Kapitel 2 – Die Ketten der Unendlichkeit
Myriam
Auf der anderen Seite Kael, die Inkarnation des Chaos. Seine dunklen Augen brennen mit einer unentschlüsselbaren Intensität, und sein sculptierter Körper scheint bereit, die unsichtbaren Ketten zu zerbrechen, die ihn festhalten.
Ich schlucke, während ich ihre Macht im engen Raum des Ladens spüren kann.
— Ihr… ihr seid beide Genies? murmle ich, mit einem engen Hals.
Kael lacht spöttisch und verschränkt die Arme.
— Brillante Deduktion, Prinzessin.
Azar wirft ihm einen schrägen Blick zu, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf mich richtet.
— Hör nicht auf ihn, Myriam. Seine Macht bringt nur Zerstörung und Leid.
Kael bricht in ein dunkles Lachen aus.
— Oh, weil deine reiner ist? Hör auf mit deinem Unsinn, Azar. Wir sind die gleiche Essenz, der gleiche Fluch.
Ich schaudere bei der Erkenntnis, dass sie sich bereits kennen.
— Ihr… ihr kennt euch?
Azar nickt langsam.
— Er und ich sind seit Anbeginn der Zeiten verbunden. Zwei Seiten derselben Medaille.
Kael neigt den Kopf, sein Lächeln wird breiter.
— Nur dass du das Lamm bist… und ich der Wolf.
Sein Blick verweilt auf mir, brennend vor rohem Feuer.
— Und du, Myriam… was willst du?
Eine seltsame Spannung entsteht.
Ich habe noch keinen Wunsch geäußert, und doch spüre ich, dass mein Schicksal sich bereits wendet.
Azar tritt leicht vor, seine sanfte Stimme kontrastiert mit der Intensität der Situation.
— Du musst vorsichtig sein, Myriam. Jeder Wunsch hat einen Preis.
— Und manchmal ist der Preis es wert, fügt Kael hinzu und kommt ebenfalls näher.
Sie sind zu nah.
Ihre Präsenz umhüllt mich, und mein Herz schlägt heftig.
Ich schließe einen Moment die Augen und versuche, meinen Atem zu beruhigen.
Eine Wahl steht mir bevor.
Eine Wahl, die alles verändern könnte.
Das Dunkle Angebot
Als ich die Augen wieder öffne, fixiert Kael mich mit einer beunruhigenden Intensität.
— Lass mich deinen ersten Wunsch erfüllen, murmelt er.
Ich weiche instinktiv einen Schritt zurück und spüre die rohe Kraft, die von ihm ausgeht.
— Warum sollte ich dir vertrauen?
Sein Lächeln wird breiter.
— Weil ich nie lüge.
Azar greift ein, seine Stimme wird fester.
— Er lügt nicht, aber er lässt die Wahrheit aus, wenn es ihm passt.
— Oh, spiel nicht den Unschuldigen, Azar. Wir wissen beide, dass diese Menschen immer ihren dunkelsten Begierden erliegen.
Sein durchdringender Blick durchdringt mich.
— Und du, Myriam, was sind deine?
Ich spüre, wie mir der Atem stockt.
Seine Frage deutet auf etwas Tieferes, Intimeres hin.
Azar legt eine Hand auf meine Schulter, als wolle er mich beschützen.
— Spiel nicht mit diesem Spiel, Kael.
— Warum? Weil du sie für dich behalten willst?
Ich ziehe mich sanft zurück und hebe die Hände.
— Stopp. Ich… ich verstehe nicht einmal, was hier passiert.
Ich wende mich an Azar.
— Warum bist du mit mir verbunden?
Sein Blick wird sanfter.
— Weil du mich geweckt hast. Und die erste Regel der Genies ist einfach: Wer uns befreit, besitzt unsere Macht.
— Also musst du mir gehorchen?
Er neigt den Kopf.
— Ja.
Kael lehnt sich gegen das Regal hinter sich, ein spöttisches Lächeln auf den Lippen.
— Ich auch, technisch gesehen.
— Technisch?
Sein Blick wird düster, und er richtet sich langsam auf.
— Sagen wir, meine Gehorsamkeit ist… selektiv.
Ein drückendes Schweigen breitet sich aus.
Ich stehe zwischen einem Genie, das mir Sicherheit und Licht bietet, und einem anderen, der Versuchung und Gefahr ausstrahlt.
Ein Schauer läuft mir den Rücken hinunter.
— Und was, wenn… ich keinen Wunsch äußere?
Kael hebt amüsiert eine Augenbraue.
— Du kannst es versuchen, aber glaub mir, du wirst letztendlich einen äußern.
Der Eid der Verbindung
Azar legt eine Hand auf meine Wange, und seine Wärme überrascht mich.
— Lass ihn nicht auf dich einwirken, murmelt er.
Kael lacht spöttisch.
— Willst du, dass sie ihre Natur ignoriert? Du weißt doch, dass sie, sobald sie uns geweckt hat, niemals mehr entkommen kann.
Sein Blick wird intensiver.
— Sie gehört jetzt uns.
Mein Herz setzt einen Schlag aus.
— Ich gehöre niemandem, antworte ich mit mehr Kraft, als ich dachte.
Kael zieht ein schiefes Lächeln.
— Das werden wir noch sehen.
Azar seufzt und tritt einen Schritt zurück.
— Myriam… wenn du unsere Welt verstehen willst, musst du eines akzeptieren.
Ich sehe ihn atemlos an.
— Welches?
Er tauscht einen Blick mit Kael aus und wendet sich dann wieder mir zu.
— Dass du jetzt mit uns beiden verbunden bist.
Ein seltsames Gefühl überkommt mich.
Verbunden… mit zwei Genies?
Kael beugt sich leicht vor, seine Lippen nahe an meinem Ohr.
— Und glaub mir, ich teile nicht gern.
Sein warmer Atem entzündet meine Haut.
Azar zieht ihn mit einer Geste weg, aber ein Funke der Herausforderung blitzt in ihren Augen auf.
Sie kämpfen bereits um mich.
Und ich ahne, dass das erst der Anfang ist.
Kaels Worte hallen noch in meinem Geist.
"Du wirst einen Wunsch äußern."
Ich wollte glauben, dass er Unrecht hat, dass ich diesem seltsamen Fluch, der mich mit ihnen verbindet, entkommen kann. Aber tief in mir weiß ein Teil von mir, dass er die Wahrheit spricht.
In diesem düsteren Laden, wo alles begann, stehe ich zwischen zwei gegensätzlichen Mächten: Azar, dem tröstlichen Licht, und Kael, der verführerischen Nacht. Zwei Wesen, die in meiner Welt nicht einmal existieren sollten und die doch jetzt ein unvermeidlicher Teil meiner Realität sind.
— Wenn ich an euch gebunden bin, flüstere ich, was bedeutet dieser Bund wirklich?
