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Nettigkeiten (4)

An: Wörter 1333, Okay, gebe zu, dass ich mich literarisch nicht so gut ausdrücken kann, aber dieses Kapitel habe ich komplett ohne eine vorherige Planung geschrieben und dafür ist es ja eigentlich ganz gut geworden. Viel Spaß. Hihi :)

Collin

Nach dem langen Lauf am gestrigen Tag, war Collin auf einmal froh, dass sein Job nicht viel mit Laufen zu tun hatte, denn oh Gott, nicht nur seine Oberschenkel fühlten sich an, als wären sie gerade verprügelt worden, selbst seine Arme taten mehr weh, als ein ausgewachsener Hirntumor.

Okay, das war vielleicht eine Übertreibung, trotzdem fiel es ihm gerade schwer, aus seinem Auto auszusteigen und dabei nicht komplett zusammenzuklappen.

Seine schmerzenden Füße trugen ihn langsam und Quälend zu seinem ersten Seminar, das er heute mit einem Kurs aus dem 5ten Semester hatte.

Schwerfällig öffnete er die Tür, stand ca 14 Leuten gegenüber und weil er heute echt keine Lust hatte die Studenten richtig zu unterrichten, forderte er die kleine Gruppe dazu auf, selbstständig über eines der Oberthemen von den kommenden Klausuren zu arbeiten. Das war das Gute; es war nicht seine Pflicht, den Studenten wie ein Kindergärtner beizustehen, an manchen Tagen konnte er einfach da sitzen und nichts tun.

Das Seminar ging schneller rum als gedacht und so fühlten sich die 60 Minuten an, wie nur 5. Einige Studenten verabschiedeten sich und andere verließen den Raum eilig.

Jetzt stand für Collin erst einmal eine Pause an, so hatte er Zeit sich ein bisschen zurecht zu machen.

Er erhob sich von Bürostuhl und fing an seine ungebügelte Kleidung glatt zu streichen. Seine schicken Hosen, die zerknittert und ein wenig zu locker um die Hüften saßen, sein Hemd, was ihm im Gegensatz zu seinen Hosen perfekt passte und seine breiten Schultern betonte. Seine Krawatte. Oh, erst jetzt bemerkte er, dass er vergessen hatte einen Knoten zu machen und zu seinem Unglück hatte er auch keine Ahnung, wie man diesen blöden Knoten nochmal machte.

Fuck

Er hantierte hochkonzentriert an seiner Krawatte, als die Tür plötzlich radikal aufgerissen wurden, sodass er sich fürchterlich erschreckte. Heute war nicht sein Tag.... Er drehte langsam seinen Kopf in Richtung Tür und sah eine verirrte Olivia die sich schnell atmend gegen die Tür lehnte, durch die sie gerade noch gekommen war.

Mit all der Strenge, die er noch übrig hatte sah er sie an. ,,Miss Taylor, ist es nicht ein bisschen zu früh?", fragte er und zog seine Augenbrauen hoch. Olivia schaute gen Boden und nickte verlegen. ,,Ich äh, kann auch wieder gehen, so in... 2 Minuten" Ihre dunklen Rehaugen sahen ihn freundlich an.

Unangenehme Stille enstand, in der Collin nur nickte und sich wieder an seine Krawatte machte.

,,Sag mal... verstecken Sie sich vor jemanden, Ms Taylor?", fragte er aus Neugier in die Stille.

,,Ich äh... ja, nein...- Vielleicht, ich weiß nicht", murmelte sie verlegen und kam langsam auf ihn zu.

,,Sie wissen nicht... also falls es so ist, können Sie ruhig Ihre Pause hier verbringen.", sagte er und versuchte weiterhin diesen verdammten Knoten richtig zu schließen.

,,Brauchen Sie Hilfe?", fragte Ihre Stimme auf einmal vor ihm und ließ ihn hochschauen.

,,Miss Taylor ich-" Er räusperte sich.

,,Ja, das wäre nett"

Langsam stellte er sich hin und ging hinters Pult.

,,Ist alles gut mit Ihnen?", fragte sie und betrachtete sein Gesicht.

,,Ja, nur ein bisschen Muskelkater.", erklärte er nebenbei, verschwieg bewusst, wie sehr ihn die 30 Runden aus der Bahn geworfen hatten.

,,Wie viele Runden waren es denn?" Ihre warmen Finger fingen an die Krawatte zu knoten.

,,Äh 33", sprach er und beobachtete fasziniert, wie ihre kleinen Hände elegant knoteten. Gott, er sollte nicht so denken, doch er konnte sich nicht davon abhalten, dass seine Gedanken immer weiter in eine... gefährliche Richtung abschweiften. Ihre dünnen, langen Finger um.... Fuck, so sollte er nicht denken, so durfte er ni-

,,So, fertig", verkündete sie und musterte ihn.

,,Danke", sagte er und ging schnell wieder hinter sein Pult. Fuck fuck fuck.

,,Ich glaube, Sie können jetzt wieder gehen, wer auch immer Sie da gesucht hat, ist jetzt wahrscheinlich weg"

Olivia nickte und verließ den Raum.

Was war das? Seit wann brachten ihn so kleine harmlose Situationen aus der Bahn und seit wann war er so aus der Fassung wegen einer Person. Gott.

Mit der Zeit beruhigte er sich wieder und konzentrierte sich auf die Unterlagen über die nächsten Klausuren. Er erinnerte sich noch gut daran, wie er selbst einmal diese Klausuren geschrieben hatte. Jetzt war er der, der andere auf diese Klausuren vorbereiten musste.

Schon zum zweiten Mal in dieser Pause wurde sie Tür geöffnet, doch jetzt stand Miss Hardin in der Tür und lief ohne eine Begrüßung zu einem Sitzplatz direkt vor seinem Pult.

Er warf ihr ein kleines Lächeln zu und guckte wieder in seine Unterlagen.

In den nächsten Minuten kamen mehr und mehr Studenten und als es dann 10 war, waren endgültig alle da.

,,Guten Morgen, wie schon gesagt, solltet ihr mir ja heute eure Aufsätze abgeben", sagte er und stand auf, um die Papiere einzusammeln. Jede Person im Raum hatte mindestens 3 Blätter vollgeschrieben. Gerade kam er an den Platz von Miss Taylor, doch schon von 5 Schritten Entfernung konnte er sehen, dass auf ihrem Platz kein Aufsatz lag. Er seufzte nur und lief weiter zu der nächsten Person.

Als er wieder an seinem Pult ankam, hatte er von jeder Person eine erste Bewertungsgrundlage, also von fast jeder Person, aber was hätte er auch von Miss Taylor erwarten sollen? Sie hatte ja in der Zeit in der sie experimentieren konnte, kaum etwas gemacht, außer rumstehen.

,,Wie ihr wisst geht es ja in der Klausur um anorganische Chemie, daher möchte ich, das ihr selbstständig dafür übt und bei Fragen einfach zu mir kommt.", sagte er und lehnte sich zurück, als ein einvernehmliche Nicken durch die Reihen ging. Gut, jetzt hatte er genug Zeit, um die Informationen über die Klausuren zusammenzufassen.

Da eigentlich so gut wie jeder im Raum beschäftigt war, verging die Zeit schneller als gedacht. Hier und da kamen Studenten zu ihm und fragten ihn etwas, doch ansonsten war er vertieft in der Zusammenfassung, die er gleich an alle Kurs Mitglieder per Mail schocken würde. Mit einem schnellen Blick auf die Uhr stellte er fest, dass es schon fast 11 Uhr war und so entließ er seine Studenten wieder, teilte ihnen noch vorher mit, dass er ihnen die Klausurthemen schicken würde.

Diesmal schien es so, als würden sich mehr Studenten verabschieden als beim letzten Mal.

,,Miss Taylor?", fragte er und sah wie Olivia, die kurz davor war durch die Tür zu gehen, abrupt stehen blieb und ihn fragend ansah.

,,Ein kleines Gespräch bitte"

Er hasste es, so zu sein, wie er jetzt gerade war und er hasste auch den besorgten Gesichtsausdruck, den Olivia gerade trug. Gott, vor dem Seminar hatte er noch so anders über sie gedacht als jetzt. Jetzt sah er sie wie eine seiner Studenten, denen er helfen wollte, ihre Träume zu erreichen, doch gerade eben da....

Er räusperte sich und insgeheim war er froh, dass er das ganze förmliche von dem Privaten trennen konnte

,,Miss Taylor, ich weiß, von Mr Clarke, dass Sie anscheinend immer eine gute Studentin waren und auch viel... mitgemacht haben. Ich habe natürlich keine Ahnung von Ihrem Leben, aber von Ihren Leistungen und... nun ja die sind ein wenig... enttäuschend."

Seine Worte lagen schwer in der Luft, die zwischen ihnen lag und für einen kurzen Moment fragte er sich, ob es richtig war, das gesagt zu haben.

,,Ich wollte Ihnen hiermit nicht zu nahe treten, aber ich dachte..., ich sollte Sie warnen", sprach er, als sie nicht antwortete.

,,Kann ich... den Aufsatz noch nachreichen, Professor?", fragte sie, sah ihm dabei aber nicht in die Augen.

Er seufzte kurz, bevor er nickte. ,,Sie können mir jederzeit, eine Mail schreiben, falls Sie bei irgendwas Hilfe brauchen."

,,Danke", murmelte sie.

,,Sie können gehen, Schönen Tag noch und-äh - danke für die... Krawatte."

,,Gerne geschehen, schönen Tag.", sagte sie im Vorbeigehen und verließ den Raum.

Collin fand sich ein zweites Mal dabei, wie er ihr ein wenig verwirrt hinterherschaute.

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