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Kapitel 4

Ihr Lächeln fiel in sich zusammen.

Ohne eine Antwort abzuwarten, drehte ich mich um und ging nach oben. Ich riss den Schrank auf und schleuderte meinen Koffer auf den Boden. Das Zippen des Reißverschlusses versiegelte das Ende meiner Ehe.

Fünf Jahre Geduld und Selbstverleugnung fanden in diesem Moment ihr Ende.

Ich packte meine Sachen Stück für Stück ein. Die ganzen dunklen, dezenten Kleider, die konservativen Anzüge, die ich für Axel getragen hatte - ich ließ sie alle zurück.

Ich nahm nur mit, was wirklich zu ‚Grace James‘ gehörte.

Als ich meine Schmuckschatulle öffnete, durchzuckte es mich eiskalt.

Das Jade-Armband meiner Mutter fehlte.

Es war das einzige, was sie mir vor ihrem Tod hinterlassen hatte.

Ich durchwühlte das ganze Fach, fand aber nichts.

Eine eiskalte Vorahnung kroch mir aus dem Magen hoch.

Ich stürzte die Treppe hinunter.

Im Wohnzimmer saß Irene immer noch gesittet auf dem Sofa.

Axel lehnte sich neben ihr zurück, sein Arm lag lässig auf der Sofalehne, so vertraut, als sei sie hier zu Hause.

Das Sonnenlicht fiel auf Irenes Handgelenk, und mir stockte der Atem.

Das Jade-Armband - es schmückte ihre zierliche Hand.

Ich starrte sie an, meine Stimme war ein gefrorenes Zischen: „Nimm es ab.“

Sie zuckte zusammen, dann lächelte sie siegesgewiss: „Das ist ein Geschenk von Axel. Das geht dich überhaupt nichts an.“

Ihr Ton war süßlich, aber ihre Augen funkelten triumphierend.

Ich trat einen Schritt näher, spürte, wie ich die Zähne zusammenbiss: „Das ist das Andenken meiner Mutter.“

Sie senkte den Kopf wie ein gescholtenes Kind, doch ihre Hand umklammerte das Armband fester. „Aber ... Axel hat es mir gegeben. Er sagte, er möchte, dass ich mich freue.“ Dabei fing sie tatsächlich an zu weinen.

„Du lügst!“ Meine Stimme klang wie zersplitterndes Glas. „Das Armband hat einen winzigen Riss, ein einzigartiges Mal. Du bist nichts weiter als eine Diebin!“

Ich stürzte mich auf sie.

Axel stellte sich mir in den Weg, packte meine Schultern: „Grace, beruhige dich! Vielleicht ist es ein Missverständnis ...“

Aber ich kämpfte wie eine Wahnsinnige, um mich loszureißen. Er hatte offensichtlich nicht mit einer solchen Heftigkeit gerechnet und versuchte immer wieder, mich zu besänftigen.

Schließlich wandte er sich Irene zu: „Irene, nimm das Armband bitte ab und zeig es ihr.“

„Aber sie hat mich eine Diebin genannt ...“, schluchzte Irene, und Tränen strömten ihr jetzt ungehindert übers Gesicht. „Du hast es mir doch geschenkt ...“

Axel war hin- und hergerissen. „Ist schon gut, Grace, ich kaufe dir ein Dutzend neuer Armbänder. Das Ding ist doch nicht so wertvoll. Irene, wein nicht ... ich kaufe dir später was Schönes ...“

Es war zum Verrücktwerden.

Axel würde es nie begreifen - es ging nicht um den Wert. Es war das Einzige, was mir von meiner Mutter geblieben war, und jetzt trug es die Frau, die ich am meisten verabscheute.

Irene wimmerte und schluchzte, löste schließlich das Armband.

Gerade als ich meine Hand danach ausstreckte, öffnete sich ihre Faust -

Das Armband schlug hart auf dem Marmorboden auf und zersprang in unzählige Stücke.

Eine tödliche Stille breitete sich aus.

Ich starrte auf die grünen Splitter, mein Atem setzte aus. Ein Schmerz, als würden mir die Rippen brechen, durchfuhr meine Brust.

Ich blickte zu Irene hoch.

Ein hauchdünnes, triumphierendes Lächeln spielte um ihre Lippen. Jetzt wusste ich Bescheid: Das war Absicht.

Blind vor Wut brach ich aus Axels Griff und schlug Irene mit voller Wucht ins Gesicht.

Irene hielt sich die backenrote Wange, völlig fassungslos - sie hatte nicht erwartet, dass ich tatsächlich zuschlagen würde.

Im nächsten Moment - Axels Hand traf mein Gesicht mit einer Wucht, dass ich taumelte.

Brennender Schmerz. Die Welt hielt den Atem an.

„Wie kannst du sie wegen eines kaputten Armbands schlagen! Was ist denn mit dir los! Ist dieses blöde Ding mehr wert als sie und mein Kind!“

Mein Kind.

Meine Ohren drohnten.

Er hatte es ausgesprochen. Mein Kind - nicht das seines Bruders, sondern seins.

Ich sah den Fremden vor mir an, und mein Herz hämmerte so wild, dass ich fürchtete, es würde zerspringen. Fünf Jahre Ehe stürzten in sich zusammen.

Ich bückte mich und hob die Splitter Stück für Stück wieder auf.

„Bravo, Axel. Jetzt ist wirklich alles vorbei.“

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