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Kapitel 6. Eine heilige Zeremonie

Alpha George spürte die Unruhe in der Luft. Er nahm seine Alpha-Autorität an und seine Stimme wurde fester.

„Mein geliebtes Rudel“, sagte er, „wenn ihr meinem Führungsstil vertraut, bitte ich euch, Isabella und Alpha Prinz Killian, für diesen Neuanfang euren Segen zu geben.“

Es war ein subtiler, aber eindeutiger Befehl. Augenblicke später durchbrach das Wort die Stille. Es brach Jubel aus, gefolgt von einem anschwellenden Chor aus Heulen und Knurren - ein uralter Brauch zur Akzeptanz und zum Feiern. Der Boden erbebte vor Energie, als Wölfe in menschlicher und verwandelter Gestalt ihre Zustimmung kundtaten.

Alpha George hob leicht die Hand, um zur Ruhe aufzurufen. „Ich möchte nun Alpha König James und Alpha Prinz Killian bitten, mit mir auf die Bühne zu kommen.“

Unweit der Zeltreihe stand Killian still, die Kiefer angespannt, den Blick auf die Bühne gerichtet. Sein Vater beugte sich leicht vor, seine Stimme klang tief und fest.

„Killian, tu nichts Dummes, wodurch all unsere harte Arbeit zunichte gemacht würde.“

Killian zuckte nicht mit der Wimper. „Vater, ich habe dir mein Wort gegeben. Ich werde es nicht brechen“, erwiderte er mit kalter, aber fester Stimme.

Alpha James warf ihm einen letzten, scharfen Blick zu, bevor er mit königlicher Zuversicht auf den Bahnsteig zuschritt. Sein Beta folgte ihm dicht auf den Fersen.

Killian holte tief Luft. Jeder Muskel in seinem Körper war vor unausgesprochener Frustration angespannt. Trotzdem setzte er sich in Bewegung. Hinter ihm folgte Ethan ihm schweigend - seine Augen suchten wie die eines Falken die Menge ab, stets wachsam.

Als Killian sich der Bühne näherte, trat auch Isabella langsam vor.

Als Alpha James und Killian die Bühne betraten, wurde es still im Publikum. Alle beobachteten die Szene aufmerksam und spürten, dass etwas Wichtiges bevorstand.

Alpha George ging lächelnd auf Alpha James zu und umarmte ihn. Es war eine herzliche, respektvolle Umarmung zwischen zwei mächtigen Anführern. Dann wandte er sich Alpha James’ Frau, Luna Linda, zu und grüßte sie mit einem höflichen Nicken.

Anschließend ging Alpha James auf Isabella zu. Sie stand reglos am Bühnenrand, den Kopf gesenkt, und spielte nervös mit den Fingern. In ihrem weißen Zeremonienkleid wirkte sie klein und unsicher. Das Licht der Fackeln flackerte um sie herum, doch sie blickte nicht auf.

Alpha James trat an Isabella heran und sprach mit freundlicher Stimme - ganz anders als der strenge Ton, den er sonst gegenüber Killian anschlug.

„Mein Kind“, sagte er sanft, „ich bin Alpha James, und das ist mein Sohn Killian.“ Er deutete hinter sich auf Killian, der regungslos am Bühnenrand stand. Killian rührte sich nicht. Er würde seinem Vater nicht wie ein gehorsamer Welpe folgen. Alpha James warf ihm einen scharfen Blick zu, hakte aber nicht weiter nach.

Er wandte sich wieder Isabella zu. „Meine Frau wollte dich unbedingt kennenlernen, aber sie musste bei unserem Rudel zurückbleiben, um deine Begrüßungszeremonie vorzubereiten.“

Er legte Isabella sanft die Hand auf die Schulter. Sie zitterte. Killian bemerkte es sofort und wurde unruhig. Er mochte es nicht, sie so verängstigt zu sehen.

Alpha James lächelte sanft und sagte: „Mach dir keine Sorgen, mein Kind. Bei uns bist du sicher. Vertrau mir.“

Er berührte sanft ihren Kopf, und ihr Zittern ließ langsam nach. Auch Killians Wolf entspannte sich.

Einen Augenblick später kam Alpha George zu Killian und führte ihn in die Mitte der Bühne. Luna Linda tat dasselbe mit Isabella.

Der Zeremonienmeister trat vor, um das Ritual zu beginnen. Seine Stimme klang ruhig und fest, als er die alten Gelübde sprach. Dann kam der Moment, in dem Isabellas Hand in Killians gelegt wurde.

Als sich ihre Haut berührte, durchfuhr ein Kribbeln Killians Körper. Er zuckte leicht zusammen vor diesem seltsamen, intensiven Gefühl. Er sah Isabella an und bemerkte die Überraschung in ihren Augen. Sie zog ihre Hand nur für einen Augenblick zurück.

Der Geistliche runzelte die Stirn. „Sie müssen sich konzentrieren!“, sagte er scharf. „Dies ist eine heilige Zeremonie.“

Killians Augen färbten sich warnend rot und er warf dem Mann einen finsteren Blick zu. Der Geistliche wich sofort zurück und senkte die Stimme.

Ihm war klar geworden, dass er einen Fehler gemacht hatte - man schrie keinen Alpha-Prinzen an und konnte danach nicht einfach weiterleben.

Isabella legte langsam ihre Hand wieder auf Killians. Ihre Finger zitterten, und er sah, wie ihr ganzer Körper leicht bebte. Ohne nachzudenken, umfasste Killian sanft ihre kleinere Hand mit seinen Fingern, als könnte seine Berührung sie beruhigen. Seine große Hand umschloss ihre vollständig und in diesem Moment fühlte sich irgendetwas seltsam ... richtig an.

Ihre Hand war unglaublich weich, wie Seide oder vielleicht feine Baumwolle. Er konnte sich nicht entscheiden. Aber sie lag perfekt in seiner.

So perfekt, er hätte sie ewig halten können, ohne sich auch nur ein einziges Mal zu beschweren.

Verdammt. Nicht schon wieder.

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