Kapitel 2
Ich beschloss einfach Offline zu gehen und nicht mehr auf seine Nachrichten zu reagieren, irgendwann musste er es dann ja aufgeben. Nach diesen letzten zwei Wochen Schule würde ich ihn eh nie wieder sehen.
***
"Dein Termin ist morgen um 14:30 Uhr. Ich werde mitkommen, vor allem weil es etwas weit von hier ist", meinte meine Mutter, als sie locker eine Stunde später hoch in mein Zimmer kam. "Danke", gab ich nur leise zurück und arbeitete nebenbei weiter an meinen Aufgaben von der Schule.
"Jake?", fragte meine Mutter nach mir, also sah ich über meine Schulter hinweg zu ihr und setzte einen fragenden Blick auf.
"W-wieso...hast du solche Angst berührt zu werden?", fragte sie mich langsam, also sah ich wieder weg. "Nein", gab ich nur zurück : "Reicht mir schon, dass ich es morgen einem Wildfremden Mann erzählen muss."
Ich schüttelte leicht meinen Kopf, während ich konzentriert aus dem Fenster sah.
"Aber-", ich unterbrach meine Mutter sofort, indem ich mich von meinem Stuhl aufstellte und mich zu ihr drehte : "Ich sagte nein, ich will nicht drüber reden, mit niemandem...und jetzt belass es dabei, geh!" Ich sah zur Seite und hielt mir die Tränen zurück, mich daran zurück zu erinnern was passiert war nahm mich immer sehr mit.
"Tut mir leid", sagte sie leise und ging, ich sah ihr still nach. "Mir auch", flüsterte ich und rieb mir kurz über die Augen, bevor ich mich nach einem tiefen Atemzug wieder an meine Aufgaben setzte.
Am nächsten Morgen betrat ich mit Musik in den Ohren den Schulhof und zog meine Ärmel von meinem Pullover bis über meine Hände als ich Yannis sah. Er hatte mich zum Glück noch nicht gesehen, also konnte ich mich in Ruhe auf die Tischtennisplatte setzen und mein Handy zücken.
Ich muss zugeben, dass ich Yannis nie wirklich schlecht fand, ganz im Gegenteil, eigentlich mochte ich ihn sehr, als Freund. Wenn er will ist er gar nicht so nervig und singen und rappen kann er auch sehr gut. Er ist zwar oft schlecht gelaunt, aber lässt mich wenigstens nicht darunter leiden, an solchen Tagen ließ er mich nämlich in Ruhe. Wir wären bestimmt Freunde wenn ich Menschen nicht so verabscheuen würde.
So vertieft in Gedanken bekam ich gar nicht mit, wie Yannis mir sein Gesicht unter meines hielt. Erschrocken zuckte ich zusammen und schloss kurz meine Augen, woraufhin ich mir einen Kopfhörer aus dem Ohr zog und etwas vor mich hinflüsterte.
"Sorry, ich darf dich ja nicht anfassen", lächelte er und setzte sich neben mich, also sah ich ihn an. "Danke, dass du es respektierst, aber einen Herzinfarkt sollst du mir trotzdem nicht verpassen!", meinte ich und schaltete die Musik meines Handys komplett aus, um den anderen Kopfhörer dann auch aus meinem Ohr ziehen zu können und sie in meine Tasche zu stecken.
"Tut mir leid", meinte er nur, jedoch schüttelte ich ab und starrte einfach in die Ferne.
"Woran denkst du?", fragte Yannis mich also. "Wie es...nein, gar nicht so wichtig", entschied ich mich um und sprach nichts weiter an. "Ach komm!", meinte er und stupste mich an, also sah ich wütend zu ihm, zum Glück lag mein Pullover über dieser Stelle. Ich nahm meine Tasche zur Hand und ging einfach, ohne noch etwas zu sagen, und ohne auf das rufen nach mir von Yannis zu hören.
