Kapitel 3
Jacob wollte aus dem Bett seines Bruders steigen, jedoch zog Tim diesen zurück, weswegen Jacob sich anspannte und sich nicht weiter bewegte. Tim bemerkte dies und ließ los.
"Was ist los?", fragte der achtjährige vorsichtig.
"N-nichts!", antwortete der schwarzhaarige stockend und ging dann schnell in sein Zimmer.
***
"Jacob?", fragte Tim nach dem schwarzhaarigen, welcher kurz davor in sein Zimmer gerannt war, woraufhin der braunhaarige ihm direkt folgte.
"Lass mich in Ruhe!", antwortete der sechsjährige nur, setzte sich mit dem Rücken zu seinem Bruder auf sein Bett und verschränkte seine Arme vor seiner Brust.
"Was ist los? Wovor hast du Angst?", fragte Tim ihn dennoch und ging langsam und leise auf das Bett seines Bruders zu. Jacob blieb still, also ging Tim weiter auf ihn zu, krabbelte über das Bett und legte einen Arm um Jacob, welcher diesen direkt wieder wegschlug und den achtjährigen böse ansah, jedoch kurz darauf anfing zu weinen.
"Aber-", Jacob unterbrach Tim : "Lass mich doch einfach!" Kurz darauf kam auch schon die Mutter der beiden in das Zimmer.
"Was ist hier-Jacob, wieso weinst du?", unterbrach sie sich selbst und wirkte zum Ende hin besorgt statt aufgebracht. Sie ging zu dem schwarzhaarigen und setzte sich vor ihm auf den Boden. Erst kurz danach drehte der kleine Junge sein Gesicht zu ihr hin und sah sie traurig an, jedoch sagte er nichts und weinte einfach weiter.
"Was ist hier los Timmy?", fragte sie dann ihren achtjährigen Sohn und sah zu ihm, welcher fast vom Bett fiel, so wirkte es zumindest.
"Ich weiß es selbst nicht! Jacob ist aus meinem Zimmer gerannt, als ich ihn am Arm genommen habe. Als wir dann beide in seinem Zimmer waren, hat er mich angeschrien und angefangen zu weinen!", klärte der braunhaarige seine Mutter auf.
"Timmy...geh bitte und mach dich fertig, ja? Papa fährt dich dann", sagte sie zu ihrem Sohn.
"Aber Jac-", die Mutter unterbrach ihren Sohn : "Jetzt!"
Beleidigt und traurig zugleich verließ er dann doch das Zimmer.
"Was ist los Jacob?", fragte die Mutter dann den soeben genannten Jungen, welcher jedoch weiterhin still blieb.
"Du kannst mir alles erzählen, ich bin für dich da!", versuchte sie es weiter.
"I-i-ich möchte hier nicht sein!", schluchzte der Junge und sah seiner Mutter dabei direkt in die Augen.
"Wieso möchtest du hier nicht sein?"
"Ich habe Angst!"
"Wovor hast du Angst?", hakte die Mutter nach, doch blieb Jacob wieder still.
"Du kannst es mir anvertrauen", lächelte ihm die Frau dann zu.
"I-ich habe Angst g-g-geschlagen zu werden."
"Du denkst also...wir möchten dich schlagen?"
Der kleine Junge nickte und fing an nervös mit seinen Fingern zu spielen.
"Wir werden dich nie schlagen!", versicherte sie ihm.
"Und wieso greift Tim dann immer so nach meinem Arm?", fragte der schwarzhaarige und griff nach dem Arm seiner Mutter, um ihr zu zeigen, wie Tim in fest hält.
"Er weiß nicht, dass es dir wehtut Jacob. Wenn er es wissen würde, würde er es nicht machen."
Jacob nickte still und ließ den Arm seiner Mutter wieder los.
"Ich muss dich etwas fragen...wer schlägt dich denn?", fragte die Mutter besorgt.
"Die Frau in meinem Zuhause."
"Ich schlage dich doch gar nicht!"
"Die Frau, die mich zu euch gebracht hat. Sie hat mir immer wehgetan...a-aber sag ihr nicht, dass ich es dir gesagt habe! Ich habe sie lieb und möchte nicht, dass sie weiß was ich über sie sage!"
"Wann hat sie dich das letzte mal verletzt?"
"Bevor ich zu euch gekommen bin."
"Du sagtest du hast sie lieb...möchtest du zu ihr zurück?"
"J-ja...ich möchte zurück zu meiner Familie!"
"Ist sie deine Mama?"
Der kleine Junge schüttelte den Kopf : "Sie ist wie meine Mama. Zu meinen Freunden möchte ich auch zurück!"
"Du fandest es also gut im Waisenhaus?"
"Ich liebe es dort!"
"Ich gebe dich aber nicht mehr dorthin zurück."
"Wieso nicht?!"
"Weil ich nicht möchte, dass du verletzt wirst. Weißt du was? Wir können deine Freunde auch hin und wieder zu uns einladen!"
"Das dürfen wir nicht!"
"Wieso denn nicht?"
"Weil meine Mama gesagt hat, dass hier keiner jemanden besucht."
"Darf ich ehrlich sein?", fragte die Mutter den Jungen, welcher ihr daraufhin kurz zunickte : "Ich mag deine Mama nicht."
"Wieso nicht?!", fragte der Junge schockiert.
"Sie tut dir weh und untersagt es dir deine Freunde zu sehen."
"Was heißt untersagt ?"
"Dass sie es dir nicht erlaubt."
Jacob nickte verstehend.
"So Jacob...du kannst immer mit mir, Papa oder Tim reden wenn was sein sollte, aber jetzt mach dich erstmal fertig", lächelte die Frau und stand auf. Sie verließ kurz darauf auch das Zimmer und Jacob machte sich fertig, um daraufhin mit seiner Mutter in den, vor einigen Tagen eingeschriebenen Kindergarten zu fahren.
