Ist das Kunst oder kann das weg?
Jannes
Ich stehe vor der Tür von Tabea und habe schon geklingelt.
Die Tür öffnet sich und Tabea steht vor mir. Ihre Haare hat sie zu einem lockeren Knoten zusammen gesteckt. In den Ohrläppchen stecken ein paar hübsche Ohrstecker aus Blumen. Sie trägt ein rotes Sommerkleid, dessen Rock bis über die Knie reicht und ihre Figur locker umschmeichelt. In der Hand hat sie eine dünne Jacke und eine Handtasche. Ihre Füße stecken in ein paar hübschen Sandalen, die freien Blick auf ihre rotlackierten Fußnägel lassen.
Kurz um....die Frau sieht heiß aus!
"Wollen wir?"
Sie lächelt, zieht die Tür hinter zu und schließt ab.
"Gerne." sagt sie, während sie ihren Schlüssel in der Handtasche verstaut.
Wir gehen den kurzen Weg über die Straße und sind auch schon am Eingang der Ausstellungshalle.
"17€ macht das dann bitte." grinst uns der Mann an der Kasse entgegen.
Sie greift in ihre Handtasche und holt ihr Portemonnaie raus.
"Das lassen Sie mal schön stecken, meine Liebe. Ich habe doch gesagt, dass ich Sie einlade."
Sie sieht mich argwöhnisch an.
"Nein, Sie haben gefragt, ob wir zusammen hingehen wollen. Von Einladung war nicht die Rede."
"Na schön, dann lade ich Sie jetzt ein. Stecken Sie das Weg. Ich bezahle das." Ich sehe sie ernst an, während ich einen 20€Schein über den Tisch reiche.
Zögerlich steckt sie das Portemonnaie wieder ein. Der Kassenmensch strahlt uns an, wünscht uns viel Vergnügen und gibt uns zwei eingerissene Tickets.
An der Tür zum Ausstellunsraum bekommen wir ein Glas Sekt von einer Frau mit einem runden Tablett in der Hand gereicht.
Wir sehen uns erst einmal um.
"Wollen wir hier rechts anfangen? Dann können wir im Kreis gehen." schlage ich vor. Sie nickt und wir sehen uns die ersten Kunstwerke an.
"Mögen Sie die Farbgestaltung des Bildes?" frage ich Sie, gespannt auf ihre ehrliche Meinung wartend. Sie sieht es sich genau an. Über dem Gemälde ist eine Lampe angebracht, damit die Farbstrukturen besser zur Geltung kommen.
"Es sieht interessant aus. Aber es würde in keinster Weise in meine Wohnung passen."
"Darum geht es ja gerade gar nicht." grinse ich. Ich lege den Kopf schief und lasse den Blick über das Bild schweifen.
"Für meinen Geschmack hat es zuviel braun. Was sagen Sie?"
Sie nickt und will schon weiter gehen. Doch ich halte sie auf, indem ich ihre Hand fest halte und sie direkt ansehe.
"Ich würde wahnsinnig gern Ihre Meinung dazu hören."
Sie lächelt mich jetzt an, ein Leuchten in den Augen. Offenbar freut es sie, dass ich ihre Meinung hören will. Und das will ich wirklich.
"Ich glaube, das Braun soll den Weg ebnen, um die anderen Farben wie rot, blau oder grün, besser wahrnehmen zu können."
Ich will gerade etwas erwidern, als wir hinter uns eine Stimme hören.
"Wie ich sehe, hat diese Lady mein Bild verstanden."
Wir drehen uns um und vor uns steht ein Mann mittleren Alters. Sein langes graues Haar hat er zu einem Zopf am Hinterkopf zusammen gebunden.
"Darf ich mich vorstellen? Markus Huhn."
Ich ergreife seine ausgestreckten Hand und schüttel sie erfreut. Er wendet sich Tabea zu.
"Und wer ist diese bezaubernde Schönheit?" fragt er lächelnd und ergreift Tabea's Hand, um sie mit seinen Händen zu umschließen. Seine Augen leuchten und drücken zu deutlich aus, was er wohl denkt.... Ich..will..dich..in..meinem..Bett...
Tabea wirft mir hilfesuchend einen Blick zu. Ich greife ihren Oberarm und ziehe sie ein Stück zu mir. Offenbar versteht er den Wink mit dem Zaunpfahl, denn er gibt ihre Hand frei. Wenn auch mit einem enttäuscht klingenden Seufzen.
"Ich bin Dr. Jannes Bergmann und das hier ist meine Mitarbeiterin Tabea Richter. Nett, Sie kennen zu lernen."
"Freut mich ebenfalls, Tabea." Er zwinkert ihr unverholen zu und das gefällt mir überhaupt nicht.
Tabea verhält sich zu meinem Glück äußerst zurückhaltend. Sie bewundert auf ihre charmante Art die Kunstwerke und auch, wenn der Künstler immer wieder weg gerufen wird, dauert es doch nie lange und er steht immer wieder bei uns. Tabea sagt nichts, aber sie fühlt sich nicht sehr wohl mit seiner offenen schmachtenden Art.
Wir sind fast durch, als ich plötzlich eine vertraute Stimme höre. Eine Stimme, von der ich gehofft habe, sie nie wieder zu hören.
"Jannes, wie schön, dich wieder zu sehen."
"Annika, wie geht es dir?" Annika wirft einen Blick auf Tabea. Sie rümpft die Nase und sieht wieder mich an.
"Wie ich sehe, hast du schnell Ersatz für mich gefunden. Allerdings habe ich dir deutlich mehr Geschmack zugetraut. Was ist passiert, dass du dich plötzlich mit sowas" sie zeigt flüchtig zu Tabea, " abgibst?"
Das war deutlich. Und auch wenn ich sicher bin, dass aus ihr die pure Eifersucht schreit, hat sie dennoch nicht dass Recht, Tabea so zu beleidigen.
Tabea seufzt kurz.
"Entschuldigen Sie mich bitte?" fragt sie und geht, ohne eine Antwort abzuwarten, aus der Halle.
Ich sehe Annika finster an.
"Was sollte das?"
"Was meinst du? Ich habe es ehrlich gesagt. Du hast immer viele Bewunderer gehabt, weil du dich mit schönen Frauen umgeben hast. Seit wann legst du Wert auf so ein fettes Ding?"
"Sag mal, tickst du noch ganz sauber? Erstens ist es doch mir überlassen, mit wem ich mich befasse und außerdem geht dich mein Leben rein gar nichts an. Und eins noch...sprich mich nie wieder an. Habe ich mich klar ausgedrückt?" Damit lasse ich sie stehen und suche Tabea.
Schließlich bin ich heute mit ihr hier.
Ich sehe sie am Eingang der Halle mit Markus Huhn, der ihr deutlich auf die Pelle rückt, was ihr sehr unangenehm ist.
