2. Tag
“Was soll das ganze eigentlich?”, fragst du die Socke die jetzt wieder eine kleine sexy Elfe war.
“Nichts besonderes, wir reisen nur ein wenig durch deine Erinnerung oder besser gesagt duch deine Seele.”
“Warum? Ist das so was wie eine Prüfung, ob ich in den Himmel komme oder nicht?”
Die Elfe lacht.
“Nein, es ist ein kleiner Zeitvertreib.”
“Ein Zeitvertreib?” Langsam wirst du sauer, denn eigentlich hättest du andere Dinge zu tun als diesen Blödsinn hier.
“Nun ja, du hattest einen Unfall und liegst im Koma, da dachte ich es sein bestimmt besser und lustiger hinter einige Türen deines Unterbewusstseins zu schauen und einige Erinnerungen rauszukramen. Oder fändest du einen Traumlosen Schlaf amüsanter?”
“Amüsanter fände ich es jetzt mal aufzuwachen.”
“Das wirst du schon noch, hab nur Geduld.”
Der Nebel verhüllte die alte Waschküche wieder und Du befindest dich auf einer Landstraße.
An ihrem Straßenrand stehen Türen, die sich aus dem Nebel schälen.
Die Elfe fliegt zu einer und Klatsch vor Aufregung in die Hände.
“Los mach auf und lass uns sehen was dahinter ist.”
Die Tür ist keine richtige Tür, sondern ein Weihnachtsbaum mit einer Klinke.
Du drückst sie hinunter und schiebst die Baumtür quischend auf.
“Auweia, da hat aber einer schon lange nicht mehr reingeschaut”, ruft die Elfe und flattert aufgeregt durch den ersten kleinen Spalt der Tür.
Du drückst die Tür auf und stehst in einem Weihnachtlich geschmückten Wohnzimmer.
“Seit ich denken kann, hat meine Familie einen echten Weihnachtsbaum."
“Zimmerdecken hoch und buschig” kichert die Elfe.
“Na ja, meistens jedenfalls", fügst hinzu.
“Meine Eltern lebten fast auf dem Land und so kaufte mein Vater bei einem bekannten Bauern jedes Jahr einen Baum. Die Familie machte ich einige Tage vor Weihnachten auf in die Tannenschonung, um einen auszusuchen. Doch geschlagen wurde er immer
erst in der Nacht vor Heiligabend.”
Du betrachtest den Baum der irgendwie schief steht.
“Meine Mutter schmückte ihn dann früh morgens und wenn wir Kinder dann zum Frühstück herunter kamen, stand er da in seiner vollen Pracht.”
“So war jedenfalls jedes Jahr der Plan”, grinste die Elfe die jetzt eine Weihnachtsmannmütze auf hatte.
“Ja, mein Vater, der den Baum ja nach Einbruch der Dunkelheit holte, brachte eigentlich immer den falschen mit.”
“Zu klein, zu schief, zu dünn”,die Elfe flatterte um den Baum herum, während sie seine Mackel aufzählte.
“Ja es gab schon diverse Weihnachtsbaum-Abenteuer die heute noch in geselliger Runde in der Familie erzählt werden.”
“Na los erzähl mir welche.”
Die Elfe hatte jetzt auf einem Strohhirschen, der als Schmuck am Baum hing Platz genommen, so als wollte sie auf ihm reiten.
“Einmal war der Baum auf einer Seite ohne Äste. Was meinen Vater nicht davon abhielt ihn trotzdem aufzustellen. Die kahle Seite wurde fachmännisch repariert in dem er Löcher in den Stamm bohrte und Äste die er aus dem Garten holte dort hineinsteckte.”
Eine alte Dame betritt den Raum.
“Das ist meine Oma!” rufst du begeistert.
“Sie kann dich nicht sehen oder Hören, das hier sind nur Erinnerungen” sagt die Elfe und verlässt ihren Platz in dem Baum.
“Dann weiß ich was jetzt kommt” sagst du und fährst fort. "Ein weiteres Jahr war der Baum zwar Zimmer hoch, aber leider so schräg, dass er meiner Oma ins Kreuz fiel."
Was der Baum auch in diesem Moment, wie auf ein Stichwort, tat.
Deine Mutter kommt herbei und schimpft.
Aber Oma lacht.
"Sie hat das mit Humor genommen, meiner Mutter aber war das ziemlich peinlich.”
Dein Vater und deine Schwester eilen zu Hilfe und der Baum wird wieder aufgerichtet und am Fenster festgebunden, damit sich das Schauspiel nicht wiederholen könnte.
"Ganz Schön was los bei euch”, sagte die Elfe die jetzt einen Bauarbeiter Helm trug.
“Einige Jahre darauf war ich so ca. 20. Entschlossen wir uns in unserer Stammkneipe
aus einem Bierrausch heraus einen Weihnachtsbaum auf den Spiegel der Eingangstür zu malen. Mit Fingerfarbe, das ganze sollte ja abwaschbar sein. Ich glaube Harald dem Wirt, gefiel das Kunstwerk so gut dass er es nicht abwusch. So kam Ostern. Pfingsten, Halloween und wieder Weihnachten, ohne dass der Baum verschwand.”
“Vielleicht war er nur Zufall zu putzen”, sagtdieElf die jetzt wie ein Zimmermädchen gekleidet war und einen Staubwedel schwang, mit dem sie Kugeln am Baum abstaubte.
“Ja, vielleicht war er das, aber an dieser Stelle sei erwähnt, dass ich nach 12 Jahren diese Kneipe mal wieder aufsuchte, der Besitzer hatte schon zweimal gewechselt, was aber blieb war der Baum.”
“Elfe die jetzt wie eine Klischeehafte Putzfrau, mit Kopftuch, Gummihandschuhen und Kittelschürze gekleidete war, sah streng zu dir rüber. So als wollte sie sagen, zieh bloß die Schuhe aus ich habe gerade frisch gewischt.
“Ein anderes Mal feierten wir Weihnachten mit Freunden und vergaßen einen Baum zu kaufen. Heiligabend auf dem Weg zu Freunden, Ladenschluss und keinen Baum. So fuhren wir durch die Fußgängerzone, um einen aus der dortigen Dekoration zu "entleihen". Zu klein, zu hoch, zu schief, irgendwie war nichts passendes schönes dabei. Dann ganz am Ende der Fußgängerzone ein wunderschönes Exemplar. Er steckte in einer Autofelge welche sich nicht lösen lassen wolle.”
“Da habt ihr den Baum samt Felge geklaut?”
Die Elfe war jetzt ein Polizist.
Du zuckst mit den Schultern.
“Na ja, so führen wir mit offenen Schiebedach und einem offenen Kofferraum aus dem ein Baum mit
Felge schaute einem geretteten Weihnachtsfest entgegen.”
Du machst eine Pause und erinnerst dich an diese Zeiten.
“Heute hat meine Mutter seit einigen Jahren einen Künstlichen der genau ihren Erwartungen entspricht und irgendwie fehlen mir die Weihnachtsbaum-Abenteuer.
Trotzdem freue ich mich darauf, mit meiner Familie Weihnachten zu feiern und wir werden bestimmt wieder die alten Geschichten erzählen.”
Du wirst nachdenklich und fügst hinzu.
“Falls ich jemals wieder aufwache.”
Doch die Elfe ist schon auf dem Weg zur nächsten Tür und singt dabei: “Oh Tannenbaum oh Tannenbaum – du hast die Oma umgehauen!”
