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Alles wird anders

Gut, er hat ja recht. Wir waren so eingefahren in unser System, dass wir gar nicht weiter darüber nachgedacht haben.

Er erklärt mir, was er von mir erwartet und als die ersten Patienten da sind, habe ich nicht lange Zeit, mir um irgend etwas Gedanken zu machen.

Am Ende des Tages habe ich ich mich, glaube ich ganz gut angestellt. Ich verstehe jetzt, was er meint.

Mira und ich haben heute Reinigungsdienst und bleiben daher länger.

"Ich muss mich bei dir entschuldigen!" ruft sie aus dem Labor, während ich das EKG desinfiziere.

"Was meinst du?"

Sie kommt mit dem Putztuch in der Hand zu mir und setzt sich auf den Hocker.

"Es tut mir leid. Als er heute alles über den Haufen geworfen hat, dachte ich, du hättest dich beschwert."

"Nicht ein Wort habe ich gesagt. Das musst du mir glauben."

Ich sehe sie kurz an und sie wischt sich mit dem Unterarm den Schweiß von der Stirn.

"Aber er hat recht." sagt sie und steht wieder auf, um ins Labor zurück zu gehen.

Plötzlich steht sie wieder hinter mir.

"Aber heiß sieht er trotzdem aus."

Ich grinse und als die Arbeit erledigt ist, schließen wir ab.

"Ich kann dich mitnehmen." meint Mira.

"Quatsch, es ist schönes Wetter. Ich setze mich noch ans Wasser."

"Na, gut. Dann sehen wir uns morgen."

Sie geht zu ihrem Mini, setzt sich hinter das Steuer und startet den Motor und fährt hupend los. Ich winke ihr lachend nach und gehe zum Strand. Der Vorteil, wenn man in einem Touristenort lebt, liegt auf der Hand. Ich wohne dort, wo andere Urlaub machen und das Meer liegt fast vor der Haustür.

Um diese Zeit ist nicht mehr viel los. Ich suche mir eine schöne Stelle, ziehe meine Schuhe und Socken aus und grabe sie in den warmen Sand. Dann hole ich mein Handy raus. Ich habe mir den Kindle runtergeladen und beim Stöbern interessante Bücher entdeckt. So beginne ich zu lesen, genieße die Abendsonne, dass Rauschen der Wellen und das Geschrei der Möwen.

"Mit oder ohne Sahne?" höre ich plötzlich ich eine bekannte Stimme hinter mir.

Ich drehe mich irritiert um und hinter mir steht mein grinsender Chef mit zwei Eisbecher in den Händen.

Er zeigt neben mich.

"Darf ich?"

"Ja, natürlich. Bitte."

Ich drücke mein Handy aus und stecke es in die Tasche.

Er nimmt neben mir Platz und hält mir die Eisbecher hin.

"Also noch mal. Mit oder ohne Sahne? "

Ich muss grinsen.

"Gerne ohne Sahne." Er hält mir den Becher hin.

"Ich hoffe, Sie mögen die Sorten, die ich gekauft habe."

"Ich bin nicht anspruchsvoll, was Eis betrifft. Dankeschön."

Er lächelt.

"Sehr gerne. Und danke, dass Sie auf die Sahne verzichten. Ich liebe Sahne."

"Ich auch. Aber Sie können es sich leisten, so schlank, wie Sie sind." grinse ich.

"Ach was. Das stimmt doch nicht. Sie dürfen sich doch auch mal was gönnen." Er teilt mit dem Löffel den Sahneberg und balanciert ihn zu mir auf die Kugeln.

"Das hätten Sie nicht machen müssen...."

"Psch.." unterbricht er mich lachend.

"Genießen Sie Ihr Eis"

Wir essen schweigend unser Eis und starren in die Ferne.

"Also, womit vertreiben Sie sich die Zeit?" fragt er dann.

"Alles mögliche. Ich lese gern, gehe gern spazieren, ich backe gern. Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, wenn ich Sie das Selbe frage?"

"Oh, keineswegs. Nun, mein Geheimnis kennen Sie ja nun."

"Sahne." kicher ich.

"Aber ich bin gern mit dem Fahrrad unterwegs, erkunden die Gegend. Wir könnten uns ja zusammen tun. Haben Sie Interesse an Kunst und Kultur?"

"Ja. Das habe ich."

"Am Wochenende findet hier eine Kunstaustellung statt. Wir könnten zusammen hingehen. Was sagen Sie?"

"Gerne. Aber Sie sollten vielleicht lieber Ihre Freundin oder Ehefrau mitnehmen. Finden Sie nicht?"

Jetzt legt er den Kopf schief und grinst mich beinahe spitzbübisch an.

"Da ich weder das eine noch das andere habe, bin ich frei, einzuladen, wen ich möchte. Also?"

Warum soll ich nein sagen. Er scheint nett zu sein und zusammen ein bisschen Kultu genießen kann nicht schaden.

Das Eis ist schon längst aufgegessen und wir sitzen immer noch und quatschen über Gott und die Welt.

Ich fange an zu frösteln.

"Ich sollte langsam nach Hause. Es wird jetzt frisch." sage ich und stehe auf.

Er folgt meinem Beispiel und nachdem wir den Sand abgeklopft haben, legt er mir sein Jackett um die Schultern. So kommt es, dass er sein Rad schiebt, während er mich nach Hause begleitet.

Vor der Tür bleibe ich stehen und gebe ihm seine Jacke zurück.

"Danke für den netten Abend."

Er zieht seine Jacke an und schwingt sich auf sein Fahrrad.

"Nichts zu danken. Ich hoffe auf Wiederholung.....Bis morgen. "

Er tritt in die Pedale. Ich sehe ihm nach.

Was soll das heißen...er hofft auf Wiederholung?

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