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Kapitel 1 – Der Markt der Illusionen

Myriam

Die Sonne brennt am Himmel der Wüste und färbt den Horizont in goldene und purpurrote Reflexe. Die Luft vibriert vor Hitze, und dennoch wimmelt es auf dem Markt von Samarkand vor Leben. Die Händler schreien ihre Preise, die Düfte der Gewürze berauschen die Passanten, und die tanzenden Schatten der Stände bieten einen flüchtigen Schutz gegen die Hitze des Tages.

Ich schlängle mich durch die Menge und weiche nur knapp einem Teppichverkäufer aus, der versucht, mir den Weg mit einem zu aufdringlichen Lächeln zu versperren.

— Ein fliegender Teppich, schöne Dame? Nur ein paar Goldstücke, um über die Dünen zu gleiten wie eine Prinzessin!

Ich rolle mit den Augen und setze meinen Weg fort.

Dieser Markt ist ein Versprechen von Wundern und Geheimnissen, birgt aber auch Fallen für unachtsame Seelen. Mein Onkel hat mich oft gewarnt, mich nicht zu weit zu entfernen, doch heute habe ich beschlossen, über die bekannten Gänge hinaus zu erkunden.

Ein Schauer überläuft meine Haut, als ich in eine enge Gasse abbiege, gesäumt von stillen Ständen. Hier sind die Stimmen leiser, die verkauften Gegenstände weniger gewöhnlich. Talismane hängen an den Schaufenstern, und alte Symbole sind in das Holz der Türen geschnitzt.

Ich halte vor einem Laden an, der dunkler ist als die anderen. Ein verwittertes Schild weist auf "Die Vergessenen Schätze" hin.

Neugierig schiebe ich den staubigen Vorhang beiseite und trete ein.

Die Lampe des Schicksals

Der Geruch von altem Holz und Räucherwerk umhüllt mich sofort. Regale biegen sich unter Artefakten, deren Alter das Verständnis zu übersteigen scheint. Hinter dem Tresen beobachtet mich ein alter Mann mit durchdringenden Augen schweigend.

— Ich spüre in dir eine gefährliche Neugier, flüstert er mit tiefer Stimme.

Ich ziehe die Augenbrauen zusammen, doch mein Blick wird bereits von einem Gegenstand angezogen, der abseits unter einer Glasglocke steht.

Eine Lampe.

Sie ist aus mattem Gold, mit komplexen Gravuren, die unter meinen Augen zu fließen scheinen. Eine seltsame Kraft strömt von ihr aus, als ob sie mich ruft.

— Diese Lampe…

— Ist nicht zu verkaufen.

Sein Ton ist unmissverständlich, doch mein Herz schlägt schneller.

— Warum?

— Weil sie ein Schicksal birgt, dem nur wenige entkommen.

Ein Schauer läuft mir den Nacken hinunter.

— Und wenn ich bereit bin, es zu entdecken?

Der alte Mann mustert mich lange, dann, wider alle Erwartungen, zieht er ein rätselhaftes Lächeln auf.

— Dann nimm sie… aber wisse, dass du, sobald sie in deinen Händen ist, nicht mehr zurückkehren kannst.

Ich schlucke, dann strecke ich die Finger nach der Lampe aus. Sobald meine Haut das Metall berührt, durchzuckt ein elektrischer Strom meinen Körper, und die Luft um mich wird schwerer.

Ich schwanke.

Die Welt kippt.

Der Erste Geist

Ein Windstoß erscheint aus dem Nichts, wirbelt Staub auf und löscht die Laternen. Der alte Mann weicht hastig zurück, während die Lampe in meinen Händen zittert.

Ein Wirbel aus goldenem Rauch entfaltet sich aus dem Objekt, wächst, windet sich, bis er eine menschliche Gestalt annimmt.

Dann öffnen sich zwei bernsteinfarbene Augen, die in der Nacht wie Sterne leuchten.

— Wer… hat mich geweckt?

Seine Stimme hallt in meinen Knochen wider, sowohl sanft als auch gebieterisch.

Ich trete einen Schritt zurück, mein Herz schlägt bis zum Hals. Vor mir steht ein Mann von betörender Schönheit, gekleidet in eine weiße Seidenrobe, goldene Armbänder schmücken seine kräftigen Handgelenke. Sein dunkles Haar umrahmt ein gemeißeltes Gesicht mit perfekten Zügen.

— Ich… ich heiße Myriam, stammle ich.

Er neigt den Kopf, sein Blick verweilt mit einer verstörenden Intensität auf mir.

— Myriam… Du hast Azar, den Geist des Schicksals, geweckt.

Sein Lächeln ist sowohl verführerisch als auch geheimnisvoll.

— Und gemäß den alten Gesetzen bedeutet das, dass ich nun an dich gebunden bin.

Ein Schauer überläuft meinen Rücken.

— Gebunden…?

Azar tritt langsam näher, und die Luft um uns wird dichter, aufgeladen mit elektrischer Spannung.

— Ja, meine Süße. Ich bin dein Diener… und deine Last.

Sein Finger streift über meine Wange, und eine brennende Wärme breitet sich unter meiner Haut aus.

— Wünsche dir etwas… und ich werde es erfüllen.

Ich bin verzaubert, unfähig, den Blick abzuwenden.

Doch als ich bereit bin zu sprechen, wird der Laden von einem neuen Windstoß erschüttert.

Ein weiterer Rauch, dieses Mal dunkler, erhebt sich in der Luft.

Eine rohe, wilde Kraft tritt hervor.

— Hör nicht auf ihn, Myriam…

Die Stimme ist tiefer, rauer.

Mein Atem stockt.

Ein zweiter Geist ist erschienen, doch seine Energie ist ganz anders. Wo Azar eine beruhigende Wärme ausstrahlt, verströmt er eine rohe, ungezähmte Macht.

Seine Augen sind von abyssalem Schwarz, und sein Lächeln ist eine Mischung aus Spott und Bedrohung.

— Ich bin Kael… und ich bin derjenige, der deine Wünsche wirklich erfüllen wird.

Der Beginn des Trios

Ich bin zwischen ihnen erstarrt.

Zwei Geister. Zwei gegensätzliche Kräfte.

Der eine strahlend, der andere dunkel.

Ihr Blick, der auf mir ruht, lässt mich frösteln.

Und ich verstehe in diesem Moment, dass mein Leben nie wieder dasselbe sein wird.

Die Luft knistert um mich, durchzogen von einer übernatürlichen Energie, die mir völlig entgleitet. Zwei Geister, aus dem Nichts aufgetaucht, starren mich an, als wäre ich ein Schlüsselfigur in einem Spiel, dessen Regeln ich noch nicht kenne.

Auf der einen Seite Azar, mit goldenen Augen und einem betörenden Lächeln, strahlt Gelassenheit und Kontrolle aus. Er steht mit einer natürlichen Anmut da, seine weiße Robe weht leicht, als wäre er in Harmonie mit der Luft selbst.

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