Ankunft
Als wir gelandet sind lies sie meine Hand wieder los. Wir mussten noch ein bisschen warten und ließen erst noch Andere vor uns aussteigen. Ich lehnte mich nach vorne und sprach mit Marie. Sie hatte sich wohl den ganzen Flug über mit dem Mann unterhalten und sie sind quasi Freunde geworden. Ich sah aus dem Augenwinkel wie Frau Haas irgendjemanden eine Nachricht schrieb, dabei hatte sie ein Lächeln im Gesicht. Anscheinend war der Akku doch noch nicht so leer wie sie gesagt hatte. Sie packte ihr Handy wieder weg und tat so als wäre nichts passiert.
„Du hast übrigens einen echt guten Musikgeschmack“
„Danke“, ich lächelte sie an. Von hinten kam Frau Kraft und Frau Haas erhob sich, um das Flugzeug zu verlassen. Ich ging hinter Frau Haas und Marie hinter mir. Wir mussten immer mal wieder stehen bleiben. Frau Haas sprach mit Frau Kraft. Ich konnte nicht widerstehen und schaute an Frau Haas runter und blieb an ihre Hintern hängen. Mir wurde schlagartig heiß.
„Ey sei nicht so auffällig, oder willst du sie gleich anspringen.“
„Was nein, ich hab nichts gemacht.“
Marie holte mich zum Glück mal wieder aus dieser Situation raus. Am Ende würde sie noch irgendwas merken. Frau Kraft schaute mich von Vorne an. Ich hatte kurz angst, dass sie es gesehen haben könnte, schließlich sprach sie mit Frau Haas und stand logischerweise in meine Richtung. Meine Hände begannen automatisch zu Zittern und ich wurde blass. Zum Glück ging die Schlange in dem Moment weiter und wir konnten den Flieger endlich erlassen. Ich Flughafen wurden wir von einer stickigen und warmen Luft empfangen.
Wir steuerten geradewegs zu einem Bus zu und stiegen ein. Unsere Koffer waren schon verstaut. Ich setzte mich wie ach auf der Fahrt im letzten Bus mit Marie auf den Platz und auch unsere Lehrerinnen setzten sich wieder hinter uns. Als Frau Kraft durch die Reihen ging, um nochmal zu zählen, schaute sie mich wieder an.
„Wenn wir da sind, würdest du dann bitte mal kurz zu mir kommen?“
Ich brach kein Wort raus und nickte nur. Sie kann es nur gesehen haben, ich wüsste nicht, was sie sonst von mir will. Naja aber eben hatte sie ja sogar ein wenig gelächelt, vielleicht wird es ja nicht ganz so schlimm. Die Busfahrt Fühler sich an wie 5 Minuten, obwohl es 45 Minuten waren. Ich konnte die ganze fahrt über an nichts anderes denken, als an das Gespräch was gleich auf mich zu kommt. ich hab mir alles mögliche ausgemalt, was sie sagen könnte und bin eigentlich auf alles vorbereitet, aber ich kann Frau Kraft noch nicht einschätzen, ich kenne sie ja erst seit kurzem.
„Hey viel Glück gleich, tut mir leid, wenn sie es wirklich gesehen hat, aber für einen Blick kann sie dich ja nicht bestrafen“, flüsterte Marie mir ins Ohr. Ich nickte. Sie hatte recht, sie kann mich ja nicht bestrafen, also kann’s ja nur halb so schlimm werden.
Ich nahm meine Sachen und stieg aus. Marie kümmerte sich darum, dass sie meinen Koffer auch mit nahm. Ich fand Frau Kraft unter den Menschen und ging auf sie zu. Wir mussten noch gut einen Kilometer laufen, bis wir an unserer Unterkunft waren, es biete sich also an zu reden. Die anderen gingen vor und wir liefen mit etwas Abstand hinter ihnen her. Ich sah, dass Frau Haas nochmal zu uns hoch schaute und die Truppe dann anführte.
„Hey Julia, wie gehts es dir?“
„Bei mir ist alles gut, bin noch ein bisschen müde.“
„Oh das kann ich verstehen, ich könnte auch nochmal schlafen, aber jetzt sind wir ja endlich da ne können noch was. Mit dem Tag anfangen.“
„Ja es ist echt sehr schön hier.“
Wir liefen ein paar Meter ohne, dass jemand was sagt.
„Julia, ich sehe, wie du Frau Haas anschaust und ich habe auch eben deinen Blick in der Schlage im Flugzeug gesehen.“
Sie wartete kurz ab, ob ich antwortete, aber das tat ich nicht, ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
„Hör mal, jeder hat wohl mal eine Schwärmerei für jemanden oder findet jemanden halt hübsch. Aber Frau Haas ist deine Lehrerin. Ich möchte dir nicht vorschreiben, in wen du dich verlieben darfst oder eben nicht, aber ich sollte dir wohl sagen, dass du das auf jeden Fall auffälliger machen musst, wenn du nicht möchtest, dass sie es merkt oder dass deine Mitschüler es merken.“
Mir wurde schlecht. Ich hatte einen riesigen Kloß im Hals. Dass sie es verliebt nannte wollte ich auch nicht hören und konnte ich nicht nachvollziehen, aber so oder so, ich bin wohl aufgeflogen. Ich wusste noch immer nicht, was ich darauf antworten sollte. Aber eigentlich hatte sie mich nicht bestraft oder so sie hat auch nichts verboten. Sie hat einfach gesagt, dass ich vorsichtiger sein soll.
„Weißt du Julia, ich kenne es in jemanden verliebt zu sein, in den man es eigentlich nicht sollte. Früher war mein ganzer Jahrgang in unseren Musiklehrer verliebt, aber naja, er war verheiratet und niemand hatte eine Chance bei ihm.“
Ich musst grinsen, naja also sie hatte wenigstens Ahnung von was sie sprach.
„Danke Frau Kraft, ich werde besser aufpassen, aber verliebt sein würde ich es nicht nennen, ich weiß nicht, was mich dazu gebraucht hat, naja, sie wissen schon, an Frau Haas runter zu gucken. Die Sache bleibt doch unter uns oder?“, fragte ich peinlich berührt.
„Ja klar Julia, alles gut, Lehrerinnen sind schließlich auch nur Menschen und du eben auch“, sie lächelte mich an.
Ich konnte diese Frau wirklich gut leiden, sie war nett und einfühlsam. Jeder andere Lehrer hätte es wahrscheinlich verraten und irgendwelche Konsequenzen gezogen.
Wir kamen bei den anderen an, die bereits vor unserer Unterkunft standen. Frau Kraft ging nach vorne und sprach mit dem Manager, um die Schlüssel für die Zimmer zu bekommen. Währenddessen erzählte ich Marie im Detail von meinem Gespräch mir Frau Kraft. Marie musste lachen und auch ich musste lachen. Wir stellten uns zu Lea und Jana, die weiter vorne den Schlüssel für unser Zimmer abholten.
„Hey, da seid ihr ja, wir haben Zimmer Nummer 10, lasst uns mal gucken, das ist glaube ich hier unten auf dem Gang“, sagte Lea und wir folgten ihr
Als wir im Zimmer ankamen räumten wir unsere Sachen ein und entschieden erstmal wer wo schläft. Es gab ein Hochbett und zwei einzelne Betten, die Kopf an Kopf standen. Ich wollte ungern im Hochbett schlafen, deswegen entschied ich mich vor eines der Einzelbetten und Marie nahm das andere. Jana und Lea machten es sich im Hochbett bequem.
Von unserem Fenster aus konnte man das Meer erkennen, was mir gleich ein lächeln auf die Lippen zauberte.
Es klopfte an der Tür, Jana stieg aus ihrem Bett und öffnete. Es war Frau Haas.
„Hallo, ist alles in Ordnung bei euch?“
„Ja klar, bisher ist alles gut und der Ausblick ist bisher das beste“, sagte Lea
Frau Haas stellte sich neben mich ans Fenster und guckte mich und dann das Meer an.
„Oh ja ihr habt echt einen guten Fang gemacht mit diesem Zimmer.“
Se ging wieder zurück und blieb in der Mitte des Raumes stehen.
„Einer von euch müsste sich noch bereit erklären meine Nummer bitte abzuspeichern, falls es mal einen Notfall gibt oder sowas. Ihr dürft gleich schon mal alleine nach draußen und die Gegend erkunden“, sie lächelte uns an.
„Ja klar, Julia macht das, sie ist sehr verlässlich“, sagte Marie. Ich war ihr dankbar und das wusste sie auch, denn so würde ich ihre Nummer bekommen. Ich hab Frau Haas mein Handy, damit sie ihre Nummer eintippen konnte.
„Vielen Dank, seid bitte bis 18 Uhr zurück“, sie gab mir schnell das Handy und schloss die Tür hinter sich.
„Die hatte es aber auf einmal eilig“, sagte Jana und wir nickten alle.
Ich ging auf ihren Kontakt. Sie hatte sich >Rebecca Haas :)< eingespeichert. Ich musste lächeln und schickte Marie einen Screenshot. Diese musste auch grinsen.
M: Jetzt ist klar, wieso sie so schnell wieder gegangen ist.
J: Mhm, weiß nicht, wahrscheinlich hat sie sich bei jedem so eingespeichert
M: Naja das lässt sich ja Schnell rausfinden, wir fragen einfach ob jemand den Kontakt schicken kann, dann sehen wir es ja.
J: das darfst du aber machen :P
Ich sah wir Marie je einem der anderen drei Zimmern eine Nachricht schrieb. Wir zogen uns an und gingen nach draußen. Es war wirklich warm, aber sehr angenehm. Als wir irgendwann mal etwas zu trinken brauchten, suchten wir uns eine kleine Eisdiele und setzten uns an einen Tisch im Schatten. Ich zog mein Handy aus der Tasche und ging um Maries Chat.
J: Hey haben die anderen mittlerweile geantwortet?
