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Kapitel 3

Oda stieß ein leises Wimmern aus, fast wie ein verletztes Jungtier. „Angelo... streit dich bitte nicht mit Evie. Nicht meinetwegen.“

„Mir geht es gut, wirklich... Evie hat doch jedes Recht, sauer auf mich zu sein...“

Ihre Stimme war kaum zu hören, so zerbrechlich, so bemitleidenswert - genau der Ton, der in Angelo diesen überwältigenden Beschützerinstinkt auslöste.

Sein Blick fiel auf mich, und jede Wärme, die dort jemals gewesen war, erlosch. Seine Augen wurden kalt.

„Du bist eifersüchtig, dass mein Wolf Oda gewählt hat.“

„Eifersüchtig, dass ich sie besser behandle.“

„Eifersüchtig, dass das ganze Rudel sie vergöttert.“

„Evie, du hast dich verändert.“

„Du hast zugelassen, dass die Eifersucht dein Herz zerfrisst - genau wie bei diesen Einzelgängern, die sich vom Weg verirrt haben.“

Damit drehte er sich um, zog Oda eng an sich und führte sie hinaus. Kein Blick zurück. Der Raum blieb schwer von seinem Zorn, dieser scharfe, aggressive Geruch.

Ich sah ihnen nach, bis sie im Flur verschwanden. Irgendwann merkte ich, dass meine Tränen getrocknet waren.

Vielleicht war das gut so.

Die letzten Tage hatte ich genug geweint. Um eine Bindung, die längst nur noch ein einziger Riss war.

Von jetzt an würde ich keine Träne mehr an ihn verschwenden.

In dieser Nacht ging es plötzlich rund im „Rudelbau-Chat“, unserer internen Gruppe für die jüngere Generation.

Angelo hatte geschrieben: „Was wäre, wenn ich plötzlich Lust hätte, die Zeichenzeremonie nachzuholen?“

Die Gruppe explodierte.

„Angelo, machst du es jetzt endlich offiziell mit Evie? Unter dem Segen des Mondgeists?“

„Dann können wir sie ja bald Luna nennen!“

Auf einmal wurde ich überall im Chat getaggt.

„Evie, Glückwunsch! Da musst du uns doch auf ein Fass Mondlicht-Met einladen!“

„Wann ist denn die große Zeremonie? Gibt’s schon ein Datum?“

Die Nachrichten überschlugen sich.

Ich wollte gerade antworten - die Sache klarstellen.

Ich war nicht ihre zukünftige Luna.

Und die Frau, die Angelo zeichnen wollte, war nicht ich.

Aber Angelo kam mir zuvor. „Ihr habt mich falsch verstanden. Ich hab nie gesagt, dass mein Wolf Evie gewählt hat.“

Dann fügte er Oda in den Gruppenchat ein.

Und markierte alle.

„Guckt genau hin. Das ist eure zukünftige Luna vom Kahleberg-Rudel.“

Die Gruppe, die eben noch gesummt hatte, erstarrte. Als hätte jemand einen Schweigebann über den Chat gelegt.

Lange Zeit tat sich nichts.

Dann schrieb Angelo: „Na? Begrüßt eure zukünftige Luna. Das ist ein Befehl eures Alpha.“

Einer nach dem anderen meldete sich. Begrüßungen, steif, unbeholfen, schwer vor Unbehagen.

Ich starrte auf den Bildschirm. Ein paar Sekunden lang. Dann tippte ich meinen letzten Satz: „Herzlichen Glückwunsch euch beiden. Möge der Mondgeist euch segnen.“

Ich drückte auf Senden.

Dann verließ ich die Gruppe.

Den letzten Faden, der mich noch mit ihnen verband - durchtrennt.

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