
Zusammenfassung
Titel: Nacht des Blutes und der Sehnsucht Isis, eine junge, einsame Bibliothekarin, führt ein friedliches Leben, bis sie am Abend dem Blick von Raven begegnet, einem uralten und gnadenlosen Vampir, der sie entgegen aller Logik verschont. Fasziniert von seinem Geruch, verstört von seinem Licht, folgt Raven ihm, beobachtet es ... und nähert sich ihm dann. Die Anziehung zwischen ihnen ist unmittelbar und brutal. Er ist es gewohnt zu dominieren und entdeckt in Isis eine rebellische Sanftmut, die ihn erschüttert. Zunächst verängstigt, lässt sie sich allmählich von der schwarzen Anziehungskraft des Unsterblichen verzehren. Doch ihre Verbindung verstößt gegen die Gesetze der Vampire. Jeder gestohlene Kuss, jeder zugestimmte Bissen treibt sie an eine gefährliche Grenze, wo sich Verlangen mit Durst vermischt, wo Liebe mit Verderben verschmilzt. Wie weit wird sie gehen, um ihn zu lieben? Inwieweit wird er auf seine Natur verzichten, um sie nicht zu zerstören? Ihre Leidenschaft könnte alles niederbrennen … oder sie retten.
Der Geruch der Nacht
Kapitel 1: Der Geruch der Nacht
Isis
Ich komme spät nach Hause. Wie immer.
Die Bibliothek schließt um 20 Uhr, aber ich bleibe oft länger. Viel mehr. Es ist zur Gewohnheit geworden. Eine Zuflucht. Als nach und nach die Lichter ausgehen und die letzten Leser wie Geister verschwinden, atme ich endlich auf. Die Stille leistet mir Gesellschaft. Der Geruch alter Bücher beruhigt mich mehr als Menschen. Das abgenutzte Leder, die zerknitterten Seiten, die verblasste Tinte: Das alles spricht mich an, beruhigt mich. Die reale Welt entgleitet mir. Ich mag ihn nicht.
Da ist nur dieses sanfte, gedämpfte Licht, das ich bis zum letzten Moment brenne, wie eine Flamme, die bewacht wird. Widerwillig schalte ich die Lampe am Empfangstresen aus, immer zuletzt. Und ich ziehe an der schweren Holztür, als würde man ein Heiligtum verschließen.
Heute Nacht ist die Luft feucht. Mit Strom aufgeladen.
Schwer. Stickig.
Etwas lastet auf meinen Schultern. Ein unsichtbares Gewicht. Eine Spannung, die mir unter die Haut geht. Ich schüttle den Kopf. Es wird vergehen. Angst ist kein Unbekannter – aber heute Abend schmeckt sie nach Eisen. Der Geschmack eines alten, fast viszeralen Nervenkitzels, der mir den Rücken hinaufläuft.
Ich biege links ab, dann rechts. Die Straßen sind leer. Zu ruhig. Die Uhr schlägt scharf zweiundzwanzig, wie eine Warnung. Mein Schritt hallt auf dem nassen Asphalt wider. Manchmal flackern die Straßenlaternen. Die Schatten des Laubwerks winden sich an den Wänden wie tote Finger.
Ich sollte schneller gehen.
Ich sollte nach Hause gehen.
Und dann spüre ich es.
Bevor ich es überhaupt gesehen habe.
Diese Hitze.
Oder besser gesagt, dieses eisige Brennen.
Wie ein Biss ohne Reißzähne.
Etwas starrt mich an. Intensiv.
Ich höre auf. Drehen Sie langsam Ihren Kopf. Person. Nichts.
Aber mein Herz schlägt schneller. Zu schnell.
Mein Hals kribbelt, als würde dort ein Hauch verweilen.
Ich spüre, wie meine Bluse an meiner Haut klebt. Der Schweiß ist fein, fast nicht wahrnehmbar. Eine primitive Warnung.
Ich bin nicht allein.
Ich setze meinen Spaziergang fort, zügiger. Die Schlüssel hielt ich in der Hand. Ich versuche, nicht wegzulaufen. Um dem Schatten keinen Grund zu geben, mich zu verfolgen.
Meine Tür. Endlich. Nur ein paar Schritte entfernt.
Ich mache einen Schritt nach vorne. Zwei. Ich wollte gerade nach dem Schloss greifen, als...
„Du solltest so spät nicht alleine gehen.
Die Stimme.
Schwer. Dunkel. Sanft wie eine Liebkosung.
Aber zu nah.
Direkt hinter mir.
Plötzlich drehe ich mich außer Atem um.
Er ist da.
Rechts. Imposant. Still wie der Tod.
Und so schön, dass ich meinen Vornamen vergessen habe.
Groß. Schlank. Ein eleganter schwarzer Mantel, vom Wind gespalten. Ein dunkles Shirt, das unter dem Stoff einen angespannten Oberkörper umschmeichelt. Mittellanges schwarzes Haar, das ein Gesicht mit klaren, fast unwirklichen Linien umrahmt. Eine lebende Skulptur. Und diese Augen.
Seine Augen.
Nicht menschlich.
Ein dunkles, tiefes, abgründiges Grün.
Sie verschlingen mich ganz.
Ich kann nicht wegsehen. Mein Atem stockt.
Und ich verstehe.
Er muss nicht sprechen. Ich weiß es.
Er ist kein Mann.
Nicht ganz.
Es ist eine Gewissheit, die sich in meine Knochen eingraviert hat, in jeden hektischen Schlag meines Herzens.
„Ich… wer bist du?“ Ich stammelte, meine Stimme brach.
Er lächelt. Langsam. Zahnlos. Noch nicht.
— Du hast einen seltsamen Geruch.
Ich trete zurück. Instinktiv.
Er bewegt sich vorwärts. Nur ein Schritt. Genug, damit er in meine Blase, meine Wärme, meine Angst eindringt.
Aber es ist keine Angst. Nicht nur das.
Es ist etwas anderes. Bewölkter.
Eine Spannung. Eine leichte Wärme in meinem Magen.
Ein verbotener Nervenkitzel.
Er beobachtet mich. Von Kopf bis Fuß. Sein Blick bleibt hängen. Zu lange auf meinen Lippen. Meine Kehle.
Er zieht mich ohne jede Bewegung aus.
„Du schreist nicht“, stellt er fest.
– Sollte ich? Ich flüsterte.
Er neigt leicht amüsiert den Kopf. Handlung.
– Du hast Angst. Aber nicht genug. Es ist beunruhigend.
Er kommt wieder näher.
Seine Finger streichen über meine Wange.
Eine Berührung. Als würde er meine Haut schmecken, ohne sie wirklich zu berühren.
Ich unterdrücke einen Schauer. Zu spät. Er hat es gesehen.
Sein Blick verweilt wieder auf meiner nackten Kehle.
Ich spüre, wie mein Herz gegen meine Rippen schlägt.
Er muss es hören. Fühle es. Ich will es.
„Ich sollte dich nicht am Leben lassen“, flüstert er.
Seine Stimme hat sich nicht verändert. Immer noch so süß.
Aber seine Worte sind Klingen.
Ich sollte schreien. Schlag ihn. Fliehen.
Aber ich bleibe.
Ich zittere.
Ich brenne.
Seine Lippen nähern sich. Langsam.
Sie berühren meine fast.
Ich spüre seinen Atem.
Er riecht nach Wald. Der Regen. Feuer. Das Blut.
Und noch etwas. Ein Hunger.
Ein Verlangen, das so stark ist, dass es mich durchdringt, dass es mich zerreißt.
Ich schließe meine Augen.
Ich warte darauf.
Lass ihn mich küssen.
Lass ihn mich beißen.
Lass ihn mich nehmen.
Aber er macht nichts.
Er bleibt dort.
Und haucht mir ins Ohr, so leise, dass ich am ganzen Körper zittere:
– Geh nach Hause, Isis.
Mein Name. Er kennt meinen Namen.
Als ich meine Augen öffne, ist er nicht mehr da.
Die Leere um mich herum ist gefroren.
Die Luft kam zurück. Aber ich ersticke.
Ich bleibe da, allein, außer Atem, die Beine wie Watte, die Haut brennt.
Herzklopfen.
Mein Magen ist verkrampft.
Der Körper streckte sich der Abwesenheit entgegen.
Und zum ersten Mal seit langer Zeit...
Ich wünsche.
Kein Traum.
Keine Fantasie.
Ich begehre diesen Fremden mit seinen schattigen Augen.
Ich möchte ihn wiedersehen.
Ich möchte seine Stimme, seinen Blick, seinen Atem, seine Präsenz.
Auch wenn es mich lebendig verbrennt.
