Die Bucht II
Sie schaute zu mir rüber und lächelte.
„Was habt ihr heute Abend so vor?“
„Frau Kraft hat uns auf dem Hinweg ein paar Empfehlungen für die Stadt gegeben. Wenn wir noch genug kraft haben, dann gehen wir heute Abend mal gucken.“
„Oh das hört sich gut an.“
„Und sie?“
„Ich weiß es noch nicht genau, aber wahrscheinlich gucken Frau Kraft und ich uns auch ein bisschen in der Stadt um.“
„Cool.“
Ein kurzer Moment der Stille. Ich würde so gerne mehr mit ihr reden, aber ich weiß nicht so richtig über was.
„Du gehst doch abends immer joggen, oder?“
„Ja genau“
„Man muss dir ja wirklich alles aus der Nase ziehen, Julia“, sie lachte.
„Tut mir leid, ich weiß nicht so richtig was ich sagen soll.“
Ich schaute zu unserem Platz und suchte Maries Augen. Sie zeigte mir zwei Daumen nach oben, ich musste lächeln, sie ist einfach die beste.
„Wie wäre es, wenn du morgens mal mit mir joggen kommst, ich hab heute morgen viele schöne Dinge gesehen, die würde ich gerne mit dir teilen.“
„Ehm ja gerne, aber ich bin eigentlich nicht so der Morgenmensch, keine Ahnung weich es schaffen soll so früh aufzustehen.“
„Ach das bekommst du schon hin, wenn nicht dann klopf ich an deine Tür, aber dann werden die anderen bestimmt sauer.“
„Ich versuche mir erstmal einen Wecker zu stellen“, kicherte ich
„Ich freu mich schon, mal sehen was du so drauf hast.“
„Naja also morgens nicht so viel. Ich dachte nicht, dass sie da wirklich einen Wettbewerb draus machen wollen. Aber wenn das so ist, dann machen sie sich auf was gefasst.“
Sie schlug mir leicht gegen de Schulter und lachte. Sie dachte wohl ich hab nicht so viel drauf, aber naja sie wird schon sehen. Ich musste sie unbedingt besiegen, sonst würde das wirklich peinlich werden.
Ich legte meine Hand auf ihre Schulter.
„Ich werde sie fertig machen, verlassen sie sich drauf.“
Ich schaute sie herausfordernd an. Sie setzte ein schlagfertiges Gesicht aus.
„Das machst du doch eh schon“, sie grinste mich an.
Ich wusste nicht genau was sie meint und schaute wahrscheinlich etwas verwirrt. Ihr Gesichtsausdruck wurde ernster und es scheint als würde sie bereuen was sie gesagt hat. Ich nahm meine Hand von ihrer Schulter.
„Sie mich auch.“
Ihr Blick wurde weich und sie schaute durch meine Augen direkt in meine Seele. Ich glaube ich habe mich ihr grade geöffnet, jetzt wusste ich nicht so ganz wie es weiter geht, oder was ich jetzt sagen sollte.
Sie nahm unter Wasser meine Hand und strich mit ihrem Daumen sanft darüber. Ich lächelt und drückte ihre Hand ein wenig.
Das grölen der Jungs, die wohl grade eine Wasserschlacht machten, holte uns in die Gegenwart zurück. Ich ließ ihrer Hand schnell los und schaute zu den Jungs rüber. Ich hatte angst, dass sie es gesehen haben könnten, aber die sind wohl alle mit sich selbst beschäftigt.
„Ich geh mal zu den anderen, Marie wartet sicher schon. So langsam hab ich keine Kraft mehr mich über Wasser zu halten.“ Ich schaute sie nicht an sondern schwamm davon. Ich hatte angst davor, was sie mit mir machte und keine Ahnung, wahrscheinlich war ich einfach nur eine ihrer Lieblingsschülerinnen oder sowas, aber sie konnte ja wohl kaum das gleich für ich empfinden wie ich für sie.
„Hey, da bist du ja, alles gut, du siehst ein bisschen traurig aus?“, fragte Marie.
Ich erzählte ihr von den Dingen die grade aussieht sind und dass ich angst bekommen habe und sie einfach stehen gelassen habe.
„Du willst mich doch verarschen. Natürlich mag sie dich, die Zeichen sind doch mehr als eindeutig!“
„Ja, aber sie ist meine Lehrerin, ich kann das nicht und sie sicherlich auch nicht.“
„Ja vielleicht, aber das wirst du nie wissen, wenn du es nicht mal drauf ankommen lässt.“
„Ich muss aber auch noch zwei Jahre im Unterricht mit ihr verbringen. Wie soll ich das denn achten, wenn ich es jetzt drauf ankommen lasse?“
„Das Stimmt du hast recht, ich weiß nicht was ich dir sagen soll. Warte erstmal morgen früh ab, wenn du mit ihr alleine bist, ohne die ganzen anderen, dann könnt ihr vielleicht mal miteinander reden oder du wirst eventuell auch merken, dass die Gefühle nur einseitig sind.“
„Danke, Marie. Du hast recht. Ich mach mir jetzt keine Gedanken mehr und genieße das jetzt erstmal.“
Es vergingen ein paar Stunden. Ich schaute erstmal nicht mehr zu ihr rüber, ich wollte nicht, dass es irgendwie auffällig ist. Wir spielten ein paar runden Karten und aßen unser essen, was wir uns aus der Unterkunft mitgebracht hatten.
„Marie kommst du mal mit hinter nah Palme, ich müsste mich mal erleichtern“, ich musste lachen.
„Ja gute Idee, ich muss eigentlich auch mal“
Wir standen auf und gingen an der Bucht entlang zum Palmenwald. Als wir ein bisschen Abseits waren hörte wir eine Person reden. Ich sah Frau Haas, sie telefonierte. Sie wirkt ein bisschen traurig und vielleicht auch ein wenig wütend oder aufgebracht. Wir lieben unbemerkt hinter einer Palme stehen.
… ja ich weiß… ja das weiß ich doch, das musst du mir nicht sagen…. Oh man ja ich vermisse dich auch… klar freu ich mich dich wieder zu sehen…. Ich hab dich auch lieb, bis bald, ich muss jetzt wieder zu den anderen.
Sie steckte ihr Handy in die Tasche und wir gingen weiter als hatten wir das nicht mitbekommen. Sie lächelte uns an als wir an ihr vorbeigingen. Als ich mich nochmal umdrehte, lief sie auf ihren Platz zu.
Mir rutschte das Herz in die Hose. Ich fühlte mich echt schlecht. Marie umarmte mich kurz, ich musste nichts sagen, sie wusste wie es mir ging. Naja am ersten Schultag hat sie schließlich nichts über ihren Beziehungsstatus gesagt. Eigentlich hätte ich es mir denken können, ich meine, wieso sollte sie auch einen Freund oder Mann haben, sie ist schließlich perfekt.
Wir gehen zurück auf unsere Plätze. Ich schloss meine Augen und konzentrierte mich aufs Meeresrauschen. Ich wollte nicht an die Situation grade denken. Es macht mich traurig. Das Handy in meinem Rucksack gab einen Ton von sich. Bestimmt meine Eltern, ich habe ihnen heute noch nicht geschrieben.
RH: Hey alles gut bei dir, du sahst vorhin irgendwie ein wenig traurig aus, oder irre ich mich?
Ich wollte ihr nicht antworten, ich konnte das grade nicht. Ich konnte ihr aber auch keine Vorwürfe machen, schließlich geht mich ihr Privatleben nichts an und wir haben. Ja nichts am laufen oder so. Ich sah mich um und blieb an ihren Blicken hängen, sie wartete wohl auf eine Antwort.
J: Alles gut, liegt bestimmt am Salzwasser
Ohne nochmal auf mein handy zu schauen, machte ich den ton aus und vergrub es tief in meinem Rucksack, ich will mich grade einfach nur entspannen und das hier genießen.
„Packt bitte langsam zusammen, damit wir so in 15 Minuten wieder Richtung Unterkunft gehen können“, rief Frau Kraft, damit es auch alle hörten.
Wir packten unsere Sachen zusammen und stellten uns zu unseren Klassenkameraden und redeten mit ihnen. Frau Kraft ging wohl vor, denn langsam setzte sich die Menge in Bewegung. Wir liefen als letztes hinten, Naja fast, Frau Haas lief hinter uns. Es waren wohl alle etwas fertig von heute, denn wir liefen in einem wirklich langsamen Tempo. Eine Hand fasste von hinten an meine Schulter und zog mich ein Stück zurück, so das ich stehen blieb. Die anderen scheinen es wohl nicht zu merken, denn sie trotteten weiter, na danke.
„Julia, es tut mir wirklich leid, ich weiß, dass war zu viel eben, dass ich deine Hand genommen habe und es war ein Fehler. Ich habe eine Grenze überschritten. Ich verspreche dir, dass es nicht mehr vorkommen wird. Ich wollte dich nicht so verschrecken. Es tut mir unendlich leid, ich weiß echt nicht was in mir vor ging. Ich habe irgendwie kurz ausgeblendet, dass du meine Schülerin bist und dass wir hier zusammen auf Klassenfahrt sind.“
Sie schüttete mir ihr Herz aus. Ich wusste nicht was ich machen sollte. Aber ich musste hr ja sagen, dass nicht der Grund ist. Sie konnte mich nicht mal anschauen. Mittlerweile sind die anderen schon um die Ecke und nicht mehr sichtbar, aber wir konnten sie schnell wieder einholen, bevor einer was merkte. Sie spielte nervös mit ihren Händen. Ich nahm ihre Hand in meine und schaute unsere Hände an. Mein Körper kribbelte.
„Es war nicht deswegen, sorry, dass ich mich so kindisch benehme. Ich hab gehört wie sie telefoniert haben, also ich wollte sie nicht belauschen oder so, wir waren nur zufällig dort.“
„Oh okay, also war es okay, dass ich seine hand gehalten haben?“
Sie war immer noch zurückhaltend und schüchtern.
Ich drückte ihrer Hand, ich wollte sie nie wieder loslassen, aber ich wollte auch wissen, was es mit dem Gespräch auf sich hatte.
„Nein das war sehr schön. Ich weiß, du wolltest die Frage in der Klasse schon nicht beantworten, aber bist du in einer Beziehung?“
