Kapitel 5 – Das Verbot, das Verbrennt
Myriam
Er geht langsam voran, sein Blick voller Zärtlichkeit und einer Unruhe, die ich nicht ignorieren kann.
— Ich fühle das Gleiche, Myriam.
Er setzt sich auf die Bettkante, und die bloße Nähe seines Körpers reicht aus, um das Brennen unter meiner Haut zu intensivieren.
— Du bist so schön, wenn du gequält bist.
Ich zucke zusammen.
— Azar…
Seine Hand streckt sich nach meinem Gesicht aus, berührt meine Wange mit seinen Fingerspitzen. Eine sanfte Berührung, fast unwirklich, aber die durchfährt mich wie ein Blitz.
— Diese Verbindung… sie zieht uns zueinander.
Ich schließe für einen Moment die Augen und suche nach einer Antwort im Chaos meiner Emotionen.
— Ich weiß nicht, ob ich dagegen ankämpfen kann.
— Dann kämpfe nicht dagegen.
Seine Lippen sind nah. Zu nah.
Er muss sich nur ein wenig vorbeugen… und ich bin verloren.
Doch bevor ich nachgeben kann, dringt eine andere Präsenz in den Raum ein.
Kael.
Er lehnt an der Tür, ein spöttliches Lächeln auf den Lippen, aber sein Blick ist schwarz vor Eifersucht.
— Das ist süß, das Ganze.
Azar richtet sich sofort auf, der Blick hart.
— Verzieh dich, Kael.
Kael lacht leise.
— Warum? Weil du willst, dass sie nur dir gehört?
Sein Blick verweilt auf mir, und ich spüre, wie meine Wangen unter dieser brennenden Aufmerksamkeit erröten.
— So funktioniert das nicht, mein Bruder.
Er kommt langsam näher, und ich spüre seine dunkle Aura, die den Raum erfüllt. Er berührt nicht, zwingt nicht, aber er ist da, überall um mich herum, wie ein Sturm, der bereit ist, mich zu verschlingen.
— Sag mir, Myriam…
Seine Stimme ist ein tiefes Flüstern, beladen mit etwas Unbeschreiblichem.
— Wenn du die Augen schließt… siehst du ihn, oder siehst du mich?
Ich halte den Atem an.
— Hör auf…
Kael lächelt, zufrieden mit meiner Unruhe.
— Nein.
Er streckt die Hand aus, und sein Finger zieht eine unsichtbare Linie auf meinem nackten Arm und löst einen unaufhaltsamen Schauer aus.
— Du spürst das, nicht wahr?
Ich will leugnen. Ich will fliehen. Aber ich kann nicht.
Azar, der immer noch neben mir sitzt, ballt die Fäuste.
— Du überschreitest die Grenzen.
Kael weicht nicht zurück. Im Gegenteil, er hockt sich vor mich, seine Augen brennen mit einem räuberischen Glanz.
— Du bist es, der Grenzen setzen will, Azar. Aber Myriam…
Sein Blick verankert sich in meinem.
— Sie gehört uns beiden.
Eine angespannte Stille breitet sich im Raum aus.
Mein Herz schlägt wie verrückt, verloren zwischen diesen beiden Männern, die mich verzehren.
Azar steht schließlich auf, die Schultern angespannt.
— Lass sie atmen, Kael.
Kael zuckt mit den Schultern.
— Als ob du sie nicht auf deine Weise ersticken würdest.
Er dreht sich zu mir und sein Lächeln wird etwas sanfter.
— Gute Nacht, Prinzessin.
Dann verschwindet er und lässt mich allein mit Azar… und einem Verlangen, das ich noch nicht verstehe.
Ein Morgen der Illusionen
Als ich aus dem Schlaf auftauche, filtert das Tageslicht durch das Fenster. Mein Körper ist immer noch brennend heiß, aber mein Geist ist klarer.
Ich brauche frische Luft.
Ich stehe auf und verlasse den Laden. Die frische Morgenluft streichelt meine Haut und zum ersten Mal seit langem fühle ich mich ein wenig leichter.
Doch diese Illusion ist von kurzer Dauer.
— Flüchtest du schon?
Ich erstarre.
Kael ist da, an eine Wand gelehnt, ein spöttisches Lächeln auf den Lippen.
— Ich werde nur frische Luft schnappen.
— Natürlich.
Er kommt näher und ohne Vorwarnung streckt er die Hand aus, um eine Strähne meines Haares zurückzustreichen.
— Pass auf, Myriam.
Sein Ton wird ernster, fast ernsthaft.
— Nur weil du uns ignorieren willst, werden wir nicht verschwinden.
Mein Atem stockt.
Er hat recht.
Sie sind da.
Und sie werden mich nicht entkommen lassen.
Der Morgen zieht sich langsam in die Länge, aber mein Geist ist immer noch verwirrt von den Ereignissen der Nacht. Kael. Azar. Diese Verbindung, die mich quält, umschlingt und in einer Falle hält, aus der ich keinen Ausweg finde. Ich wasche mir frisches Wasser ins Gesicht, versuche die anhaltende Hitze zu lindern, die meine Haut verbrennt.
Es hilft nichts.
Innerlich spüre ich sie immer noch. Azar, mit seiner bezaubernden Zärtlichkeit. Kael, mit seiner brutalen Intensität. Zwei gegensätzliche Kräfte und doch… so ähnlich in der Art, wie sie mich besitzen.
Ich lehne mich auf das Fensterbrett, atme tief die Morgenluft ein. Ich muss ihnen entkommen, wenn auch nur für einen Moment.
Ein Moment der Ruhe.
Aber als ich den Kopf drehe, sehe ich ihn.
Kael.
An eine Wand gelehnt, ein paar Meter entfernt, fixiert er mich mit diesem schiefen Lächeln, das mich ebenso verwirrt wie irritiert.
— Du bist früh auf, murmelt er.
Ich balle die Fäuste.
— Ich brauchte frische Luft.
Er kommt langsam näher, wie ein Raubtier, das seine Beute mustert.
— Es ist nicht die Luft, die du zu vermeiden versuchst.
Sein Blick taucht in meinen, und ich weiß, dass er in mir liest.
Er weiß es.
— Du belügst dich selbst, Myriam.
— Du weißt nichts über mich, Kael.
Ein Grinsen bildet sich auf seinen Lippen.
— Oh doch, ich weiß.
Er bleibt direkt vor mir stehen, so nah, dass ich die Wärme spüren kann, die von ihm ausgeht.
— Ich weiß, dass wenn Azar dich berührt, es meine Stimme ist, die du in deinem Kopf hörst. Ich weiß, dass wenn du versuchst zu schlafen, es mich ist, nach dem du im Schatten suchst.
