Kapitel 4
"Okay Jake...ich muss dir sagen, dass es uns viele Sitzungen kosten wird, aber ich verspreche dir dir zu helfen. Ich sage nicht, dass du dann anders von deiner Mutter oder ihrem Stiefbruder denken wirst, aber es wird Berührungen erträglicher für dich machen, dafür muss ich jedoch ein Mal testen was Berührungen momentan bei dir auslösen", meinte er, also sah ich ihn mit großen Augen an.
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"K-kann ich Ihnen...dir nicht einfach sagen w-was für Symptome bei mir aufkommen?", fragte ich nervös und fing an mit meinen Fingern zu spielen.
"Leider nicht, ich werde dich nämlich vor jedem Termin testen müssen, um zu gucken wie es beim letzten Mal war und wie weit wir gekommen sind", klärte er mich auf. "Nein, auf keinen Fall!", schüttelte ich sofort ab. "Du wirst nicht verschont werden. Entweder ich helfe dir, oder dein Leben wird weiter davon geplagt", stellte er mir zur Wahl.
"Na gut...was soll ich tun?", seufzte ich schwer und schloss kurz meine Augen. "Deine Ärmel bitte einmal nach oben, beide", meinte er und zog sich seine Handschuhe aus. Wiederwillig zog ich meine Ärmel hoch und hielt ihm meine Arme hin. Je näher seine Hände meinen Armen kamen, desto mehr Angst brachte sich in mir auf, also zog ich meine Arme kurz vorher wieder zurück und sah Mister Kane ängstlich an.
"Das habe ich ja noch nie gesehen!", murmelte er vor sich hin und schrieb etwas in seinen Notizblock. "W-was?", fragte ich ihn und versuchte meine Angst nicht hörbar zu machen. "Viele meiner Patienten kneifen ihre Augen feste zu oder drehten ihr Gesicht weg und fangen an zu weinen, oder atmen plötzlich schwer, aber...bei dir...Jake, du bekommst Gänsehaut, ziehst deine Arme weg, atmest ziemlich unruhig, bekommst Tränen in die Augen, deine Augen fangen an zu zucken und du fängst an zu zittern...so viele Symptome auf ein Mal habe ich bei einer Person noch nie gesehen!", meinte er und zeigte mit seinem Stift auf meine Beine, vor lauter Angst merkte ich gar nicht wie stark sie zitterten.
"Gibt es da noch etwas was du mir erzählen musst?", fragte er mich und hielt seinen Stift zum schreiben bereit. "N-nein...nein n-nichts!", antwortete ich mit zitternder Stimme und zog meine Ärmel krampfhaft bis über meine Hände.
"Das wird viel Arbeit...hast du auch etwas gegen Berührungen von Tieren?", fragte er mich dann, ich zuckte jedoch nur still mit den Schultern. "Eine Minute", meinte er, stand auf und verließ den Raum, woraufhin er kurz danach mit einem jungen Hund zurückkam.
"Erlaubst du mir ihn dir auf den Schoß zu setzten Jake?", fragte er mich dann. "Aber bitte nicht mich berühren!", flehte ich schon fast und machte Platz auf meinen Oberschenkeln, damit der kleine Hund darauf sitzen konnte. Ich sah zur Seite und kniff meine Augen fest zu als Mister Kane mir den Hund auf den Schoß setzte.
"Bin schon weg!", meinte er dann, also entspannte ich mich wieder und sah runter zu dem Hund auf meinem Schoß, während Mister Kane sich wieder auf seinen Stuhl setzte.
"Streichel ihn, zeig ihm etwas liebe!", forderte er dann, also nahm ich den Hund in meine Arme und streichelte ihn zögerlich, ich lächelte als er mir in die Augen sah.
"Was löst dieser Hund in dir aus?", fragte Mister Kane mich dann kurz darauf. "Geborgenheit...er beruhigt mich irgendwie", meinte ich. "Das ist gut, deine Ängste beziehen sich scheinbar nur auf Menschen...hast du Pflanzen Zuhause?", fragte er mich dann, weswegen ich ihn verwirrt ansah, dann jedoch nickte. "Kümmerst du dich um einige?", hakte er nach, wieder nickte ich : "Ich gieße sie und Pflanze sie manchmal um wenn meine Mutter nicht da ist."
Mister Kane schrieb etwas in seinen Notizblock und lächelte mich dann leicht an.
"Das gute ist, dass sich deine Angst nur auf Menschen bezieht und du somit nicht wegen allem von mir therapiert werden musst, spricht, wir sind deinem Ziel schon einen großen Schritt näher gekommen, das schlechte ist, dass es dennoch nicht leichter für dich wird...wie sieht's aus? Hast du schon Mal einen Menschen, nach der Sache mit deiner Mutter und ihrem Stiefbruder berührt? Also von selbst aus?", fragte er dann weiter, ich schüttelte meinen Kopf. "Dann würde ich dich einmal darum bitten meine Hand zu schütteln", meinte er. "Nein!", schrie ich sofort auf und atmete schwer, als er mir seine Hand hinhielt.
"Nun gut", seufzte er und zog seine Hand wieder zurück. "Darf ich dich mit einem Handschuh berühren? Oder du dann mich wo der Handschuh ist?", fragte er weiter, wieder schüttelte ich meinen Kopf. "Was passiert wenn ich dich jetzt berühre, aber auf deinem Pullover?", fragte er, ich zuckte mit den Schultern. Langsam streckte Mister Kane seine Hand nach mir aus und strich mir über meinen, mit meinem Pullover überzogenen Arm. Ich fing an leicht zu zittern und kniff meine Augen zu, wobei ich aufhörte den Hund zu streicheln.
"Ich ziehe mich zurück, aber streichel den Hund Jake", bat er mich und nahm seinen Arm zurück, also öffnete ich meine Augen wieder. Ich streichelte den Hund weiter und wieder berührte Mister Kane meinen überzogenen Arm.
"Sieh einer an, Tiere beruhigen dich komplett!", nickte er vor sich hin und schrieb etwas auf. "Wie hast du dich gefühlt als ich dich berührt habe, als du den Hund nicht gestreichelt und dann gestreichelt hast?", fragte er mich.
"Ohne, ziemlich verängstigt und unbeholfen, mit...etwas entspannter und beruhigter", meinte ich, wieder schrieb er etwas auf.
"Okay Jake...unsere Zeit ist schon um, aber wenn ich dich um etwas bitten darf, dann lege dir ein Tier zu und habe ihn viel im Arm, so oft wie es geht", forderte er. "Ich werde mit meiner Mutter sprechen", meinte ich. "Gut, dann bitte ich dich mir den Hund ein Mal zu geben", bat er mich und widerwillig setzte ich ihm den Hund auf den Schoß.
"Gut, einmal zur Rezeption, wir sehen uns dann bei deinem Nächsten Termin!", verabschiedete er sich von mir, ich nickte still, ließ mir an der Rezeption einen neuen Termin geben und rief dann meine Mutter an, damit sie mich abholen konnte.
