da. Selbst das Atmen tat weh.
All das Warten kam ihr plötzlich wie ein schlechter Witz vor.
Er liebte Bianca.
Also was war sie?
Was bedeuteten sechs Jahre voller Zärtlichkeit, Versprechen und „für immer“?
Was war mit all den Träumen, die sie aufgegeben hatte? Mit dem Leben, das sie für ihn verkleinert hatte?
Ihre Augen brannten so sehr, dass sie taub wurden.
Dann merkte sie, dass sie nicht einmal mehr weinen konnte.
Sie drehte sich um und ging wie eine leere Hülle den Flur entlang.
Aus einer Mappe neben dem Mülleimer zog sie einen Brief heraus.
Ein Jobangebot, das bald ablaufen würde.
Ein Angebot, das sie damals für Dante selbst abgelehnt hatte.
Dieses Mal öffnete sie die Mail.
Und antwortete mit nur einem Wort:
Ja.
Die Antwort kam schnell zurück.
Kurz. Klar.
Sydney. Australien.
Zwei Wochen. Abflug bestätigt.
Früher hatte seine Identität sie festgehalten. Das Land zu verlassen hätte Genehmigungen, Berichte und juristische Unterschriften der Familie Caruso gebraucht.
Doch jetzt—
wenn sie rechtlich nie seine Ehefrau gewesen war …
dann war sie endlich frei.
Und endlich konnte sie aufhören, ihr Leben an einen Mann zu binden, der ihr nie wirklich gehört hatte.
