Kapitel 2 - Jay
Er war sein neuer Mitbewohner, wie bei mir.
Genau das schrieb ich Joel natürlich auch, welcher sich mal wieder einen Spaß daraus machte und versuchte mich zu provozieren. Ich sah nur geschockt auf mein Handy und legte es weg.
Joel zog mich damit auf, dass ich ja mit dem neuen rummachen könnte.
Ich musterte meinen neuen Mitbewohner, welcher soeben durch den Durchgang kam und darin stehen blieb. Er sah mich emotionslos an, wie vor einigen Minuten auch schon.
***
"Was? Sehe ich etwa so gut aus?", fragte mich mein Mitbewohner grinsend und kam einige Schritte auf mich zu. Ich setzte mich in den Schneidersitz und senkte schnell meinen Blick. Mein Mitbewohner lachte : "Das wird ein Spaß."
Meine Augen vergrößerten sich, dennoch hatte ich ein Angstgefühl bei dem Gedanken, wieder zu ihm aufzusehen, weswegen ich meinen Blick sogar noch ein wenig weiter nach unten legte.
"Wie m-m-meinst du da-as?", fragte ich dann stockend, doch bekam ich keine Antwort, also sah ich langsam auf.
Ich war plötzlich alleine, der Typ war einfach gegangen, ohne etwas zu sagen!
"Ey!", rief ich nur und ließ mich nach vorne fallen. Kurz darauf spürte ich wieder diesen kalten Luftzug, welchen ich gekonnt ignorierte.
"Ich wusste gar nicht, dass ich Ey heiße", hörte ich dann plötzlich wieder diese tiefe Stimme meines neuen Mitbewohners, weswegen ich heftig zusammenzuckte.
"Wie heißt du denn dann?", fragte ich nach, ohne mich auch nur anderweitig zu bewegen. "Hat da jemand vorhin nicht aufgepasst?", fragte er, sein Grinsen konnte man förmlich spüren.
"Tommy", fügte er dann hinzu, woraufhin ich sein Gesicht plötzlich vor meinem sah.
Vielleicht bildete ich mir das ein, aber er schien nicht zu atmen. Ich spürte und hörte nichts davon, trotz dessen, dass eine kurze Stille herrschte und mir sehr nah war.
"Tommy also", gab ich leise von mir. "Ja, irgendein Problem damit?!", fragte er mit fester Stimme, ich schüttelte vor Angst schnell meinen Kopf.
Plötzlich entfernte Tommy sich wieder etwas von mir und stand auf, was ich ihm direkt gleicht tat und wir uns somit gegenüberstanden. Ich sah ihm nun direkt in seine Augen, doch keine Minute später verschwand er auch schon. Ich ließ mich einfach zurück auf mein Bett fallen, seufzte und schloss meine Augen, um mich ein wenig ausruhen zu können, woraus jedoch nichts wurde, da mein Handy plötzlich anfing zu klingeln.
"Erinner' mich selbst daran, mein Handy auf stumm zu stellen", sagte ich zu mir selbst.
Genervt nahm ich mein Handy in die Hand, welches neben meinem Kopf lag, und nahm den Anruf entgegen, ohne nachzuschauen, wer eigentlich anrief.
"Hm?", fragte ich müde in mein Handy, nachdem ich mir das Gerät ans Ohr hielt.
"Hey Jay-Jay. Komm Mal raus, ich muss dir was erzählen!", ertönte Joels Stimme an meinem Ohr. Ich würde diese Stimme immer und überall erkennen, auch, wenn Joel in diesem Moment sowohl glücklich, als auch besorgt klang.
"Joel, kann das nicht bis morgen warten? Ich bin müde!"
"Nein, kann es nicht! Und jetzt komm, in 15 Minuten an unserem Lieblingsplatz."
Damit legte er auf.
Seufzend stand ich von meinem weichen Bett auf und verließ mein Zimmer.
Jetzt hieß es für mich, ab in den Wald.
Dort gab es nämlich ein verlassenes Schwimmbad. Als Joel und ich dieses damals gefunden hatten, war uns sofort klar, dass das unser Lieblingsplatz werden würde, denn dort strahlten immer vereinzelt die Sonnenstrahlen durch die Blätter der hohen Bäume, was verdammt majestätisch aussah.
Auch ist es dort immer sehr ruhig. Anscheinend wurde dieser Ort völlig vergessen, denn dort waren wirklich nie Menschen zu sehen, seit Joel und ich diesen Ort gefunden hatten.
Der perfekte Ort um sich zu entspannen.
Aber in diesem Moment hatte ich einfach keine Lust dort hin zu gehen, da es einfach zu weit weg war.
Naja, so weit nun auch wieder nicht, aber ich war einfach zu müde. Das war mehr als Grund genug, da jetzt nicht hinzulaufen. Außerdem konnte das doch bis morgen warten, oder nicht?
Naja, so ist Joel nun mal, es muss ihm eben alles so schnell wie möglich gehen.
Okay, zumindest fast alles.
