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Oliver

Ich kann auf meinem Telefon sehen, dass er noch immer telefoniert.

Meine Bürotür geht auf und bevor ich ihn sehe, kann ich ihn schon riechen. Damian Gravenport benutzt ein Aftershave, dass einem die Sinne vernebelt.Und das meine ich nicht positiv.

"Evelyn, Sonnenschein! " säuselt er. Wie ich das hasse. Aber ich gehe nicht weiter darauf ein.

"Guten Morgen. Mr. Saven telefoniert gerade. Ich kann Sie gerne anrufen, wenn er fertig ist."

"Auf keinen Fall. Ich muss dringend mit ihm sprechen. So lange warte ich halt, Sonnenschein."

Ich werfe wieder einen Blick auf mein Telefon, in der Hoffnung, der würde sein Telefonat baldigst beenden und mich von dem Greuel erlösen.

In dem Moment sehe ich, dass Mr. Saven aufgelegt hat, denn das Blinken der Tastaturanzeige ist weg.

Ich sage ihm Bescheid, dass Mr. Gravenport ihn besucht.

Und schon ist er im Büro vom Chef verschwunden.

Mein Handy klingelt und mir bleibt das Herz stehen, als ich sehe, dass es mein Bruder ist.

"Oliver, ich arbeite." fauche ich ihn an.

"Ja, ich weiß, aber ich brauche dringend Geld."

"Vielleicht solltest du mal einen normalen Weg einschlagen und arbeiten gehen."

"Bitte, ich habe doch nur noch dich. Du musst mir helfen."

"Ich habe das gesamte Wochenende damit verbracht, das Chaos, dass du in meiner Wohnung hinterlassen hast, zu beseitigen. Und ich möchte meinen Schmuck wieder haben."

"Evelyn, ich brauche....Ich komme hoch und du musst mir helfen." Um Gottes Willen, bloß nicht!

"Wage es, hier rein zu kommen. Ich bringe dir was. geh rüber auf die andere Straßenseite. Ich will dich nicht hier sehen. Bis gleich."

Ich lege schnell einen Zettel auf den Tisch, dass ich gleich zurück bin und renne zum Aufzug.

Schnellstmöglich haste ich zur Haupttür raus und über die Ampelkreuzung. Dann sehe ich ihn. Oliver kommt grinsend auf mich zu.

"Da ist sie ja. Hast wohl Angst, dass ich ein schlechtes Licht auf dich werfen könnte, wie?"

"Ich sage dir jetzt was, du bist mein Bruder. Aber genug ist genug. Ich habe hier 300 Dollar. Der Schmuck, den du mir gestohlen hast am Wochenende, ist 7000 Dollar wert. Ich will dich nie wieder sehen. Seh zu, wie du deine Drogen finanzierst. Aber ich bin raus." Er sieht mich während meines Vortrag dämlich grinsend an.

"Ich habe Schulden."

"Nicht mein Problem."

"Es wird dein Problem werden!"

Damit drücke ich ihm das Geld in die Hand und versuche, so schnell wie nur möglich an meinen Schreibtisch zurück zu kommen.

Ich habe die Nase voll. Ich bin fertig. Mein Bruder? Ja, so lange ich ihm Geld gebe. Ansonsten bin ich ihm vollkommen egal.

Ich kann einfach nicht mehr.

Costa sieht mich argwöhnisch an, als ich an seinem Tresen vorbei husche.

Als ich aus dem Aufzug komme, rieche ich wieder das Aftershave von Mr. Gravenport. Also ist das Gespräch beendet. Abgehetzt und knallrot im Gesicht setze ich mich wieder ins Büro. Ich wische mir schnell meine Haare aus dem Gesicht und die aufkommenden Tränen weg. Als ich gerade tief durchatme, geht die Tür auf und Mr. Saven kommt in mein Büro. Er bleibt abrupt im Türrahmen stehen und sieht mich forschend an.

"Alles okay? Kann ich irgendwie helfen?" fragt er.

Ich schüttel den Kopf, aber irgendwie hat in mir jemand auf einen Knopf gedrückt und egal wie oft ich die Tränen weg wische, es kommen immer wieder welche nach. Es ist mir unsagbar peinlich und unangenehm. Er hockt sich neben mich und sieht mich fragend an.

"Sie wissen, dass Sie mit mir reden können, nicht wahr?" fragt er leise und mit beinahe sanfter Stimme. Oh, Gott! NEIN! AUF KEINEN FALL!

Ich atme noch einmal tief ein. Dann hebe ich den Kopf und versuche mit fester Stimme zu reden.

"Danke, es tut mir leid. Verzeihen Sie meinen Ausbruch. Es kommt nicht wieder vor. Was kann ich für Sie tun? Wo soll ich helfen? "

Ab zurück in den Arbeitsmodus. Anders geht es gerade nicht.

Er steht wieder auf, legt ein paar Unterlagen auf meinen Schreibtisch, nimmt meine Hand und drückt sie kurz.

"Ich bin immer für Sie da. Okay? ...Immer." fügt er nachdrücklich hinzu. Dann geht er hinaus. Schnell werfe ich einen Blick auf die Termine. Es steht nichts an. Also muss es sich um etwa privates handeln und ich brauche nicht hinterher rennen.

Als er später wieder kommt, stellt er mir eine Nussbrezel auf den Tisch und geht wieder in sein Büro.

Ich muss lächeln. Irgendwie ist das ja lieb.

Ich hänge mich wieder in meine Arbeit. Nebenbei esse mein Gebäck.

Und doch hängt mir der letzte Satz von Oliver noch im Gedächtnis.

Was hat er damit gemeint, dass es mein Problem wäre? Er wird doch nicht irgendwelchen Mist gemacht haben? Auf der anderen Seite ist die ganze Drogensucht Mist! Mein Bruder ist der einzige, der von meiner Familie übrig geblieben ist. Eigentlich sollten wir doch einander Halt geben und füreinander da sein. Wie konnte er nur in die Sucht rutschen und warum reisst er mich mit rein?

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