Kapitel 4 – Die Verbotene Anziehung
Myriam
Ich bin nur ein einfaches Mensch. Ich habe um all das nicht gebeten.
Warum… warum will ein Teil von mir sie nicht zurückweisen?
Eine Beunruhigende Präsenz
— Du glaubst, du kannst uns entkommen?
Die Stimme von Kael lässt mich zusammenzucken. Ich drehe mich um und finde ihn, wie er an einer Wand lehnt, sein schiefes Lächeln immer noch auf den Lippen.
— Lass mich in Ruhe, Kael.
Er kommt langsam näher, ohne Eile, wie ein Raubtier, das sich seiner Beute sicher ist.
— Ich könnte. Aber das wäre nicht lustig.
Instinktiv weiche ich zurück, aber er ist schon da, so nah, dass ich die übernatürliche Wärme spüren kann, die von ihm ausgeht.
— Warum bist du so? flüstere ich.
— Wie was?
— Arrogant. Gefährlich. Verführerisch…
Die Worte entgleiten mir, bevor ich sie zurückhalten kann, und Kael lächelt triumphierend.
— Findest du mich verführerisch?
Ich erröte heftig.
— Das habe ich nicht gesagt!
— Doch, genau das hast du gesagt.
Sein brennender Blick wandert langsam über mich, verweilt auf meinen Lippen.
— Und weißt du was, Myriam?
Er streckt die Hand aus, sein Daumen streift über meine Wange. Ein Schauer läuft mir über den Rücken.
— Du findest mich gefährlich… aber genau das zieht dich an.
Ich bin gelähmt.
Alles an ihm ist eine Versuchung. Sein Duft, sein Blick, die Art, wie seine tiefe, raue Stimme meine Sinne streichelt.
Ich hasse es, es zuzugeben, aber er hat recht.
Ich empfinde etwas Seltsames, Verbotenes.
Und das macht mir Angst.
Mit einer abrupten Bewegung schiebe ich seine Hand weg und weiche zurück.
— Du hast keine Macht über mich.
Kael lacht leise, aber in seinen Augen ist ein dunklerer Glanz.
— Oh, meine Schöne, du hast noch nichts gesehen.
Bevor ich antworten kann, taucht eine andere Präsenz auf.
Azar steht dort, sein Gesicht ernst.
— Genug, Kael.
Kael seufzt und weicht leicht zurück, hebt die Hände im Zeichen der Kapitulation.
— Entspann dich, Bruder. Ich rede nur.
Azar kommt zu mir und legt eine beruhigende Hand auf meinen Arm.
— Komm. Ich möchte nicht, dass er dich beeinflusst.
Kael lacht laut.
— Zu spät dafür.
Ich beiße die Zähne zusammen, während sich eine dumpfe Wut in mir aufbaut.
Ich bin im Zentrum eines Spiels, das mir völlig entgleitet.
Und ich weigere mich, der Spielball zu sein.
Ein Gefährlicher Pakt
Zurück im Laden verschränke ich die Arme und starre die beiden an.
— Gut. Ich will Antworten.
Azar neigt leicht den Kopf.
— Wir hören dir zu.
Ich atme tief ein.
— Was bedeutet diese Verbindung genau?
Azar wirft Kael einen angespannten Blick zu, bevor er antwortet.
— Das bedeutet, dass wir auf einer tiefen Ebene mit dir verbunden sind. Wir fühlen deine Emotionen, deine Wünsche…
Kael lächelt, und Azar wirft ihm einen warnenden Blick zu, bevor er fortfährt.
— Und im Gegenzug fühlst du einen Teil unserer Essenz.
Ich runzle die Stirn.
— Ihr wollt damit sagen, dass…
Kael tritt näher, sein brennender Blick.
— Dass du unwiderruflich zu uns hingezogen wirst.
Mein Herz bleibt einen Schlag stehen.
Azar seufzt.
— Es ist keine gewöhnliche Anziehung, Myriam. Es ist eine magische, mächtige… und gefährliche Verbindung.
Ich schließe kurz die Augen, versuche, diese Wahrheit zu begreifen.
— Und was, wenn ich das nicht will?
Kael neigt den Kopf, amüsiert.
— Zu spät, Prinzessin.
Ich öffne die Augen wieder, wütend.
— Ihr sagt mir, dass ich zwischen euch beiden gefangen sein werde, dass ich Gefühle empfinden werde, die ich nicht will, und ich habe keinen Ausweg?
Azar sieht bedauernd aus, aber Kael scheint die Situation zu genießen.
— Genau.
Ich balle die Fäuste.
— Dann werde ich einen Weg finden, diese Verbindung zu brechen.
Kael lacht laut.
— Versuch es. Aber glaub mir…
Er beugt sich vor, sein warmer Atem streicht über meine Haut.
— Je mehr du kämpfst, desto schmerzhafter wird es werden.
Ich zittere leicht, aber ich gebe nicht nach.
— Ich gehöre nicht euch.
Kael lächelt langsam.
— Noch nicht.
Azar tritt dazwischen und legt eine Hand auf meinen Rücken.
— Komm, Myriam. Du bist müde.
Ich schließe die Augen, erschöpft von diesem surrealen Tag.
Ich weiß, dass ich fliehen sollte.
Ich sollte alles tun, um mich von ihnen fernzuhalten.
Aber während Azar mich sanft in einen Raum hinten im Laden führt, spüre ich diese seltsame Wärme in mir.
Eine Wärme, die mir zuflüstert, dass sich mein Leben für immer verändert hat.
Und dass, egal welche Entscheidungen ich treffe…
Ich gehöre zu ihnen.
Die Nacht ist schwer, drückend. Trotz der Müdigkeit, die meine Augenlider beschwert, finde ich keinen Schlaf. Mein Körper brennt, gequält von einem seltsamen Fieber. Ich wälze mich in dem kleinen Bett, das Azar mir hinten im Laden vorbereitet hat, aber nichts hilft.
Die Verbindung.
Ich fühle sie mehr denn je.
Es ist wie ein Feuer unter meiner Haut, eine unsichtbare Präsenz, die mich heimsucht. Es ist nicht nur Azar. Auch nicht nur Kael. Es sind beide zusammen, ihre Essenzen vermischt, die mich in einer unsichtbaren Umarmung umhüllen.
Mein Atem beschleunigt sich gegen meinen Willen.
— Hört auf…
Meine Stimme ist ein Flüstern in der Dunkelheit.
Aber niemand hört mich.
Niemand außer ihnen.
Ein Schatten materialisiert sich in der Dunkelheit.
Zuerst verschwommen, unklar, dann klarer.
Azar.
Er steht da, am Eingang des Raumes, oberkörperfrei, sein Körper von dem silbernen Licht des Mondes skulptiert.
— Du schläfst nicht.
Das ist keine Frage. Er weiß es bereits.
Ich richte mich auf, mein Herz schlägt schnell.
— Es… es liegt an dieser Verbindung.
