Kapitel 4
Ihr Lächeln erstarb.
Ohne ihre Antwort abzuwarten, ging ich nach oben, holte meinen Koffer und knallte ihn aufs Bett. Der Reißverschluss machte ein Geräusch wie ein Schlussstrich.
Ich stopfte Sachen rein. Die halbe Kleiderseite im Schrank war jetzt leer.
All die Klamotten, die ich mir für ihn angewöhnt hatte - ich ließ sie hängen.
Ich nahm nur, was mir gehörte.
Dann machte ich das Schmuckkästchen auf. Und mir stockte der Atem.
Die Kette von meiner Mutter. Weg.
Ein alter Anhänger wie eine Taschenuhr, mit dunkelroten Granaten besetzt. Hinten eingraviert: die Initialen meiner Mutter, das Wappen der James'.
Sie hatte sie mir auf dem Sterbebett gegeben. „Die steht für unsere Familie, für die Ehre der James'. Die musst du hüten, dein Leben lang.“
Und jetzt? Weg.
Ich kramte wie verrückt. Nichts.
Ich raste runter.
June saß immer noch auf dem Sofa.
Martins Arm lag lässig hinter ihr, sie redeten miteinander. Vertraut.
Sonne fiel auf ihr Schlüsselbein.
Da hing sie. Meine Kette.
Mir blieb die Luft weg.
„Zieh sie aus.“ Meine Stimme zitterte vor Kälte.
June zuckte zusammen. Dann sagte sie sanft: „Die hat mir Martin geschenkt. Er meinte, die soll mir Glück bringen.“
Ich kam näher, presste die Zähne aufeinander: „Das ist ein Erbstück meiner Mutter. Mit dem Wappen meiner Familie. Das ist kein Schmuckstück, das ist ein Symbol!“
Ihre Augen flackerten, dann senkte sie den Kopf und hielt sich die Kette zu, die Stimme ganz brüchig: „Aber ... Martin sagte, er will mich glücklich machen.“
Mir wurde heiß und kalt. Das war das Einzige, was mir von Mama geblieben war - und jetzt trug es die.
Martin sprang auf und stellte sich vor sie. „Karen! Jetzt reicht's! Es ist nur 'ne Kette! Ich kauf dir zehn neue!“
Ich starrte ihn an. Meine Brust hob und senkte sich.
„Du kapierst das nicht! Die kann man nicht kaufen!“
Ich wollte sie ihr wegnehmen.
Martin war baff, so kannte er mich nicht. Er versuchte mich zu bremsen und rief June zu: „June, gib ihr die Kette!“
June sah ihn mit feuchten Augen an. Dann nahm sie die Kette ab.
Sie ließ sie fallen. Die Kette knallte auf den Marmorboden. Der Glas-Anhänger zersprang, Splitter flogen überall hin.
Alles erstarrte.
Ich sah zu, wie das, was meine Mutter am Herzen getragen hatte, in tausend Stücke zerbrach. Ich konnte nicht mehr atmen. Das tat so weh - als hätte sie mir ins Herz gestochen.
Ich sah hoch. June lächelte. Und in ihren Augen war dieser eine Moment - dieses kurze Aufblitzen von Triumph.
Fast hätte ich sie geohrfeigt.
Sie hatte es nicht erwartet. Hielt sich die Wange, schrie auf.
Im nächsten Moment knallte Martins Hand gegen mein Gesicht.
Es brannte.
Er brüllte: „Schlägst du June wegen einer doofen Kette? Was ist los mit dir? Die ist dir wichtiger als sie und mein Kind?“
Ich erstarrte.
Er hatte es gesagt.
Das Kind ... war von ihm.
Schmerz und Wut - alles in einem. Ich bückte mich, hob mit zitternden Fingern die Splitter auf.
Mamas Kette. Die Ehre der James'. Von ihnen zerstört.
Ich sah ihn an. Mein Blick schnitt wie ein Skalpell.
„Sehr schön, Martin. Ab jetzt ist alles aus.“
