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Kaffee und jede Menge Arbeit

Marc/

"Hat hier vorhin nicht noch ein hellblaues Hemd gehangen, Hanna?"

Nach meiner morgendlichen Joggingrunde habe ich frisch geduscht und rasiert den Weg in meinen Kleiderschrank gefunden. Vorhin, als ich mir die Sportschuhe zugebunden habe, betrachtete ich meine Tagesbekleidung. Durch meine Firma habe ich eine Menge Geld zur Verfügung, die es mir ermöglicht, eine Haushälterin einzustellen. Hanna ist eine Seele von Mensch, immer freundlich und hilfsbereit. Sie hatte ziemlich schnell raus, was ich mag und was nicht. Und ich komme in den täglichen Genuss, dass sie mir meinen Arbeitsanzug raushängt mit passendem Hemd. Das erspart mir, dass ich mir am Morgen schon über so unwichtige Dinge Gedanken machen muss.

"Evelyn hat angerufen, dass Sie heute aufgrund der Mitarbeiterversammlung ein weißes Hemd benötigen. Deshalb habe ich es getauscht. Die Krawatte passt trotzdem oder möchten Sie eine andere, Sir?" Hanna sieht mich fragend an und bleibt vor der Schublade mit den Krawatten stehen. Ich sehe sie lächelnd an.

"Die Krawatte ist gut. Danke, Hanna."

Sie verlässt meinen begehbaren Kleiderschrank und ich beginne, mich anzuziehen.

Meine Gedanken gehen zu Evelyn. Sie hat mich an der Kreuzung angerempelt, aber mich gar nicht weiter angesehen. Sie war am Telefon und hat gar nicht weiter auf mich geachtet, als ich vom Joggen zurück in mein Apartment ging.

Evelyn ist eine wunderschöne Frau mit dunkelbraunen Augen und mahagoniefarbenen Haar. Sie ist immer perfekt gekleidet und trägt einen wunderbaren Duft, der sie vollkommen umhüllt. Seit sie meine Assistentin ist, läuft mein Tag besser. Sie hat ein einmaliges Organisationstalent und sie scheint inzwischen meine Gedanken lesen zu können.

Doch wenn ich ehrlich bin, ist sie genau die Frau, mit der ich mir ein Leben vorstellen kann. Ich hasse es, wenn Frauen sich anbiedern und versuchen, sich mir aufzudrängen, in der Hoffnung dass ich mehr von ihnen will. Okay, ab und zu habe ich mit einer mal die Nacht verbracht. Ich habe noch nie eine Frau mitgenommen in meine Wohnung. Wir sind in ein Hotelzimmer gegangen, haben eine Nummer geschoben, manchmal auch zwei und dann ist jeder seine Wege gegangen. Ich habe mir nie den Namen gemerkt

Aber Evelyn... bei ihr würde ich alle Grundsätze über den Haufen werfen. Sie ist die einzige Frau, die ich wirklich WILL. Sie ist die einzige Frau, mit der ich mir vorstellen kann, mehr zu wollen als nur eine Nummer. Sie ist die Frau, die ich wirklich gerne kennenlernen möchte. Sie ist die Frau, die ich in mein Leben lassen würde.

Und doch ist Evelyn die einzige Frau, die sich weit von mir entfernt, die nicht meine Nähe sucht, die scheinbar niemanden an sich heran lässt.

Evelyn ist eine hübsche Frau mit Kurven an den richtigen Stellen. Sie ist kein spindeldürres Modepüppchen, die den ganzen Abend an einem Champagnerglas nippt und extradicken Lippenstift trägt, damit sie nicht essen muss. Sie kleidet sich stets elegant und sie ist einfach perfekt.

Doch leider sieht sie mich nicht. Und ich suche noch immer nach einem Weg, wie ich das ändern kann.

Als sie mir später sagt, dass ihr Wochenende okay war, frage ich mich, wie sie ihr Wochenende wohl verbracht hat. Ob sie einen Freund hat? Bitte nicht!

Ich trinke meinen Kaffee und sehe aus dem Fenster. Ein paar welke Blätter wehen vorbei. Es ist ein sonniger Tag im Spätherbst. Jetzt wird es wieder kalt und ich bin sicher, dass Evelyn es mit Hanna schon organisiert hat, dass mein warmer Mantel gereinigt in meine Garderobe kommt.

Ich höre ein Surren und sehe auf das Telefon.

"Was gibt es, Evelyn?" frage ich über die Freisprechtaste.

"Ihre Schwester ist auf Leitung 2."

"Dankeschön."

Ich drücke auf die blinkende Taste und lasse sie auf laut.

"Guten Morgen, Ricarda. Was kann ich für dich tun?"

"Ich habe das ganze Wochenende auf einen Rückruf von dir gewartet, lieber Bruder." schnaubt sie ins Telefon. Shit, das hatte ich vergessen oder eher beiseite geschoben.

"Es tut mir leid. Ich hatte viel zu tun," Rede ich mich raus. Gar nichts hatte ich zu tun. Aber das wird sie sich ja denken können. Ricarda rühmt sich immer damit, dass sie die Ältere von uns beiden ist. Dabei ist meine Zwillingsschwester nur 6 Minuten älter als ich.

"Also habe ich mir gedacht, dass ich dich am besten über deine Assistentin erreichen kann und siehe da, es klappt. Also, wann wollen wir unsere Geburtstagsparty steigen lassen?

Am Freitag oder Samstag? "

Ich hasse es, wenn sie aus unserem Geburtstag immer ein Riesenspektakel machen will.

"Können wir nicht mal einfach und klein feiern? " frage ich.

"Einfach und klein? Geht das überhaupt?"

Sie stellt Fragen. Natürlich geht das.

"Ricarda, können wir nicht einfach einen netten Tag zusammen verbringen? Wir unternehmen was zusammen und gehen essen. Was sagst du dazu?"

Erstmal ist es still und ich lausche hoffnungsvoll. Denn ich weiß, dass sie am überlegen ist.

"Okay," sagt sie dann, " aber du bringst jemanden mit." Ricarda ist seit 2 Jahren mit Dominik zusammen und sehr glücklich. Ich seufze auf.

"Wen soll ich denn mitbringen, Ricarda?"

"Mir egal. Jemanden, der dir wichtig ist. Also, wir treffen uns am Freitag um 10.00 Uhr zum Brunch bei Tammy. Alles klar?" Ich habe keine Chance zu antworten, denn das Tuten der Leitung sagt mir, dass es für sie beschlossen ist und aufgelegt hat.

Ich nehme den letzten Schluck meines inzwischen kalten Kaffee und will schon auf die Freisprechtaste drücken, als das bekannte Surren einen Anrufer anzeigt.

"Ja?"

"Sir, Mr. Gravenport steht bei mir und wünscht Sie dringend zu sprechen."

"Schicken Sie ihn rein."

Offenbar hat er direkt vor der Tür gestanden. Denn ich habe den Satz noch nicht zuende gesagt, da geht auch schon die Tür auf.

"Marc, wir müssen reden."

Evelyn schließt die Tür. Ich werfe ihr einen prüfenden Blick zu. Und dann weiß ich, wen ich am Freitag mitnehmen werde. Sie weiß nur noch nichts von ihrem Glück.

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