7
Lea
Ich bin wirklich froh, als ich den Parkplatz betrete und in ein lächelndes Gesicht sehen kann. Ryan lehnt an seinem Auto und sein Blick heftet auf mich, während ich mich auf ihn zu bewege. Je weiter ich mich von dem Café entferne, desto mehr entspannt sich mein Körper und ich kann wieder freier atmen.
Musste es wirklich Ian sein, mit dem ich mich herumplagen muss im Café? Drei Stunden lang habe ich darüber nachgedacht, mir einfach was anderes zu suchen. Nachdem ich den Schock erstmal überwunden hatte, dass Ian tatsächlich kellnert, um sich etwas Geld dazu zu verdienen. Nicht, dass es schon schockierend genug ist, dass er sich Geld verdienen muss, wo er, so lange ich zurückdenken kann, immer nur seinen Vater darum bitten musste. Aber Ian als Bedienung in einem Cafè, etwas so Unwirkliches musste ich erstmal eine Weile verdauen, bevor ich mir darüber Gedanken machen konnte, ob ich es mit ihm zusammen mehrere Tage die Woche aushalten kann. Und mir ist die Entscheidung wirklich nicht leicht gefallen, aber Jobs sind selten in einer Universitätsstadt. Die meisten Studenten versuchen, sich etwas dazu zu verdienen. Also was habe ich schon für eine Wahl, als mich dem Hai zu stellen? Und es sind ja auch nur 3 Stunden an 5 Tagen in der Woche. Wenn wir uns immer so anschweigen wie heute, dann kann ich ihn einfach ignorieren und so tun, als wäre er gar nicht da.
»Ryan«, sage ich lächelnd und hoffe, dass er mir die Erschöpfung nicht ansieht.
»Du siehst fantastisch aus.« Er lässt seinen Blick auffällig an mir runtergleiten, dabei leuchten seine Augen zufrieden auf. Insgeheim hoffe ich, dass dieses Kleid fantastisch genug an mir aussieht, dass es ihn nicht stören wird, wenn er es öfters an mir sieht. Denn es ist eins von zwei Kleidern, die ich besitze. Mein Kleiderschrank ist ziemlich spärlich gefüllt, wahrscheinlich zu spärlich für eine Omega.
»Danke«, sage ich und gebe mir Mühe, nicht zu unsicher zu klingen. »Du siehst auch toll aus.«
Er lacht. »Ich hab eine Jeans und ein Shirt an.«
»Ja, aber die stehen dir sehr gut.«
»Dann wollen wir mal losfahren, bevor Ian noch versucht, es dir auszureden«, sagt er und nickt hinter mich.
Als ich mich umsehe, steht Ian seitlich neben dem Gebäude, in dem das Café ist, und beobachtet uns, dann geht er einfach am Haus vorbei nach hinten, wo sich die Müllcontainer befinden. Dort habe ich vorhin auch sein Auto stehen sehen, als ich die Abfälle entsorgt habe. Er fährt noch immer das Auto, das sein Vater ihm zum 17. Geburtstag geschenkt hat.
»Ja, fahren wir los«, sage ich und lasse mir von Ryan in den hohen SUV helfen, der für meinen Geschmack reichlich protzig ist. Von außen und auch von innen. Ich habe vorher noch nie ein Auto gesehen, das so viel Platz bietet wie dieses hier. Ich muss aber auch gestehen, dass ich mich kaum mit Autos auskenne.
Ich mache es mir in dem großen Sitz aus weißem Leder bequem, schnalle mich an und warte gespannt, was Ryan mir zeigen will. »Also, wo fahren wir hin?«
»Erst einmal weiter in den Campus rein. Es wundert mich, dass dieses Café Gäste hat«, sagt er. Da das Café am äußersten Rand des Campus’ liegt, hat er wohl nicht ganz unrecht, aber der Ruf der Cupcakes eilt ihm wohl voraus. Zumindest hatten wir nicht wenig zu tun heute Abend. Und am Ende waren alle Kuchen ausverkauft, bis auf 2 Donuts, die ich beide gekauft habe, und die nun in meiner Tasche darauf warten, dass sie von Ryan und mir gegessen werden. »Dann würde ich sagen, beginnen wir mit McCarty Field, dem Point Soccer Bowl und dem Coleman Field.«
»Also die Sporttour; Baseball-Feld, Fußballplatz und Football-Spielfeld«, zähle ich auf und grinse. »Sehr geheim klingen diese Plätze nicht.«
»Oh, glaub mir, jeder Platz hat so seine Besonderheiten«, sagt Ryan und fährt langsam die Fremont Street am Dreyfuß Univerity Centre entlang und dann über die Stanley Street in Richtung der Resident Halls. Hier befinden sich die meisten Wohnhäuser auf dem Campus. Und direkt dahinter, auf der Division Street, unser Verbindungshaus.
»Wir parken auf dem Parkplatz am Marias Drive, der South/West bei den Spielfeldern ist nur am Tag geöffnet«, erklärt Ryan, während er das Auto auf einen Parkplatz lenkt, dann schaltet er den Motor aus und lächelt mich an. »Also dann«, sagt er und ich nicke.
»Also dann.«
Als ich nach dem Türöffner greife, schüttelt Ryan ermahnend seinen Kopf. »Das mache ich.«
Ich nehme lachend die Hand wieder vom Türgriff. »Wenn du meinst.«
»Meine ich. Auch wenn das kein Date ist, gehört es trotzdem zu den Sachen, die ein Mann für eine Frau tut.« Er steigt aus, geht um das Auto herum, öffnet die Tür und reicht mir eine Hand. Ich hänge mir meine Tasche über die Schulter und lasse mir von ihm aus dem Auto helfen. Während der Fahrt, hatte ich die Gelegenheit daran zu arbeiten, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass Ryan und ich Zeit allein verbringen werden. Es ist mir nicht leicht gefallen, zu ihm ins Auto zu steigen, weil ich noch immer damit kämpfe, wieder Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen. Umso stolzer bin ich, dass ich es tatsächlich geschafft habe, ohne Herzrasen zu bekommen.
»Ganz schön hoch«, stelle ich fest, als ich unten ankomme und mich direkt vor Ryan wiederfinde. Die Sonne ist noch nicht ganz untergegangen, aber es wird schon kühler und ich bin froh, dass ich mir ein dünnes Jäckchen übergezogen habe.
Für einen Augenblick starrt Ryan mir in die Augen und ich befürchte schon, dass er mich küssen wird. Meine Schultern verkrampfen sich panisch, weil ich absolut nicht bereit dazu bin. Vielleicht werde ich es niemals sein. Doch, irgendwann einmal werde ich jemanden küssen. Vielleicht sogar Ryan. Aber noch nicht jetzt. Ich unterbreche den Blickkontakt und sehe zur Seite, dann nicke ich zu einer Tafel, auf der Pfeile zu den einzelnen Stadien weisen.
»Lass uns gehen«, wirft Ryan ein und nimmt meine Hand in seine. Es fühlt sich nicht richtig an, trotzdem lasse ich es zu, weil ich ihn nicht schon wieder abweisen will. Außerdem auch, weil ich kleine Schritte gehen muss. Einen nach dem anderen. Allein sein mit einem Mann in der Öffentlichkeit. Seine Hand halten. Mich von ihm küssen lassen. Sex haben. Trotzdem bin ich erleichtert, als ich bemerke, dass wir nicht allein hier sind. Im Licht der Laternen stehen hier und da Studenten, manchmal auch ein Paar, das sich in den Armen hält und die letzten lauen Abende genießt.
Ryan führt mich zuerst zum Footballstadion. Es ist viel größer und beeindruckender als das der West River Falls High. Auch hier sitzen Pärchen und einzelne Studenten auf den Rängen. Manche unterhalten sich, andere lesen in Büchern und wieder andere küssen sich. »Dort unten werden wir beide schon in ein paar Tagen unser erstes Spiel haben«, stellt Ryan fest und zieht mich bis an den Spielfeldrand.
Ich bleibe stehen und lasse meinen Blick über das Spielfeld gleiten, sehe die Ränge nach oben und halte mit hämmerndem Herzen den Atem an. Das Stadion ist so viel größer als das in River Falls mit seinen wenigen Holzbänken. Dieses wirkt wie eine Schüssel, mit den unzähligen Sitzreihen. Tausende Menschen werden hier Platz finden. Ich bin nervös, wenn ich an das erste Spiel denke. »Das ist unglaublich«, sage ich staunend und stelle mir vor, wie es hier klingen wird, wenn die Ränge voll Menschen sind, die jubeln und klatschen.
»Komm mit«, sagt Ryan und führt mich an den Rängen vorbei ganz nach oben und öffnet dort die Tür zu einer gläsernen Beobachtungslounge. Er zieht mich ganz nah an die Fenster heran und als ich raussehe, fühlt es sich an, als würden wir über dem Stadion schweben.
»Darf man hier einfach so rein?«
»Ich hab den Hausmeister bestochen«, gibt Ryan zwinkernd zu und setzt sich im Schneidersitz auf den dunkelgrünen Teppichboden.
Ich hole die Donuts aus meiner Tasche, gebe einen Ryan, der ihn lächelnd annimmt, dann essen wir beide und ich betrachte nachdenklich, das Stadion, dessen weiter entfernte Stellen im Dunkel verschwinden, weil es nur schwach beleuchtet ist. Durch dieses Licht wirkt die Kulisse ein wenig wie eine künstliche Szene, und wahrscheinlich gerade deswegen sehr beruhigend.
»Das ist also dein erster geheimer Platz«, sage ich irgendwann, als die Stille unangenehm wird. »Kommst du oft mit Mädchen her?«
Ryan grinst und dieses Grinsen reicht mir als Antwort aus. Wahrscheinlich hat dieser Teppichboden schon sehr viel mehr gesehen, als er jemals sehen sollte. Der Gedanke jagt mir einen Schauer über den Rücken und ich stehe auf, klopfe mir verlegen den Staub vom Kleid und stelle mich zwischen Ryan und die große Glasscheibe. »Was willst du mir jetzt zeigen?«, frage ich ihn, weil ich plötzlich doch nicht mehr so gern allein mit ihm sein möchte. Hat er wirklich geglaubt, es wäre so einfach, mit mir Sex zu haben? Ich hoffe nicht, dass er so denkt, denn ich fing gerade an, ihn zu mögen. Zumindest ein bisschen, so, dass ich mich neben ihm entspannen konnte, ohne jede Sekunde gegen meine Angst ankämpfen zu müssen.
Ian
Es ist wie jeden Abend, den wir im Rules verbringen. Hank steht nach nur zwei Bier auf der Bühne und grölt den Text zu Somewhere over the Rainbow, während alle anderen in dem kleinen Pub verteilt stehen und versuchen, möglichst kein Ohrenbluten zu bekommen. Ich stehe mit Hunter an der Bar und gebe mein Bestes, Hank zu ignorieren, aber es ist wirklich schwer, genauso schwer, wie man eine heulende Sirene ignorieren kann.
»Liegt es an Hank oder wirkst du heute irgendwie abwesend«, will Hunter wissen und trifft meinen entzündeten Nerv mit seiner Frage.
Es liegt nicht an Hank, sondern an Ryan und Lea, die ich die ganze Zeit nicht aus dem Kopf bekomme. Dass sie gemeinsam unterwegs sind, erinnert mich an diesen einen Tag, an dem zwischen Lea und mir so viel schiefging, das wir danach niemals mehr kitten konnten.
2 Jahre zuvor
»Du versaust das Spiel«, werfe ich Trevor vor, der kopfschüttelnd versucht, das Ruder noch einmal für uns rumzureißen, aber es ist zu spät. Mein bester Freund und ich verlieren dieses Match gegen Luke und Harry. Frustriert lasse ich den Controller auf das Sofa fallen und schnappe mir mein Bier. Ich trinke die Flasche in großen Zügen aus, bevor ich nach Lea rufe. »Noch ein Bier für mich und meine Freunde«, fordere ich, als sie im Wohnzimmer erscheint.
Wir haben uns noch immer nicht ausgesprochen, obwohl ich es mir immer wieder vornehme, weil ich mich selbst dafür hasse, dass ich sie so behandle. Aber die Verletzung sitzt einfach zu tief. Dabei weiß ich längst, dass sie recht hat. Aber sie hat unsere Freundschaft gekündigt, also war die naheliegendste Konsequenz, sie als das zu behandeln, weswegen sie hier mit mir in einem Haus wohnt: als Hausmädchen. Trotzdem weiß ich, dass sie eigentlich nichts Falsches von mir verlangt hat. Ich kann nicht darauf bestehen, ihr Leben für sie zu lenken. Von ihr verlangen, ihr Leben als ewiger Single zu verbringen, während ich alles vögle, was vor meinen Füßen landet. Aber sie weiß auch, wie sehr ich mich davor fürchte, verlassen zu werden, und doch hat sie unsere Freundschaft beendet und mich damit verlassen. Und das kann ich nicht einfach so hinnehmen.
Lea wirft mir genau diesen enttäuschten Blick entgegen, den sie mir immer entgegen wirft, wenn ich etwas von ihr verlange, das gar nicht ihre Aufgabe ist, aber sie tut es. Wohl auch, weil meine Freunde sie erwartungsvoll ansehen, weil sie sich darüber freuen, wie ich mit Lea umspringe. Sie schauen immer, als würden sie auf irgendeine Reaktion von ihr hoffen, etwas, was die Situation noch verschärfen würde, und mich dazu zwingen würde, den Obermacho raushängen zu lassen. Aber Lea ist viel zu klug, um ihnen den Gefallen zu tun. Stattdessen setzt sie ein falsches Lächeln auf und geht.
»Warte«, fordert Trevor plötzlich und springt vom Sofa auf. »Ich helfe dir.«
»Ernsthaft?«, knurre ich Trevor an, aber der beachtet mich gar nicht.
»So musst du nicht mehrmals gehen«, sagt Trevor zu Lea und folgt ihr wie ein Hündchen.
Alle meine Freunde haben verstanden, wie das Spiel hier läuft und halten sich möglichst fern von Lea, weil sie wissen, dass sie mir gehört. Aber Trevor interessiert das nicht. Aus irgendeinem verblödeten Grund, scheint er Mitleid mit ihr zu haben. Oder es interessiert ihn einfach nicht, was ich will. Vielleicht fühlt er sich als mein bester Freund auch einfach nur zu sicher. Ich balle die Hände zu Fäusten, als ich Lea lachen höre. Kurz darauf erscheinen sie mit zwei Sixpacks im Wohnzimmer. Beide trägt Trevor, während Lea einfach nur neben ihm herläuft und ihn anstrahlt, als wäre er Gott oder so.
»Idiot«, murmle ich.
»Das sagst du doch zu allen Mädchen«, sagt Lea und ihre Wangen sind tatsächlich errötet. Ich möchte kotzen.
»Nur bei dir meine ich es auch so.«
»Trevor«, brülle ich, springe auf und gehe auf ihn zu, jeder Muskel meines Körpers angespannt. Ich entreiße ihm eines der Packs und wende mich wieder ab. »Ich habe Durst.«
Die anderen sehen mich mit hochgezogenen Augenbrauen an, dann springt Luke mir zur Seite. »Du bist ein Arschloch«, wirft er Trevor vor, der nur mit einem Schulterzucken reagiert.
Ich sehe Lea an, die ihre Wut auf mich nicht verbirgt und gerade den Raum verlassen will. »Das Poolhaus muss vorbereitet werden, Trevor und Luke übernachten heute hier«, setze ich sie in Kenntnis.
»Wie Sie möchten«, sagt sie, knickst vor mir, als wäre ich die verfickte Queen von England, was alle anderen lachen lässt, dann geht sie.
Ich öffne eine Flasche Bier und trinke, aber das Gefühl, wie die eiskalte Flüssigkeit meine Speiseröhre hinunter rinnt, kann mich nicht abkühlen. Stattdessen greife ich wütend nach dem Controller, stelle Tekken 7 ein und reiche den zweiten Controller auffordernd an Trevor weiter, der sich wortlos neben mich fallen lässt.
»Du verlierst«, sagt er, nachdem er die erste Runde gewonnen hat, was mich nur noch wütender macht.
Meine Finger fliegen plötzlich noch schneller über den Controller, denn ich will ihn schlagen. Auch wenn es blöd ist, immerhin reagiert Trevor nur auf die Art, wie ich Lea plötzlich behandle, dass ich sie nicht mehr beschütze und sie nicht mehr meine Freundin ist. Im Grunde bin ich es, der sie zum Freiwild für alle Kerle gemacht hat, die heimlich schon immer scharf auf sie waren.
»Gewonnen«, sage ich am Ende und fühle mich schon deutlich besser.
Trevor steht auf. »Ich muss nochmal nach Hause, hab was vergessen«, sagt er und gibt den Controller an Luke weiter, der sich jetzt neben mich setzt.
»Mach nicht so lange«, rufe ich ihm noch hinterher, dann konzentriere ich mich wieder auf das Spiel gegen Luke, bis mich die Lust verlässt und ich für eine Weile einfach mal hier raus muss.
Ich stehe auf, murmle knapp ein »bin gleich zurück« und verschwinde in die Küche, um ein bisschen Abstand von allen anderen zu bekommen. Aber vor allem, um mich zu beruhigen, denn in mir kämpft noch immer die Wut um die Oberhand. Ich möchte Trevor viel lieber meine Fäuste in sein Gesicht rammen, als ihm virtuell die Fresse zu polieren. Ich bekomme einfach nicht seine Blicke aus dem Kopf, mit denen er Lea bedacht hat, als wäre sie ein lecker brutzelndes Steak, aus dem Saft heraustropft. Ich bin mir sicher, da läuft was zwischen den beiden. Seit Tagen sehe ich sie lachen und ihn Witze reißen. Er folgt ihr, während sie irgendwas erledigt. Und er steht neben ihr und beobachtet sie, wenn sie bügelt. Oder sie reden miteinander.
Die Mädchen stehen auf Trevor, das weiß ich. Schließlich ist er mein bester Freund. Deswegen weiß ich auch, dass ihm Mädchen so scheiß egal sind wie mir. Er vögelt sie und dann ist er mit ihnen fertig. Je mehr es mit ihm treiben, desto stärker fühlt er sich. Er ist eigentlich noch schlimmer als ich. Ich sollte ihn wirklich stoppen, bevor er noch glaubt, ich lasse ihm das durchgehen.
Ich fahre mir durch die Haare und frage mich, warum ich das alles tue? Warum gehe ich nicht einfach zu ihr und mache Schluss mit allem, indem ich ihr klarmache, dass es für sie nur einen Mann geben kann - mich. Alle anderen würde ich immer bekämpfen. Andererseits hat sie deutlich gemacht, dass sie mich nicht will. Ich wollte sie ja auch nie. Zumindest nicht so wie jetzt. Solange sie einfach nur meine beste Freundin war, war alles gut. Und dann war sie es nicht mehr und ich musste feststellen, dass ich nicht ohne sie leben kann.
Das ist alles so irre, dass es mich fertigmacht. Was soll schon passieren? Glaubst du wirklich, sie und ihre Familie ziehen weg, nur weil du einmal, vielleicht zweimal Sex mit Lea hast? Wahrscheinlich schon, aber mittlerweile ist es mir egal, so sehr will ich sie. Sie jeden Tag sehen zu müssen, macht es nicht leichter für mich. Aber vielleicht wird es danach leichter. Ich koste sie ein einziges Mal und danach wird alles so, wie es war. Und ich kann endlich aufhören, sie zu bekämpfen. Ich wäre nicht mehr eifersüchtig und wir könnten wieder Freunde sein. Ich bin ein Idiot, wenn ich glaube, dass das funktioniert. Ihre Mom würde mich wahrscheinlich umbringen, sie würde schlecht von mir denken und das könnte ich nicht ertragen.
»Okay, jetzt sei nicht länger so ein Feigling«, mache ich mir Mut und werfe einen Blick auf das Poolhaus, das ich von meinem Platz hinter der Terrassentür nur sehen kann, weil die bodentiefen Fenster beleuchtet sind. Das Licht scheint durch die weinroten Vorhänge nur schwach, aber es ist da. »Ich sag ihr jetzt einfach, dass Schluss ist mit dem Spiel. Sie kann machen, was sie will. Sie kann ausgehen, mit wem sie will, aber nicht mit einem meiner Freunde. Denn ich will es nicht sehen müssen. Und ich will es nicht hören müssen, wenn sie darüber reden, als hätten sie den Heiligen Gral erobert.«
Entschlossen ziehe ich die Terrassentür auf und gehe auf das rötliche Licht zu. Die Bewegungssensoren sorgen dafür, dass der Pool beleuchtet wird, damit in der Dunkelheit niemand hineinfallen kann. Als ich fast da bin, höre ich ein leises Stöhnen oder Keuchen und mein Herz macht einen so heftigen Satz, dass ich erstarre und in die lauwarme Nacht lausche, bis ich ein weiteres Stöhnen höre. In mir krampft sich alles zusammen. Wer? Mit wem? Warum? Aber ich ahne es schon und davon wird mir ganz übel. Trotzdem gehe ich leise weiter und bleibe neben der nur einen Spalt offen stehenden Terrassentür stehen. Weil alle Vorhänge zugezogen sind, kann ich nicht viel sehen, aber was ich sehe, ist Trevors Gesicht, das über schwarzem Haar schwebt. Leas Gesicht ist in der Matratze vergraben und wieder stöhnt sie ganz leise. Zu viel! Viel zu viel!
Entsetzt stolpere ich rückwärts. Mein Magen krampft und ich drücke eine Faust in meinen Bauch. Ich atme hastig die kühle Luft ein. In diesem Moment stirbt etwas in mir ab, weil ich mich verraten fühle, gleich von zwei meiner besten Freunde. Wie lange tun sie das schon hinter meinem Rücken? Warum habe ich das nicht gewusst? Aber es war doch offensichtlich. So offensichtlich, dass nur ein Idiot die Anzeichen übersehen konnte. Ich habe immer gedacht, dass nichts mich jemals wieder so tiefen Schmerz empfinden lassen könnte, wie an dem Tag, an dem meine Mutter mich verlassen hat, um ein neues Leben mit einem anderen Mann zu beginnen. Aber dieser Schmerz ist sogar noch tiefer. Und ich kenne nur ein Mittel, das ihn betäuben kann. Alkohol. Eine Menge davon.
Lea
Heute
»Du glaubst aber doch nicht, dass ich singen werde?«, frage ich Ryan mit hochgezogenen Augenbrauen und hoffe, dass er mir den Schock ansieht, denn ich kann wirklich nicht singen. Ich klinge noch viel fürchterlicher als der Student, der gerade auf der Bühne jault.
Wir betreten gerade die Karaokebar, in die Ryan mich unbedingt noch mitnehmen wollte, weil alle anderen schon hier wären. Und als ich mich umsehe, sind tatsächlich alle anderen schon hier. Meine Verbindung und auch seine Verbindung scheint vollzählig vorhanden zu sein, dazu noch ein paar andere Gäste. Und alle drängeln sich fast Schulter an Schulter in diesem kleinen Pub. Was sehr unangenehm für mich ist, denn ich kann nicht gut mit Menschenmassen, weil viele Menschen auf engem Raum immer bedeuten, dass man unweigerlich absichtlich oder unabsichtlich berührt wird. Und Berührungen sind etwas, auf das ich vorbereitet sein muss. Ich muss mich darauf einlassen können und das ist schwer in einem solchen Umfeld. Ich brauche eigentlich manchmal sogar Tage, um mich auf eine Situation wie diese vorzubereiten. Auf der Party im Verbindungshaus konnte ich gut ausweichen, aber hier ist das unmöglich.
Ich habe keine Probleme damit, wenn meine Teammitglieder mich beim Training oder bei einem Spiel berühren - vielleicht ein paar Probleme jetzt mit dem neuen Team, aber damit werde ich klarkommen -, aber hier in der Enge, wo ich nicht weiß, welche Berührung von welchem Körper kommt, ob sie Zufall oder Absicht war, von einem Mann oder einer Frau, kann ich meine Gefühle nicht unter Kontrolle bringen. Und gerade im Moment klammere ich mich deswegen sogar verzweifelt an Ryans Hand, damit er mich auf gar keinen Fall loslässt. Hier und jetzt ist er mein Anker, offensichtlich vertraue ich ihm mehr, als ich selbst geglaubt hätte. Und trotzdem fällt mir das Atmen schwer, aber ich erinnere mich an die Übungen, die ich für Situationen wie diese in einem Buch gefunden habe, und konzentriere mich nur auf meine Atmung, auf meinen Herzschlag und blende alles andere aus. Es ist ein Sammeln, das tief in meiner Brust stattfindet und das ich dann von dort bis in den letzten Winkel meine Körpers schicke, bis ich spüre, dass ich wieder festen Boden unter den Füßen habe und meine Muskeln ihre Erstarrung lösen.
»Was möchtest du trinken«, will Ryan wissen, als wir an der Bar sind.
Ich schenke ihm ein Lächeln, von dem er nicht weiß, dass es eigentlich mir selbst gilt, weil ich stolz darauf bin, dass ich noch immer hier bin und meine Gefühle unter Kontrolle habe. Jeden Tag einen Schritt mehr, das habe ich mir geschworen. Und die Schritte, die ich absolviere, seit ich hier bin, sind sehr große Schritte. Und als mir das klar wird, bin ich so stolz auf mich, dass es sich anfühlt, als würde tief in mir etwas aufreißen, das mich frei atmen lässt. »Eine Cola«, sage ich.
Ryan nickt mir zu und ich bin froh, dass er nicht darauf besteht, dass ich etwas Alkoholisches trinke, so muss ich mich nicht wieder verteidigen. Er bestellt mir eine Cola und nimmt für sich ein mexikanisches Bier aus der Flasche. »Du willst also wirklich nicht singen?«, fragt er und nickt zu dem Mann auf der Bühne, der sich noch immer abquält.
»Das möchtest du nicht erleben«, sage ich und lasse mich von Ryan an einen Tisch in der hinteren Ecke ziehen. Es sieht so aus, als wäre der Platz hier nur für ihn freigehalten worden, denn jemand zieht sofort einen Stuhl für Ryan zurück.
»Du musst dich wohl auf meinen Schoß setzen«, meint Ryan und zieht an meinen Arm, bis ich auf seinem Schoß lande, noch bevor ich ablehnen kann. Er legt seine Arme um meine Taille und sieht grinsend zu mir auf. »Sei nicht so steif, ich tu dir nichts«, flüstert er in mein Ohr, aber ich erschauere trotzdem, weil mir das viel zu nah ist. Mein Herz rast, obwohl ich versuche, mich zu beruhigen.
Mein Herz hat auch gerast, als ich heute mit Ian allein im Cafè war, aber dieses Rasen hat sich nicht gleichzeitig so angefühlt, als wollte ich in Panik verfallen. Es war ein anderes Rasen. Beängstigend aber nicht unangenehm. Aber Ian kenne ich ja auch schon viele Jahre. Wir haben uns oft berührt als Kinder, selbst später noch, waren oft allein und waren uns oft sehr nah, wenn er heimlich in mein Zimmer gekommen ist, um bei mir zu schlafen.
»Ist schon okay, ich muss ohnehin mal auf die Toilette«, sage ich zu Ryan und befreie mich, bevor ich die Kontrolle verliere. Ich stehe auf und schließe die Augen, um mich dafür zu wappnen, mich durch die Menge aus Körpern zu schieben, bis hin zur rettenden Toilette, deren Schild grün über einem Gang auf der anderen Seite leuchtet, so dass man sie wirklich von überall im Raum aus sehen kann. Endlich hat der untalentierte Sänger auf der Bühne seinen letzten krächzenden Ton von sich gegeben. Irgendwie kann ich mich gleich besser auf mein inneres Gleichgewicht konzentrieren. Du hast es eben schon einmal geschafft. Keiner wird dich überhaupt beachten. Und was kann schon passieren in einem Raum voller Zeugen, bete ich in Gedanken mein Mantra runter und schiebe mich dann durch die Menge. Und es ist … nicht leicht. Aber leichter.
Als ich endlich den Gang vor den Toiletten erreiche, hole ich tief Luft und blinzle die Tränen der Erleichterung aus meinen Augen. Ich drehe mich um und blicke stolz auf die Hürde, die ich eben überwunden habe. Schritt für Schritt.
Schritt für Schritt haben sich auch diese Ängste, die mich quälen verfestigt. Sie waren nicht ganz plötzlich da, sondern sie kamen nach und nach über mehrere Monate hinweg und ich habe sie zugelassen, weil sie mir zuerst geholfen haben, zu überleben und auch meine Schuld zu verdrängen. Aber dann habe ich gemerkt, dass, wenn ich nicht aufhöre, mich hinter diesen Ängsten zu verstecken, ich alles verlieren könnte: meine Freiheit, meine Träume und was ich liebe - das Cheerleading. Also habe ich begonnen zu kämpfen, für mich allein, weil ich nicht wollte, dass irgendjemand von dem erfährt, was mir zugestoßen ist.
»Du amüsierst dich ja gut.«
Ich fahre zusammen, als plötzlich Ian neben mir auftaucht. Er hat die Augen leicht zusammengekniffen und starrt auf mich herunter, genauso verhasst wie damals. So als könne er unmöglich noch mehr hassen, was mich einen Schritt zurückweichen lässt.
»Was willst du?«, fahre ich ihn an.
»Nichts. Ich stelle nur fest, dass du auf den Typ Arschloch stehst, weswegen ich mich frage, warum du es mir so schwer gemacht hast. Bin ich nicht Arschloch genug für dich?«
Er kommt näher und bleibt so nah vor mir stehen, dass ich seinen Alkoholatem riechen kann. Schon früher hat Ian gern getrunken und er tut es wohl noch immer.
»Verschwinde einfach«, zische ich ihn an, denn die Situation erinnert mich zu sehr an diesen einen Tag, der alles in mir zerstört hat.
»Das hatte ich vor, warte nur auf Liz«, sagt er, dann wendet er sich ab und mir entkommt ein erleichtertes Aufstöhnen, das zum Glück in der gerade beginnenden Musik untergeht. Meine Knie zittern gehörig, aber ich schaffe es, mich auf dem Hinterausgang zuzubewegen, der gleich hier am Ende des Ganges ist. Ich muss hier raus, bevor alle sehen, wie ich eine Panikattacke bekomme. Wie mein Herz anfängt zu rasen, ich mich krümme, kreidebleich werde, mein Körper zittert und meine Augen sich weiten, wie ich nicht mehr atmen kann und in Tränen ausbreche.
2 Jahre zuvor
Ist das eben wirklich passiert? Wie kann es nicht passiert sein? Langsam steige ich die Stufen nach oben, ich möchte in mein Zimmer. Es kommt mir so vor, als wäre in diesem Moment nichts wichtiger, als mein Zimmer zu erreichen. Meine Haare kleben in meinem Gesicht, zwischen meinen Beinen pocht es und ich fühle mich, als wären seine Hände noch immer auf meinem Körper. Ja, ich kann ihn noch immer spüren, wie er mich schwer in die Matratze drückt, sein Atem in meinen Ohren, seine Bewegungen, als er in mich stößt.
Ich erreiche die obere Etage, obwohl meine Beine noch immer zittern und mein Herz noch immer rast. Nur noch wenige Schritte bis zu meiner Zimmertür, dann bin ich sicher vor Blicken und Fragen. Wahrscheinlich sieht man mir alles an, was sich eben im Poolhaus abgespielt hat zwischen mir und Trevor. Aber ich will nicht, dass jemand davon erfährt.
»Wo willst du denn hin?«
Ich zucke zusammen und sehe mich nach Ian um, der so nah hinter mir steht, dass ich mich frage, wie er das gemacht hat. In seiner Hand hält er eine Flasche Bourbon, seine Augen wirken trüb und er schwankt leicht, als er mich rückwärts gegen die Flurwand zwischen seiner und meiner Zimmertür drängt. Mit einem schiefen Grinsen stemmt er seine Fäuste neben meinem Kopf gegen die Wand, in der einen Hand hält er noch immer die halbleere Flasche.
»Lass mich gehen«, sage ich heiser und kämpfe mit dem zentnerschweren Kloß in meinem Hals, der droht mich zu ersticken, weil ich die Tränen, die ich die ganze Zeit zurückgehalten habe, endlich weinen möchte. Aber ich kann sie nicht weinen, solange ich nicht in der Sicherheit meines Zimmers bin, wo niemand meine Tränen sehen und Fragen stellen kann, die ich nicht beantworten will. Ich könnte sie niemals beantworten, weil die Antworten meiner Mutter ihren Job kosten könnten, meinem Bruder und mich unser Zuhause. Alles, was wir uns in den letzten Jahren aufgebaut haben, wäre verloren. Das werde ich nicht zulassen.
»Werde ich nicht«, sagt Ian lallend und sieht mir fest in die Augen, es fühlt sich an, als suche er darin etwas. Oder als wolle er bis in meine Seele vordringen.
So gut ich kann, versuche ich mich zu versperren, aber das ist nicht so einfach, wenn man sich in einem so emotionalen Zustand befindet wie ich in diesem Augenblick. Wenn Seele und Körper Höllenqualen erleiden und man einfach nur noch schreien möchte, bis der Schmerz weg ist.
»Ich kann ihn an dir riechen«, sagt Ian jetzt und vergräbt seine Nase in meinem Haar.
Er hat uns gesehen? Ich unterdrücke ein Zittern. Ich drehe meinen Kopf zur Seite und wünsche mich verzweifelt in mein Zimmer. Ich möchte unter die Dusche, um Trevor von meinem Körper zu spülen und mit seinen Berührungen auch all die Erinnerungen aus meinem Kopf zu bekommen. Erinnerungen wie sein heiseres Lachen, das Gefühl, wie er auf mir liegt und den überwältigenden Schmerz, als er gewaltsam in mich eindringt.
»Ian«, flehe ich ihn an. »Lass mich gehen, du bist betrunken.«
»Und du hast meinen besten Freund gefickt. Rate mal, welches Vergehen schlimmer ist?«, will er wissen und drängt seinen Körper gegen meinen. »Wenn die beste Freundin den besten Freund fickt oder ein bisschen betrunken sein?«
Gefickt? Er glaubt, ich hätte es freiwillig getan. Ich schnappe panisch nach Luft und spüre die bleierne Enttäuschung, die sich in mir breit macht, weil Ian meinen Schmerz nicht sieht, obwohl er mich so gut kennt. Aber es ist besser, er glaubt an diese Lüge. Ich schließe die Augen und die erste Träne rollt über meine Wange. Sie fühlt sich ganz heiß an und brennt sich ihren Weg bis hinunter zu meinem Kinn, wo sie hängenbleibt. Es kostet mich alle Kraft, die ich aufbringen kann, nicht loszuheulen und völlig zusammenzubrechen, aber Ian darf auf gar keinen Fall die Wahrheit erfahren. Ich würde es ihm auch nicht sagen wollen, nicht wie die Dinge in letzter Zeit zwischen uns stehen. Nein, damit muss ich ganz allein klarkommen. Meine Unterlippe zittert und ich versuche, meinen Kopf noch weiter abzuwenden, damit Ian mein Gesicht nicht sehen kann.
»Warum ausgerechnet Trevor?«, hakt er weiter nach, während ich immer stärker um Kontrolle kämpfe, meine Hände zu Fäusten geballt, halte ich die Luft an, und wage nicht zu atmen. »Warum nicht ich?«
Ich stöhne verzweifelt auf. Wie lange halte ich noch durch? Wie viel Kraft habe ich noch? Warum nicht ich? Hat er das wirklich gefragt? Ich möchte nicht darüber nachdenken. Ich kann es jetzt nicht.
»Sieh mich an, damit ich dich küssen kann«, sagt er, packt mein Kinn und versucht, mein Gesicht zu sich zu drehen, aber ich bleibe hart. »Ich will nur, was er auch hatte. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir keine Freunde mehr sein können. Also gibt es nur noch den einen oder den anderen Weg. Welchen wählst du, Lea?« Er kommt mit seinem Gesicht noch ein Stück näher, während seine Hand noch immer mein Kinn festhält.
Ich bin auch bei Trevor hart geblieben, als er ins Poolhaus kam und mich küssen wollte. Und als er gemerkt hat, dass ich es nicht zulassen werde, hat er mich bäuchlings auf das Bett gestoßen, das ich Minuten zuvor erst frisch bezogen habe. Er hat mein Kleid nach oben geschoben … Als die Bilder mich überrollen, stoße ich ein leises Wimmern aus. Ich hebe meine Hand und drücke sie in Ians Gesicht, um ihn von mir zu schieben. »Lass mich sofort gehen«, schreie ich ihn an und es fühlt sich wie ein Befreiungsschlag an, als ich so meine Gefühle herausbrechen lasse. »Ich kann dich nicht länger ertragen.«
Ian lacht leise auf und stößt sich von der Wand ab, dann geht er um mich herum, bückt sich etwas und versucht hinter meinen Schleier aus Haar zu blicken. »Du kannst mich nicht länger ertragen?« Er lacht düster. »Dann ist ja gut, dass du das nicht mehr lange musst.« Mit diesen Worten wendet er sich ab, dann gibt es einen lauten Schlag, die Flasche Bourbon schlägt direkt neben mir in die Wand ein, fällt zu Boden und zerbricht. »Weißt du, was das Beste wäre, wenn ich das nächste Mal wieder nach Hause komme, dann bist du nicht mehr hier. Du hast meinen besten Freund gefickt, das verzeihe ich dir nicht. Ich hätte dir alles verziehen, aber nicht das.« Er reißt die Tür zu seinem Zimmer auf und stolpert hinein.
So habe ich Ian noch niemals erlebt, aber darüber mag ich jetzt nicht nachdenken. Ich löse mich von der Wand und reiße die Tür zu meinem Zimmer ebenfalls auf, werfe sie wieder zu und lasse mich auf mein Bett fallen. Ich drücke mein Gesicht in die Kissen und lasse all den Schmerz und die Verzweiflung in einem erstickten Schrei raus.
