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Die Hand die den Nebel teilt

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sapphodeville
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Zusammenfassung

Man sagt, wenn man dem Tod ins Gesicht schaut, zieht das eigene Leben noch mal an einem vorbei. Bei mir war das anders, es waren nur Gedanken, einfache Gedanken, wie z.b. warum fährt der einfach weiter, obwohl ich Vorfahrt habe? Oder warum wirst du gerade aus dem Sitz deines Motorrollers gehoben, wieso fliegt da gerade die Packung Eier, die du gerade gekauft hast an dir vorbei? Warum ist die Packung offen und eines der Eier kaputt?

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1. Tag

Man sagt, wenn man dem Tod ins Gesicht schaut, zieht das eigene Leben noch mal an einem vorbei.

Bei mir war das anders, es waren nur Gedanken, einfache Gedanken, wie z.b. warum fährt der einfach weiter, obwohl ich Vorfahrt habe. Oder warum wirst du gerade aus dem Sitz deines Motorrollers gehoben? Wieso fliegt da gerade die Packung Eier, die du eben gekauft hast an dir vorbei? Warum ist die Packung offen und eines der Eier kaputt?

Dann folgte ein lautes Krachen und die Welt wurde dunkel.

Sie wurde dunkel, aber sie war nicht gefühllos.

Ich hatte das Gefühl dass etwas aus mir heraus lief, wie Wasser aus einem Eimer.

Jemand hatte diesen Eimer umgestoßen und jetzt floss das Wasser, oder besser gesagt das Leben aus mir heraus.

Doch dann passierte das, was man in dieser Situation eigentlich vermutet.

Man schwebt im Raum und schaut auf seinen eigenen Körper herunter.

Man will schreien, aber der Mund scheint verklebt zu sein.

Man will zappeln und um sich schlagen, aber man ist wie gefesselt.

Trotzdem hatte ich das Gefühl, auf etwas warten zu müssen. So wie man am Bahnsteig auf einen Zug wartet.

Den Zug, der einen ins Jenseits bringt?

Dann aber siehst du, wie der Arzt etwas tut, was er eigentlich nicht tun sollte.

Du denkst - das hat er jetzt nicht getan? Er ist Arzt, er muss das wissen.

Du siehst Blut aus deinem Körper spritzen und Hektik breitet sich im OP aus.

Schließlich greift jemand zu den Paddles und dir werden Elektroschocks verabreicht.

Dann rauscht an dem Bahnsteig auf dem du stehst, ein Zug vorbei.

Ein gewaltiger Zug.

Schnell und ohne zu bremsen, rast er an dir vorbei und du spürst den Luftzug.

Dieser ist so gewaltig das er dich mitreißt.

Er wirbelt dich herum, wie eine Welle, die dich zurück an den Strand spült.

Doch während sich die Welt um dich herum dreht und Kopf steht, scheint sie sich auch zurück zu drehen.

Du siehst, wie der Arzt zögert und nicht diesen fatalen Fehler begeht.

Dann ist es still um dich herum.

Nebel.

Eine Hand schält sich aus der Nebelwand.

Sie winkt dir, näher zu kommen,doch du zögerst.

Der Hand folgt ein Arm und eine Gestalt ohne Gesicht in einem weißen Kapuzenmantel.

“Scheiße, bin ich tot?”, hörst du dich fragen.

Und eine Stimme in deinem Kopf antwortet dir mit nein.

“Wo bin ich dann?"

“In einer Art Zwischenwelt.”

“Scheiße, also so gut wie tot!”, fluchst du.

“Noch bist du sehr lebendig, das hier ist dein tiefstes Ich."

“Ich liege im Koma - oder?”

“Kann man so sagen “

“Und jetzt?”

“Jetzt machen wir, wenn du willst, eine kleine Reise.”

“Eine Reise? Wohin? Und wer bist du überhaupt?”

“Ich bin Du. Deine Reisebegleitung, dein eigener Geistführer wenn du so willst. Wir reisen durch dein Selbst, es wird es dir helfen, gesund zu werden. Oder willst du hier bleiben und vielleicht sterben?”

Du säufst schwer, weil du weißt das du keine andere Wahl hast.

“Verdammt, bin ich jetzt Scrooge? Denn du siehst aus wie dieser Geist der zukünftigen Weihnacht.”

“Ich bin du.Dein Selbst und du lässt mich so aussehen.”

Die Gestalt wandelt sich zu einer Katze.

“Komm schon, was soll das? Soll ich hier mit einer sprechenden Katze rumlaufen?”

Die Gestalt verwandelt sich in eine Art Tennisball mit großen Augen.

Du kommentierst dich noch einmal und die Gestalt verändert sich erneut.

Vor dir fliegt jetzt eine kleine Elfe in einem sexy Outfit.

“Schon besser”, lachst du und fügst hinzu, “dann lass uns gehen.”

Der Nebel verschwindet und du stehst in einem Keller.

Einer Waschküche.

In ihr steht eine alte Waschmaschine.

“Das kenne ich, das ist unser Waschkeller in der Route des champs. Hier bin ich aufgewachsen.”

Überall im Keller liegen jetzt Socken herum.

Du buchst dich und hebst eine auf.

“Die verlorene Socke. Das wohl geheimnisvollste Kleidungsstück, das ich kenne.”, beginnst du zu philosophieren.

“Ja dieses Kleidungsstück scheint ein wahres Eigenleben zu führen.”, sagt deine Begleiterin die jetzt wie eine Sockenpuppe aussieht.

“Jeder kennt das doch keiner hat es bis heute verhindern können oder kennt das Geheimnis, warum es so ist wie es ist.", sagt die Sockenpuppe weiter und scheint breit zu grinsen.

“Ja, die Socke, sie lebt und immer wieder scheint es sie in die Ferne zu ziehen,

denn wie sonst könnte man sich erklären, dass immer wieder einzelne Socken auftauchen.”, Horst du dich sagen und fängst an an deinen Verstand zu zweifeln, den du redest gerade mit einer Socke.

Ob nach dem Waschen, im Wäscheschrank oder gar in der Schublade, wo sie aufbewahrt werden, immer ist eine verschwunden und taucht nie wieder auf, denst du plötzlich.

“Wir hatten damals einen ganzen Einkaufskorb voll einzelner Socken und das obwohl sie ja mal Paarweise gekauft wurden”

Da sind bunte, karierte oder auch gestreifte und einfarbige, sie alle haben eines gemeinsam, sie sind alleine, geht es dir durch den Kopf. Sie wurden von ihrer Partnersocke verlassen und führen nun ein armseliges Dasein in einem Wäschekorb.

Bei solchen Gedanken bekommst du fast Mitleid.

“Immer in der Hoffnung das Ihr Gegenstück zurückkehrt und sie ihrer eigentlichen

Aufgabe als Fußbekleidung wieder nachgehen zu können, warten sie geduldig.”, fügt die Sockenpuppe hinzu.

“Ich selber habe als Kind lange darüber nachgedacht, wie man diesem Problem entgegenwirken kann. So überredet ich meine Mutter eines Tages nur noch schwarze einfarbige Socken zu kaufen, denn wenn nun eine Socke verschwindet, könnte man sie vielleicht einem anderen Paar zuführen, bei dem sich auch eine Socken aus dem Staub gemacht hat. Ja, vielleicht sind ja diese beiden Socken sogar zusammen durchgebrannt? Na jedenfalls hätte man dann noch ein intaktes Paar.”

“Soweit die Theorie. Die Praxis sieht aber anders aus”, meint die Sockenpuppe.

“Ja, auch wenn es bei Socken keine

linken oder rechten gibt und man sie augenscheinlich wohl beliebig zusammen tragen

könnte, so stellt sich schnell heraus, dass dieses keinesfalls so ist. Da sind zwar Socken, die allesamt schwarz sind, doch der Schein trügt. Einige sind dunkelblau, andere haben lange Bündchen, sind grob gewebt oder im Fischreet und anderen Musterarten gearbeitet. Das macht sie allesamt wieder einzigartig und das Miteinander kombinieren schwer”

“Nun, ja man könnte man ja hingehen und sagen: Wenn juckt es schon, schwarz ist schwarz und wenn man sie am Fuß trägt sieht es doch keiner”, argumentiert dein Sockenbegleitgeist.

“Nein, z.B. Mütter haben dafür einen angeborenen Blick. Sie sehen das auch, wenn unter der Hose nur ein kleiner Teil der Socke hervorschaut.”

Du lachst laut los.

“Nachdem ich also erkannt habe das es so nicht funktioniert und die Zahl er einzelnen

Socken so nicht rückläufig wird, habe ich mich daran gemacht, das Problem und seine Ursache zu erforschen, um dann eine passende Lösung zu finden. Die Socke wurde in einer Fabrik geboren. Zunächst ist sie eine von vielen und muss viele

Dinge über sich ergehen lassen. Sie wird gedehnt, gewaschen und gebügelt. Einige von

Ihnen werden gefärbt oder sogar gebleicht. In jedem Fall muss sie bis sie eine echte Socke ist viel Stationen bis hin zur Qualitätskontrolle überstehen.”

“Für eine 10 jährige hast du dir ganz schön viel Gedanken gemacht", meint die Sockenpuppe.

Du ignorierst sie und führst weiter aus:

“Wer jetzt denkt, na dann hat sie es aber geschafft, der irrt. Denn nun wird die Socke einer anderen zugeführt. Sie bekommt einen Partner, mit dem sie quasi zwangsvereinigt oder besser gesagt unter Zwang verheiratet wird, mit diesem Partner soll die Socke nun ein Leben lang Seite an Seite ihren treuen Dienst als Kleidungsstück verrichten.”

“Da liegt glaube ich das Problem?”, mischt sich die Sockenpuppe wieder ein.

“Ja, die Socke will ihren Partner selber suchen und da sie das nicht darf oder kann entschließt sie sich irgendwann, Ihren Partner zu verlassen und auf Wanderschaft zu gehen, um einen neuen passenden Partner zu finden."

Du schlägst dir gegen den Kopf, hast du das gerade wirklich gesagt?

Dann kneifst du ich in den Arm, weil du glaubst so aus diesem Traum zu erwachen, aber du spürst keinen Schmerz.

“Klapp nicht, hier in dieser Zwischenwelt spürst du keinen Schmerz, außerdem liegst du im Koma und schläfst nicht.”

Die Socke hatte sich jetzt in einen geringelten Strumpf verwandelt.

“Doch wie entkommt die Socke?”, nahm jetzt die Strumpfpuppe.

“Das ist die Frage aller Fragen",nimmst du ungewollt die Diskussion wieder auf,denn du denkst, dass wenn du das hier durchstehst, es schnell vorbei ist und du irgendwo in einem Bett wieder aufwachst.

“So mancher hat schnell gemerkt, dass wenn er die Socken Paare einzeln in die Waschmaschine gibt, garantiert sich die eine oder andere aus dem Staub macht und nie wieder auftaucht.

So haben einige schlaue Leute viele Dinge erfunden die das eigentlich verhindern sollen.

Da gibt es Klammern die die Socken Paar weise in der Maschine zusammenhalten sollen. Auch spezielle Socken Waschbeutel sollen ein ausbrechen unmöglich machen.

Andere kluge Hausfrauen meinen sie könnten der abwandernden Socke vorbeugen in dem sie diese miteinander so zusammen krempeln das sie zu seinem kleinen Ball werden. Auch versuchen einige Leute es so zu handhaben das sie in einer Maschine nur Socken waschen, also einen einzigen und alleinigen Waschgang nur für Socken eingeführt haben. Diese soll verhindern das sich besagte Socken nicht in anderen

Kleidungsstücken verstecken können um so zu entkommen.”

"Doch all diese Methoden funktionieren nicht”, lachte die Strumpfpuppe, die jetzt eine Strumpfhose war und so zwei Köpfe zu haben schien.

“Darüber habe ich darüber auch schon nachgedacht, ob diese Socken vielleicht gar nicht weg sind. Sondern in einem speziellen Socken Fach in der Maschine landen, wo man sie dann, wenn man es ähnlich wie das Flusensieb regelmäßig leert, wieder herausholen kann.

Doch in der Betriebsanleitung einer Waschmaschine wird ein solches Socken Fach nicht erwähnt. Auch eine Anfrage bei Namhaften Waschmaschinen Herstellern bleibt ergebnislos.”

“Du hast an einen Hersteller geschrieben?”,lachte die Strumpfhosenpuppe.

“Das hat er doch gerade gesagt”, meckerte der zweite Kopf der Strumpfhosenpuppe.

“Ebenso wie die intensive Demontage mehrere Waschmaschinen bracht keine weiteren Ergebnisse oder Erkenntnisse”, sagte der erste Kopf wieder.

“Ja, ich war 10 Jahre alt und demontierte eine alte Waschmaschine, aber die Socken bleiben verschwunden. Das alles ließ nur einen Schluss zu: Wenn es also kein Socken Fach gibt, in das Socken wie z.B. Kleingeld oder ähnliches ins

Fusel Sieb gespült werden, muss sie aus freien Stücken in einem unbeaufsichtigten Moment das Weite suchen. Die Gründe hierfür habe ich oben schon genannt. Zwangsheirat mit einer wild fremden Socke. Das scheint mir hier das Plausibelste zu sein. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, die allein zurückgelassenen Socken in einem Wäschekorb zu sammeln. Hier haben sie die Möglichkeit andere Socken mit demselben Problem kennen und lieben zu lernen. Du kannst glauben, was Du willst, aber es funktioniert, denn von Zeit zu Zeit findet sich in diesem Waschkorb voller einzelner Socken doch immer wieder ein zusammenpassendes Paar, das man mit Stolz dann auch tragen kann.

Und ich bin mir immer mehr sicher das ich so auf dem richtigen Weg bin, wenn ich ein meine

Mutter zu besuche und ihr auffällt das ich ein zusammenpassendes Paar Socken trage.”