Kapitel 3 – Der Erste Wunsch
Myriam
Azar zögert einen Moment, bevor er antwortet.
— Das bedeutet, dass solange wir in dieser Welt existieren, unser Schicksal mit deinem verbunden ist.
— Konkret?
Kael schnaubt, verschränkt die Arme.
— Konkret, meine Schöne, spürst du bereits unsere Präsenz, nicht wahr?
Er tritt langsam näher, und mein Körper spannt sich unter der Intensität seines Blicks an.
— Wenn du Angst hast, spüren wir es. Wenn dein Herz schneller schlägt…
Er streicht mit seinen Fingerspitzen über meinen Arm und eine Welle der Wärme breitet sich in mir aus.
— …wissen wir es.
Ich weiche abrupt zurück und suche einen Ankerpunkt in dieser Realität, die mir entgleitet.
— Das ist… unmöglich.
Azar legt eine Hand auf meine Schulter.
— Es ist real, Myriam.
Mein Atem ist kurz. Mein Geist wirbelt.
Kael neigt den Kopf, amüsiert über meine Reaktion.
— Du wirst sehen. Diese Verbindung ist unzerstörbar.
Ich schüttle den Kopf. Nein. Das ist nicht, was ich will. Ich kann nicht so gefangen sein.
— Es muss einen Weg geben, diese Verbindung zu brechen.
Ein Schweigen breitet sich aus. Azar wendet den Blick ab, während Kael ein schiefes Lächeln aufsetzt.
— Es gibt einen, ja.
Ich wende mich sofort zu ihm.
— Welchen?
Er tritt näher, seine brennende Präsenz gegen die meine.
— Wünsche dir etwas.
Ich runzle die Stirn.
— Was?
— Wünsche dir etwas, Myriam. Aber nicht irgendetwas. Einen Wunsch, der stark genug ist, um uns dorthin zurückzuschicken, wo wir herkommen.
Ein Licht der Hoffnung leuchtet in mir auf. Vielleicht ist das meine Lösung.
Aber Azar schüttelt den Kopf, sein Blick ist voller Besorgnis.
— Es ist nicht so einfach. Jeder Wunsch hat einen Preis.
Kael lächelt.
— Aber sie ist bereit zu zahlen, nicht wahr?
Ich balle die Fäuste.
Wenn das der einzige Weg ist… dann muss ich es vielleicht versuchen.
— Was soll ich sagen?
Kael tritt noch näher, sein Blick fest in meinen.
— Du musst deinen Wunsch nur laut aussprechen.
Mein Herz schlägt wild.
Ich schließe die Augen und atme tief ein.
— Ich will…
Meine Stimme zittert.
Ich will mein altes Leben zurück. Ich will nicht mehr an diese übernatürlichen Wesen gebunden sein. Ich will frei sein.
Doch während die Worte kurz davor stehen, meine Lippen zu verlassen, überkommt mich eine plötzliche Wärme.
Ein Schauer läuft mir über den Rücken.
Das ist keine normale Wärme.
Es ist etwas Tieferes. Etwas Intensiveres.
Ich öffne plötzlich die Augen und treffe Azars Blick.
Sein Ausdruck ist erstarrt, als würde er dasselbe empfinden.
Und dann, ohne Vorwarnung, durchbohrt ein stechender Schmerz meine Brust.
Ich sinke keuchend auf die Knie.
— Myriam! ruft Azar und eilt zu mir.
Kael bleibt still und beobachtet die Szene mit einem interessierten Lächeln.
— Nun, das ist interessant.
Mein Atem ist hastig. Eine unsichtbare Kraft drückt mich nieder.
Etwas in mir verändert sich.
— Was passiert mit mir?
Azar legt seine Hände auf meine Schultern, sein Blick ist panisch.
— Die Verbindung… sie wird stärker.
Ich schaue ihn mit weit aufgerissenen Augen an.
— Was?!
Kael hockt sich vor mich, ein schelmisches Funkeln in seinen Augen.
— Herzlichen Glückwunsch, Myriam. Indem du versucht hast, die Verbindung zu brechen… hast du sie verstärkt.
Ich möchte schreien, weinen, etwas schlagen.
Aber tief in mir vibriert ein seltsamer Teil meines Seins mit neuer Kraft.
Und ich weiß in diesem genauen Moment…
Dass ich diesen Genies niemals entkommen kann.
Mein Atem ist kurz, mein Kopf dreht sich. Die Luft um mich herum ist elektrisch, pulsiert mit einer Energie, die mir unbekannt, aber seltsam vertraut ist. Ich spüre die Präsenz von Azar und Kael, als wären sie in mir verankert, eine unsichtbare Kraft, die unsere Seelen auf eine Weise verbindet, die ich noch nicht verstehe.
— Ich… ich wollte nicht…
Meine Stimme zittert. Ich hatte versucht, diese Verbindung zu brechen, und stattdessen habe ich sie verstärkt.
Azar hilft mir, mich aufzurichten, sein Blick voller Zärtlichkeit und Sorge.
— Es ist nicht deine Schuld, Myriam. Die Verbindung existierte bereits… dein Wunsch hat sie nur verstärkt.
Kael, der immer noch vor mir hockt, lässt ein leises, höhnisches Lachen hören.
— Sie spürt es, nicht wahr?
Sein dunkler Blick heftet sich auf meinen, und ich schaudere unwillkürlich.
— Das Feuer unter deiner Haut… der Wunsch nach uns.
Ich schüttle heftig den Kopf.
— Nein! Das ist nicht wahr!
Kael lächelt, zufrieden mit meiner Reaktion.
— Mach weiter, dich selbst zu belügen, Prinzessin. Aber du weißt, dass diese Verbindung nicht nur eine Last ist… sie ist auch ein Verlangen.
Ein drückendes Schweigen stellt sich ein.
Azar wirft ihm einen finsteren Blick zu.
— Hör auf.
Kael hebt eine Augenbraue, amüsiert.
— Was? Hast du Angst, dass sie erkennt, dass sie uns beide will?
— Jetzt ist nicht der Zeitpunkt.
Ich schließe die Augen und versuche, die Intensität ihrer Präsenz zu ignorieren, aber es ist unmöglich. Ich fühle alles. Ihre Macht, ihre Anziehung, ihre Rivalität.
Und schlimmer noch… ich spüre in mir ein Brennen, das mir zuvor nicht gehört hat.
Ein Verlangen, das ich nicht verstehe.
Ich wende mich ab, das Herz hämmert in meiner Brust.
— Ich… ich brauche frische Luft.
Ich verlasse hastig den Laden, die frische Nachtluft streicht über meine glühende Haut. Ich lege eine Hand auf meine Brust und versuche, die panischen Schläge meines Herzens zu beruhigen.
Das alles… ist zu viel.
