Bibliothek
Deutsch
Kapitel
Einstellungen

Kapitel 5: Die Asche und das Versprechen

Naëlya

Ich blieb dort. Still. Umhüllt vom Gewicht seines Arms, sein Atem langsam gegen meinen Nacken.

Das Feuer war in der Nacht erloschen und hatte nur faule Glut im Kamin hinterlassen. Aber er, er ist Kael, der immer noch gegen mich brannte. Eine dumpfe, tierische Wärme pulsierte zwischen uns. Wie ein Überrest von Fieber.

Ich habe nicht geschlafen. Oder kaum. Mein Körper, ja. Aber mein Geist drehte sich. Unermüdlich. Wie ein Raubtier im Käfig, das einen Vorgeschmack auf die Freiheit bekommen hat.

Ich blieb dort, weil ich nicht mehr wusste, was ich mit diesem Moment anfangen wollte. Ihn festhalten. Ihn töten. Ihn wiederholen.

— Du schläfst nicht.

Seine Stimme. rau. Betäubt. Er stellte mir nicht einmal die Frage. Er weiß es. Er kennt mich. Zu gut.

— Ich weiß nicht, wie man das macht, antworte ich. Neben dir schlafen.

Ein Schweigen. Dann schließt sich sein Arm sanft um mich, ohne Druck. Er zieht mich gegen seine Brust, und ich spüre seine Stirn auf meiner Schulter.

— Ich auch nicht, murmelt er.

Also bleiben wir dort. Schwebend. Zwei rostige Waffen, die aufgehört haben zu kämpfen, aber nicht wissen, wie man anders lebt.

Kael richtet sich schließlich auf. Er schaut mich an. Nicht wie ein Mann eine Frau ansieht. Nicht wie ein ehemaliger Henker sein Opfer ansieht. Sondern wie ein verlorener Mann die einzige Sache ansieht, die ihn jemals wieder zu sich gebracht hat.

— Weißt du, sagt er, ich dachte, du wärst tot.

Ich halte seinen Blick. Meine Augen sind trocken. Seit langem.

— Das wollte ich, dass du glaubst.

Er nickt. Er versteht. Oder er glaubt, zu verstehen. Egal.

— Und jetzt?

Diese Frage. Einfach. Schrecklich.

Ich stehe auf, nackt, ohne Scham. Ich ziehe ein zu großes Hemd an — seins — und gehe zum Fenster. Der Tag knabbert sanft am Himmel.

— Jetzt… will ich, dass du mir folgst.

Er hebt eine Augenbraue. Ein schiefes Lächeln bildet sich auf seinen Lippen. Er glaubt immer noch, es sei ein Spiel. Ein Tanz. Eine Falle.

— Wohin? fragt er.

Ich drehe mich um. Meine Stimme ist ruhig.

— Dorthin, wo man niemals zurückkommt.

Diesmal versteht er. Er spürt es in meinen Augen. In der Art, wie ich nicht mehr zittere.

Ich will keine Nacht.

Ich will ein loderndes Feuer.

Ich will, dass er sich verbrennt, wie ich mich verzehrt habe.

Kael steht ebenfalls auf. Er kommt näher. Er ist immer noch nackt, sein Körper gezeichnet von Geschichten, die ich nie vergessen habe. Aber seine Augen… seine Augen sind nicht mehr dieselben. Er sieht nicht mehr ein überlebendes Mädchen an. Er sieht eine Frau an, die ihr Schicksal zwischen den Zähnen hält.

Er streicht über mein Kinn.

— Du willst mir nicht verzeihen.

Ich lege meine Hand auf seine.

— Nein. Ich will, dass du an meiner Seite gehst. Mit allem, was wir getan haben. Mit allem, was wir nie gesagt haben.

Ein Atemzug. Ein Herzschlag.

— Du wirst mich nicht vertreiben, sagt er.

Ich komme näher, so nah, dass sein Atem mein Haar hebt.

— Es ist nicht dich, den ich teste, Kael. Es bin ich.

Und er versteht.

Dass ich mich noch immer erprobe.

Dass diese Nacht kein Geständnis, sondern eine Schwelle war.

Und dass ab jetzt jeder Schritt, den ich mache, kein Schritt der Flucht mehr sein wird.

Er gleitet mit seinen Fingern zwischen meine.

— Dann lass uns dorthin gehen, wo man niemals zurückkommt.

Unsere Finger sind verbunden. Unsere Körper noch gezeichnet von der Nacht.

Und draußen geht der Tag über unsere Asche auf.

Laden Sie die App herunter, um die Belohnung zu erhalten
Scannen Sie den QR-Code, um die Hinovel-App herunterzuladen.