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Kapitel 2

Der vertraute Geruch traf mich in dem Moment, als Hugo durch unsere Tür trat - der Moschusgeruch einer anderen Wölfin hing an seiner Kleidung wie das Brandmal des Verrats. Meine geschärften Werwolfsinne machten es unmöglich, ihn zu ignorieren. Jeder Atemzug war eine Erinnerung an seinen Betrug.

Er eilte auf mich zu, sein Gesicht eine Maske aus Schuld und gespielter Sorge. „Florentina, es tut mir so leid, dass ich die Vollmondzeremonie verpasst habe. Es gab dringende Rudelangelegenheiten an der Grenze.“

Ich zwang mich zu einem neutralen Gesichtsausdruck, obwohl mein Wolfsinstinkt nach Vergeltung schrie. Das Gefährtenband zwischen uns flackerte durch seine Täuschung auf und schickte stechende Schmerzen durch meine Brust.

„Rudelangelegenheiten“, wiederholte ich mit sorgfältig beherrschter Stimme. „Natürlich.“

Hugos goldene Augen musterten mein Gesicht auf Anzeichen, dass ich etwas ahnte. Er kam näher und griff nach meinen Händen - mit denselben Fingern, die gerade noch eine andere Frau berührt hatten. „Lass mich das wieder gutmachen. Was hältst du davon, wenn wir zum Mondlichtsee fahren? Erinnerst du dich, wie wir uns dort zum ersten Mal getroffen haben?“

Der Vorschlag hätte mich erwärmen müssen, doch alles, was in mir aufstieg, war eiskalte Wut. Der Mondlichtsee - unser heiliger Ort, an dem er mich einst unter dem silbernen Schein des Vollmonds zu seiner Gefährtin erwählt hatte.

„Das klingt wunderbar“, log ich, während ich bereits das interne Rudelnetzwerk auf meinem Handy aufrief.

Was ich dort fand, ließ mein Blut in den Adern gefrieren. Jessica, eine Wölfin aus einem rivalisierenden Rudel, hatte Bilder von sich am Mondlichtsee gepostet, mit dem Untertitel: „Mein Alpha hat mir Jagdrechte auf dem heiligsten Boden gewährt. Ist er nicht großzügig zu seiner Auserwählten?“

Die Kommentare darunter drehten mir den Magen um.

„Was für ein Glück! Nur wahre Gefährten erhalten Privilegien am Mondlichtsee!“

„Wann ist denn die offizielle Luna-Zeremonie, Jessica?“

Und dann Hugos eigenes Konto, als Antwort auf jemanden, der nach seiner ‚wahren‘ Gefährtin fragte: „Jessica ist diejenige, die ich erwählt habe. Sie versteht, was ein wahrer Alpha braucht.“

Beinahe zerdrückte ich das Telefon in meiner Hand, als das Gefährtenband qualvolle Stöße durch meinen Körper jagte. Der Verrat war so vollkommen, so kalkuliert, dass meine Wolfsseite am liebsten mitten in unserem Wohnzimmer herausgebrochen wäre.

Hugo bemerkte meine zitternden Hände. „Florentina? Geht es dir gut? Du siehst blass aus.“

Ich sah zu ihm auf, zu diesem Mann, den ich mit jeder Faser meines Wesens geliebt hatte, der soeben unser heiliges Band vor dem gesamten Rudel geleugnet hatte.

„Es geht mir gut“, flüsterte ich, obwohl meine Wölfin in mir vor Zorn und Herzschmerz heulte.

Doch als ich ihn dabei beobachtete, wie er auf sein Telefon schaute und über eine weitere Nachricht von ihr lächelte, wurde mir eines mit schneidender Klarheit bewusst: Er hatte keine Ahnung, dass ich Bescheid wusste.

Und genau das gab mir die Macht, die ich brauchte.

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