Kapitel 1
Imran
Zwei Wochen zuvor…
Während ich die Knöpfe meines perfekt weißen Hemdes schloss, lächelte ich unwillkürlich meinem eigenen Spiegelbild zu. Ich fühlte mich wie ein Teenager, der sich auf sein erstes Date vorbereitet, obwohl ich bereits zweiunddreißig war. Normalerweise zurückhaltend, streng und dominant, konnte ich kaum glauben, dass ich zu solchen Gefühlen fähig war.
Der Grund für meinen Zustand war ein Mädchen, das mit nur einem Blick mein Herz erobert hatte. Kamila. Ihr Name klang wie ein süßes Echo in meinen Gedanken. Sanft, schön und unglaublich bescheiden. Ich, der es gewohnt war, Probleme hart und schnell zu lösen, wurde in ihrer Nähe zu einem völlig anderen Menschen — weich, fürsorglich und zu meiner eigenen Überraschung sogar schüchtern. Ich hätte nie gedacht, dass so viel Zärtlichkeit in mir steckt.
Ich nahm meine Schlüssel und mein Handy und eilte zum Treffen, kaum fähig, meine Ungeduld zu zügeln, ihr Lächeln wiederzusehen.
Das Restaurant war erfüllt vom leisen Murmeln der Stimmen und den Düften der kaukasischen Küche. Das sanfte Licht spiegelte sich schön in den Kristallgläsern. Kamila wartete bereits an unserem Tisch, die Hände bescheiden im Schoß gefaltet. Als sie mich sah, begannen ihre Augen warm zu leuchten, und ein zarter Hauch von Röte erschien auf ihren Wangen. Allein ihr Blick ließ es warm in meiner Brust werden.
— Assalamu alaikum, meine Schöne, — begrüßte ich sie, setzte mich ihr gegenüber und konnte den Blick nicht von ihr lösen.
— Wa alaikum assalam, — lächelte sie schüchtern, senkte die Wimpern und strich sich gleich darauf durch die Haare. Ihre Wangen glühten, und bei diesem Anblick zog sich mein Herz süß zusammen.
— Wie geht es dir? — fragte ich vorsichtig und verbarg die Zärtlichkeit in meiner Stimme nicht.
— Gut. Ein bisschen aufgeregt, — gestand sie und sah mich wieder an. — Wir sind ja fast verheiratet…
— In zwei Wochen wirst du meine Frau sein, — erinnerte ich sie sanft und musste mich beherrschen, nicht nach ihrer Hand zu greifen. Doch wir durften uns nicht zu viel erlauben, nicht einmal hier, in dem belebten Restaurant. Die kaukasischen Traditionen duldeten keine offenen Gefühlsbekundungen, und ich respektierte das.
Kamila lachte leise, hielt sich die Lippen mit der Hand zu und blinzelte kokett:
— Du sprichst so уверенно, als würdest du mich gar nicht erst fragen wollen.
— Warum sollte ich fragen, wenn dein Herz die Antwort längst gegeben hat? — schmunzelte ich.
Sie lächelte wieder und schüttelte leicht den Kopf. In dieser leichten Verspieltheit lag ihr besonderer Reiz — sie wusste immer, wie sie mich den Kopf verlieren ließ und dabei doch eine ernste, anständige Frau blieb.
— Und wenn ich es mir anders überlege? — fragte sie listig und sah mir direkt in die Augen.
— Das wirst du nicht, — sagte ich überzeugt, beugte mich ein wenig näher zu ihr und senkte die Stimme: — Denn niemand wird dich mehr lieben als ich. Und das weißt du.
Ihr Gesicht wurde erneut rot, ihr Atem beschleunigte sich. Ich konnte den Blick nicht von ihren Lippen lösen, doch mit Mühe riss ich mich zusammen. Jetzt nicht. Bald — dann würde es möglich sein. Sehr bald.
— Übrigens, wo ist Aischat? — fiel mir plötzlich ihre Schwester ein. — Warum hast du sie nicht mitgebracht? Wartet sie wieder im Buchladen auf dich?
— Ja, sie ist dort, — lächelte Kamila. — Du weißt doch, sie hasst Menschenmengen und wäre hier vor Verlegenheit gestorben, wenn sie uns so gesehen hätte. Bücher sind ihr lieber.
Ich lächelte zustimmend und sagte nachdenklich:
— Für mich bleibt es ein Rätsel, wie in einer Familie zwei so unterschiedliche Mädchen aufwachsen konnten. Du bist offen und gesellig, und Aischat lebt, als wäre sie in ihrer eigenen Welt.
— Ich weiß nicht, — zuckte Kamila mit den Schultern. — Manchmal verstehe selbst ich sie nicht. Sie ist still, zurückgezogen, verbringt den ganzen Tag im Buchladen oder in ihrem Zimmer. Unsere Eltern machen sich schon Sorgen, dass sie allein bleiben könnte.
Sie sagte es ohne böse Absicht, eher aus ehrlicher Ratlosigkeit, doch ich spürte plötzlich einen Stich von Mitleid mit Aischat. Wie musste es sein, so etwas von den eigenen Angehörigen zu hören? Sicher tat es weh. Doch ich verdrängte diese Gedanken sofort und richtete meine ganze Aufmerksamkeit wieder auf die Frau, die ich liebte.
— Genug von ihr, — lächelte ich und wollte erneut ihren verlegenen Blick einfangen. — Erzähl mir lieber, wie dein Morgen war. Hast du an mich gedacht?
Sie lachte hell auf und wurde wieder verlegen.
— Du bist immer so… hartnäckig, selbst in deinen Gefühlen, — sagte sie leise und sah mich mit liebevollem Vorwurf an.
— Bei dir bin ich anders, — antwortete ich ernst. — Ich wundere mich selbst, wie zärtlich ich sein kann. Du bringst mich dazu, mich zu verändern, Kamila. Neben dir möchte ich ein besserer Mensch werden.
Sie sah mich aufmerksam an, senkte dann den Blick und sagte sanft:
— Mir gefällt, wie du bei mir bist.
Ich lächelte und atmete tief durch, um den rasenden Schlag meines Herzens zu beruhigen. Ich hätte nie gedacht, dass eine Frau mich so beeinflussen könnte.
Wir saßen lange zusammen, sprachen über alles und nichts und genossen einfach die Nähe des anderen und die Wärme, die uns umgab. In solchen Momenten wurde mir klar, wie viel Glück ich hatte. Sie war genau die, nach der ich mein ganzes Leben unbewusst gesucht hatte.
Damals wusste ich noch nicht, dass mein Leben in zwei Wochen zusammenbrechen würde und ich statt Glück mit Schmerz und Schande konfrontiert sein würde. Damals glaubte ich noch, dass vor mir nur Liebe, Glück und unser gemeinsames Leben lagen.
