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Kapitel 2

Der Entführer stürmte heran und riss erneut an meinen Haaren, zwang meinen Kopf in den Nacken.

„Kein Schwein nimmt ab. Ist das dein großartiger Zehn-Millionen-Deal?“

Ich keuchte, der Schmerz auf der Kopfhaut war stechend, und brachte mühsam ein flehendes Stottern hervor.

„Bitte... lass mich nur noch einmal versuchen... Er wird zahlen... Ich schwöre dir, er wird zahlen...“

„Und du glaubst, ich falle noch einmal auf diesen Mist rein?“

Er spuckte die Worte aus, doch dann glitt etwas Gemeines über sein Gesicht. Ein hämisches Grinsen breitete sich aus.

„Na schön. Du kannst nochmal anrufen. Aber jeder Anruf kostet dich einen Finger.“

Er packte meine Hand und knallte sie auf den schmutzigen Betonboden. Hinter seinem Rücken holte er ein Messer hervor und rammte es krachend ins den Boden direkt neben meiner Hand.

Ich zitterte am ganzen Leib, vor Angst und Kälte. Ich bettelte, flehte, bot noch mehr Geld an.

„Nein... bitte... was immer du willst, ich besorge es dir. Mein Verlobter - er ist der -“

Ein schallender Schlag ließ meinen Kopf zur Seite schnellen, Hitze breitete sich auf meiner Wange aus.

„Schnauze. Ich will einen Dollar. Einen einzigen. Nicht einen Cent mehr.“

Ich wollte fragen warum, aber er ließ mich nicht zu Wort kommen.

Er warf mir das Telefon vor die Füße.

„Du hast zehn Sekunden. Dann ist der Finger dran.“

Ich zögerte keine Sekunde. Mit zitternden Händen griff ich nach dem Telefon und wählte Matteos Nummer ein letztes Mal.

Bitte, betete ich in mir. Matteo, bitte nimm ab.

Nur ein Dollar. Das war alles, was nötig war, um mich zu retten.

Der Entführer hockte sich neben mich und zählte mit tonloser, bedächtiger Stimme herunter. Jede Zahl war wie ein Hammerschlag.

„Drei.“

„Zwei.“

Gerade als seine Lippen sich für das „Eins“ formten, meldete sich jemand.

„Matteo!“

Ich konnte mich nicht zurückhalten. Sein Name entfuhr mir, eine wilde Mischung aus Todesangst und Hoffnung. Die Tränen brachen aus mir heraus.

Aber die Stimme am anderen Ende war nicht seine.

„Karolin? Suchst du Matteo?“

Juna.

„Ich habe mir den Fuß aufgeschürft. Er ist gerade, um ein Pflaster zu holen.“

Ich verschluckte das Schluchzen, das in meiner Kehle aufstieg.

„Gib ihm. Sofort. Es ist lebenswichtig.“

Der Entführer lauerte neben mir, seine Augen funkelten kalt. Die Klinge des Messers blitzte nur eine Handbreit von meinem Gesicht entfernt.

Dann hörte ich Matteos Stimme.

Neue Hoffnung schoss in mir hoch. Ich schrie aus tiefster Seele.

„Matteo! Hilf mir! Ich bin entführt worden!“

Er hatte endlich abgenommen. Doch seine Stimme war kälter als der Januarwind.

„Karolin Stadler, es gibt einen Unterschied zwischen stur und selbstmörderisch. Heute ist unsere Hochzeit. Und du ziehst so einen Abgang ab - um was zu beweisen?“

„Du hast eine halbe Stunde. Tauch auf. Und erwarte nicht, dass ich dich abhole.“

Ich schüttelte heftig den Kopf, der Schmerz in meiner Brust war unerträglich.

„Nein, du verstehst nicht... Matteo, ich wurde wirklich entführt. Bitte, ich flehe dich an...“

Seine Stimme fuhr sie scharf an, voller Wut.

„Jetzt reicht‘s! Vor einer Woche erst Juna, und jetzt du? Glaubst du, mit so einem billigen Trick bekommst du mehr Aufmerksamkeit, Karolin?“

„Wenn du noch bei Trost bist, dann komm jetzt hierher und beende die verdammte Zeremonie.“

Er legte auf.

Einfach so.

Das Telefon entglitt meiner Hand. Meine Tränen gefroren mir auf den Wangen.

Junas Entführung war echt gewesen. Er hatte den Stolz seiner Familie für sie geopfert.

Aber meine? Meine war für ihn nur ein kindischer Trotzanfall. Er hörte nicht einmal zu. Nicht eine Sekunde lang.

Der Entführer stand auf, lachte kurz und hässlich und hob das Messer über meine gefesselte Hand.

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