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Entwürdigt. Die Braut aus Versehen

31.0K · Vollendet
Mila Rebrova
36
Kapitel
1
Lesevolumen
9.0
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Zusammenfassung

— Ich wollte dich nie heiraten! — Imran sah mich mit solcher Wut an, dass mir das Herz stehenblieb. — Du bist selbst schuld an allem, was passiert ist! — Ich bin schuld? — flüsterte ich und schluckte meine Tränen hinunter. — Ich bin schuld daran, dass du mich mit deiner Verlobten verwechselt hast? Dass meine Schwester mich jetzt hasst? Er trat einen Schritt näher und drängte mich zur Wand zurück. — Im Gegensatz zu mir warst du in jener Nacht nicht betrunken. Du hättest das verhindern können, aber du wolltest es nicht. Ich schwieg, unfähig zuzugeben, dass ich ihn – den Verlobten meiner Schwester – schon lange liebte. Aber niemals, niemals wollte ich ihn ihr wegnehmen. Und schon gar nicht wollte ich die Frau eines Mannes werden, der mich jetzt mit Hass ansieht...

Prolog

— Was hast du getan?.. — Aischats leise, von Schmerz erfüllte Stimme riss mich aus einem unruhigen Schlaf. Sie schluchzte und versuchte, ihr Weinen mit den Händen zu dämpfen, und bei diesem Geräusch lief mir eine Gänsehaut über den Rücken. — Du… du hast mich entehrt! Wie konntest du nur?!

Ich setzte mich ruckartig im Bett auf und spürte, wie mein Herz irgendwo ins Bodenlose stürzte. In meinem Kopf dröhnte es, als würde jemand mit einem Hammer darauf einschlagen. Vor meinen Augen war nur Aischat — zerzaust, verängstigt, in ein dünnes Laken gehüllt. Ihre Schultern zitterten, Tränen liefen über ihre Wangen und tropften auf den weißen Stoff, und dann blieb mein Blick an einem dunklen, scharlachroten Fleck auf dem Laken hängen — ein gnadenloser Beweis für das Geschehene.

— Was? Wovon redest du? — meine Stimme war heiser vor Entsetzen und Unverständnis. — Was heißt „entehrt“?

Sie hob den Blick zu mir, ihre Augen voller Tränen, und darin sah ich so viel Schmerz und Angst, dass mir der Atem stockte.

— Ich bin keine Jungfrau mehr! — rief sie verzweifelt, als würden ihr diese Worte körperliche Schmerzen bereiten. — Du hast mir meine Ehre genommen! Du hast mich mit Kamila verwechselt!

Mein Herz setzte aus, und ein scharfer Schmerz der Erkenntnis durchzuckte meinen Körper. Chaotische Erinnerungen schossen mir durch den Kopf — ihre Lippen, ihre Haut, ihre Stimme… Ich war sicher gewesen, dass neben mir Kamila lag, die Frau, die ich heiraten sollte. Doch jetzt, als ich die weinende Aischat ansah, begriff ich, welch unverzeihlichen Fehler ich begangen hatte.

— Du hättest mich aufhalten können! — schleuderte ich ihr vor, die Fäuste so fest geballt, dass meine Knöchel schmerzten. — Du hättest schreien, mich schlagen, gehen können! Aber du bist geblieben — also wolltest du es genauso wie ich!

— Nein! — sie wich zurück, als hätte ich sie geschlagen, ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen. — Ich habe es versucht! Ich habe dich angefleht aufzuhören, dich gebeten, mich anzusehen, meine Stimme zu hören! Aber du… du warst betrunken, du hast nichts gehört, nichts gesehen!

Jedes ihrer Worte bohrte sich wie Eissplitter in mein Herz und zwang mich, den ganzen Schrecken dieser Nacht zu begreifen. Ich warf einen Blick auf das Bett und sah wieder den Blutfleck — ein stummes Zeugnis dafür, dass ich ihr ihre Unschuld genommen hatte.

— Ich habe alles zerstört… — flüsterte ich, unfähig, die Mischung aus Wut und Verzweiflung zu unterdrücken. — Du bist die Schwester meiner Verlobten! Verstehst du überhaupt, was wir getan haben? Was werden unsere Familien sagen?!

— Das hast du getan! — ihre Stimme brach, sie schluchzte und kauerte sich zusammen. — Wie soll ich Kamila jetzt in die Augen sehen? Wie soll ich erklären, dass ihr Verlobter mir meine Ehre genommen hat?!

Diese Worte trafen mich endgültig. Ich erstarrte, spürte, wie das Blut in meinen Schläfen pochte und mir die Fähigkeit nahm, klar zu denken. Vor meinem inneren Auge blieb nur ein Gedanke: Ich hatte nicht nur ihr Leben zerstört, sondern auch meines, das von Kamila und das unserer Familien. Mit einer einzigen Nacht hatte ich alles vernichtet, was ich so sorgfältig aufgebaut hatte.

Aischat weinte unaufhörlich, und ich stand völlig verloren da und begriff nur eines: Es gab kein Zurück mehr, und die Folgen dieser Nacht würden wir beide tragen müssen.