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Verstoßen – und plötzlich Königin der Wölfe

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Zusammenfassung

In der Nacht unseres Jahrestags fand ich das Verstoßungsdekret meines Alphas auf seinem Schreibtisch. Seine Unterschrift stand schon darunter. Das Wachssiegel war noch warm. Also nahm ich seinen Füller und setzte meinen Namen unter seinen.

Kapitel 1

In der Nacht unseres Jahrestags fand ich das Verstoßungsdekret meines Alphas auf seinem Schreibtisch.

Seine Unterschrift stand schon darunter.

Das Wachssiegel war noch warm.

Also nahm ich seinen Füller und setzte meinen Namen unter seinen.

Dann flüsterte ich die Worte, die unser Band für immer zerreißen würden.

Unten im Saal zuckte mein Mann zusammen.

Und dann zog er seine erste Liebe auf der Tanzfläche noch enger an sich.

Drei Jahre als Luna des Blackridge-Rudels. Dreihundert Wölfe heute Abend im Ballsaal, in Seide und Diamanten. Sie tranken den Mondwein, den ich bestellt hatte, und tanzten unter den silbernen Girlanden, die ich mit meinen eigenen Händen aufgehängt hatte.

Kein Einziger sah mich an.

Ich war nur nach oben gegangen, um einen gerissenen Träger an meinem Kleid zu richten. Kanes Bürotür stand einen Spalt offen. Drinnen lachte sein Beta Rhett ins Telefon.

„Ja, das Dekret ist fertig. Er verliest es im Morgengrauen, vor dem ganzen Rudel. Bis zum Vollmond ist Lydia Luna.“

Eine Pause.

„Ivy? Ich bitte dich. Die hat keinen Wolf. Die spürt nicht mal, wie das Band reißt. Ehrlich? Wahrscheinlich bedankt sie sich noch bei ihm.“

Ich stand wie erstarrt im Flur, während der Champagner in meiner Hand warm wurde.

Ein Verstoßungsdekret.

Aufgesetzt, bevor unsere Jubiläumsfeier überhaupt angefangen hatte.

Als Rhett gegangen war, betrat ich das Büro. Das Pergament lag auf dem Schreibtisch, als wäre es nichts. Als wäre ich nichts. Kanes Handschrift, kraftvoll und vertraut:

Ich, Alpha Kane Ashford, verstoße Ivy Hale als meine Gefährtin und meine Luna.

Darunter eine leere Zeile. Wartend.

In unserer Welt wird eine Verstoßung erst endgültig, wenn der andere Gefährte sie annimmt. Kane wollte es öffentlich tun. Bei Sonnenaufgang. Vor Publikum.

Dieses Publikum würde ich ihm nicht gönnen.

Ich unterschrieb. Dann legte ich meine Handfläche auf das Pergament und sprach es laut aus, mit kaum zitternder Stimme.

„Ich, Ivy Hale, nehme deine Verstoßung an.“

Der Schmerz traf mich wie ein Blitz. Er fetzte durch meine Brust, raubte mir den Atem und warf mich auf seinem teuren Teppich auf die Knie. Als hätte jemand in mich hineingegriffen und einen Faden herausgerissen, der direkt in mein Herz eingenäht gewesen war.

Drei Jahre lang hatten mir alle erzählt, ich könne nicht so fühlen wie echte Wölfe.

Sie hatten sich geirrt. Ich spürte jeden einzelnen Zentimeter davon.

Als ich wieder stehen konnte, ging ich zurück auf die Galerie und sah hinunter in den Ballsaal.

Kane stand mitten auf der Tanzfläche, mit Lydia Crane. Seine Hand an ihrer Taille. Seine Lippen an ihrer Schläfe. Lydias rotes Kleid glitzerte unter meinen Kronleuchtern.

Plötzlich erstarrte er. Seine Hand fuhr an seine Brust.

Lydia flüsterte ihm etwas ins Ohr.

Er lachte, schüttelte es ab und tanzte weiter.

Das war alles. Drei Jahre Ehe. Ein einziges Zucken.

Ich nahm meine Clutch und schlüpfte durch die Küchentür hinaus.

Die Januarluft schlug mir auf die nackten Schultern wie eine Ohrfeige. Schnee fiel auf die Kiefern. Hinter mir schwoll die Musik an.

Ich legte die Hand auf meinen Bauch. Er war noch flach.

Nicht mehr lange.

Sechste Woche.

Niemand im Rudel konnte es an mir riechen. Niemand roch jemals irgendetwas an mir. Ich war die wolflose Luna. Das Mädchen, das nach Mensch roch und das ihr Alpha aus Mitleid aufgelesen hatte.

Ich lief drei Kilometer auf hohen Absätzen bis zum Busbahnhof in der Stadt. Der Mann hinter dem Fahrkartenschalter starrte auf meine verlaufene Wimperntusche und mein Dreitausend-Dollar-Kleid.

„Alles in Ordnung, junge Frau?“

„Nie besser. Einmal nach Silverpine, bitte.“

Seine Augenbrauen schossen in die Höhe. Silverpine lag am Rand des Territoriums des Lykanerkönigs. Rudelwölfe fuhren da nicht hin. Kane hatte mir deswegen sogar verboten, meine eigene Großmutter zu besuchen.

Ich setzte mich auf eine eiskalte Bank und wählte die einzige Nummer, die mir geblieben war.

„Oma? Ich bin's. Ivy.“

„Mein Mädchen, es ist zwei Uhr nachts. Was ist los?“

„Darf ich nach Hause kommen?“

Eine Pause. Dann, ganz leise:

„Was hat er getan?“

Genau diese Frage brach mich. Weil nach drei Jahren, in denen mich niemand irgendetwas gefragt hatte, plötzlich jemand mit Liebe in der Stimme fragte. Es fühlte sich an wie ein Messer und eine warme Decke zugleich.

„Er hat mich nie wirklich gewollt“, flüsterte ich. „Ich glaube, ich wusste es immer.“

„Ich warte an der Haltestelle auf dich. Keine Widerrede.“

„Okay.“

„Und Ivy?“

„Ja?“

„Du gehst nie wieder zurück zu diesem Rudel. Hast du mich verstanden?“

Ich legte auf und sah dem Schnee durch meine Tränen hindurch zu.

Irgendwo hinter mir tanzte mein Mann mit der Frau, die er schon geliebt hatte, bevor es mich überhaupt gab.

Und das Schlimmste?

Er hatte nicht gespürt, dass ich ging. Nicht wirklich.

Er würde es erst im Morgengrauen begreifen – wenn er mit dem Dekret in der Hand vor seinem Rudel stand und feststellte, dass seine wolflose Frau längst unterschrieben hatte.