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Kapitel 3

Ich ging ins Schlafzimmer und fing an zu packen.

Schluss mit der braven Ehefrau, die immer funktioniert hat, die Martin haben wollte.

Die Frau im Spiegel kam mir fremd vor. Aber sie wachte auf.

Knallroter Lippenstift. Eyeliner, der schnitt wie ein Skalpell. Ein schwarzes Kleid, darüber eine Lederjacke - scharf, ungewohnt, ich selbst.

Zum ersten Mal seit fünf Jahren zog ich mich an wie Karen. Die Journalistin, nicht der Schatten.

Ich tippte eine Nummer ein.

„Ich brauch was zu trinken.“

Die Bar war dunkel, die Musik laut.

Als ich reinkam, wartete schon einer auf mich.

Jette. Mein alter Partner.

Mein engster Kollege von der Washington Post. Der Einzige, mit dem ich im Team perfekt funktioniert hab. Immer noch dieses lässige Hemd, Ärmel hochgekrempelt, dieser scharfe Blick - der aber weicher wurde, als er mich sah.

Er pfiff leise durch die Zähne. „Na endlich. Die Karen, die ich kenne. Nicht dieser Schatten aus der Ehe.“

Ich nahm einen Schluck, nein - ich kippte das Glas in einem Zug runter. Die Kehle brannte.

„Lächerlich, oder? Ich decke Polit-Skandale auf, aber an meiner eigenen Ehe scheitere ich.“

Jette beugte sich vor, tippte mit dem Finger auf mein Glas, sah mich an: „Du bist nicht gescheitert. Du warst nur gefangen. Wann immer du zurück willst - dein Platz an der Pressetribüne ist frei.“

Ich musste lächeln. Bitter. „Werd ich. Nie wieder geb ich mich für Martin auf.“

Dann wurde sein Blick ernst. Seine Stimme leiser. „Karen - hast du dir mal überlegt, dass das Kind vielleicht nicht das ist, wofür du es hältst?“

Meine Hand zuckte. Das Glas fiel runter, zerschellte. Es klang wie ein Donner in meinen Ohren, und mein Herz setzte einen Schlag aus.

„Unmöglich.“ flüsterte ich. Aber meine Stimme zitterte. Selbst ich glaubte mir nicht.

Seit June da war, war Martins Verhalten immer seltsamer geworden. Nachts bei ihr, tagsüber um sie rum - was, wenn das Kind wirklich von ihm war?

Mir wurde ganz flau. Der Alkohol schlug zu.

Ich trank Glas um Glas. Bis sich alles drehte.

Das Letzte, woran ich mich erinnere: Martin stürmt rein.

Er zerrte mich von der Bank. Seine Augen kalt vor Wut.

„Bist du verrückt? So besoffen? Weißt du, wie gefährlich das hier ist? Und dann mit einem anderen Mann? Hast du 'ne Macke?“

Ich wehrte mich. Wollte nicht, dass er mich anfasst. Aber ich hatte keine Kraft mehr. Konnte mich nur wegschleifen lassen.

...

Am nächsten Morgen hatte ich einen Brummschädel.

Ich taumelte runter. Und blieb im Wohnzimmer stehen.

June saß mitten auf dem Sofa. Völlig entspannt. Als wär das ihr Wohnzimmer.

Sie drehte sich um, ein feines Lächeln: „Ah, du bist ja endlich wach. Martin hat sich solche Sorgen gemacht. Hat dich die ganze Nacht gehalten.“

Sie strich sich über den Bauch. Ihre Stimme war sanft, aber jedes Wort eine Nadel. „Karen, du musst wirklich lernen, dich auf ihn zu verlassen.“

Ich starrte sie an und lachte kalt. „Von wem lässt du dir eigentlich sagen, wie ich mich zu verhalten habe?“

Ihr Gesicht zuckte, aber sie spielte weiter die Zerbrechliche: „Ich will nur nicht, dass eure Ehe kaputtgeht ...“

Ich trat näher. Meine Stimme war leise, aber bösartig. „So wie du dich auf den Mann einer anderen verlässt? Hör auf mit dem Theater. Wenn du unsere Ehe wirklich retten wolltest, würdest du sofort verschwinden.“

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