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Kapitel 2

Nach dem Gespräch mit Nadja konnte ich nicht länger warten. Die Entschlossenheit, die meine Freundin mir gegeben hatte, ließ keinen Raum mehr für Zweifel oder Rückzug. Gleich nach der Arbeit fuhr ich in ein nahegelegenes Elektronikgeschäft. Dort wählte ich schnell die kleinsten und unauffälligsten Kameras aus, die sich leicht mit dem Handy verbinden ließen und sowohl Ton als auch Video aufnehmen konnten. Nachdem ich die kleinen Schachteln tief in meiner Tasche verstaut hatte, machte ich mich auf den Weg nach Hause.

Jeder Schritt fiel mir schwerer als der vorherige. Mein Herz schlug heftig in der Brust, und in mir brodelten Schmerz und Wut. Vor meinen Augen stand immer wieder das Bild, wie Maxim gemeinsam mit seiner Mutter kaltblütig darüber sprach, welche Tabletten sie mir geben müssten, um meine Schwangerschaft zu verhindern. Die Tränen des Verrats schnürten mir die Kehle zu, doch ich zwang mich, mich zusammenzureißen und mit einem gleichgültigen Gesichtsausdruck die Wohnung zu betreten.

— Anjatschka, du bist heute früher da, — lächelte Maxim und kam mir sofort entgegen. In seinen Händen hielt er frischen Tee, den er fürsorglich vor mich stellte. Früher hätte ich in dieser Geste aufrichtige Liebe und Fürsorge gesehen, doch jetzt erkannte ich darin nur noch eine grausame Lüge.

Mit Mühe hielt ich mich davon ab, die Tasse wegzustoßen und ihn anzuschreien. Stattdessen wandte ich vorsichtig den Blick ab und sagte leise:

— Mir geht es heute schlecht, ich habe starke Migräne. Ich habe den ganzen Tag mit Dokumenten gearbeitet und bin müde. Ich werde nicht zu Abend essen, entschuldige.

Er sah überrascht und besorgt aus.

— Soll ich dir vielleicht ein Bad vorbereiten? Dann geht es dir bestimmt besser.

Ich schüttelte den Kopf und versuchte, ein müdes Lächeln aufzusetzen.

— Nein, ich möchte einfach nur schlafen gehen. Bitte störe mich nicht.

Maxim nickte mit scheinbarem Mitgefühl und ging zurück in die Küche. Vorsichtig ging ich ins Schlafzimmer, schloss die Tür hinter mir und ließ mich auf das Bett fallen. Mein Herz zerriss vor Schmerz, und meine Gedanken wirbelten in meinem Kopf, ohne mir Ruhe zu lassen.

Wie hatte ich nur so naiv sein können? Ich erinnerte mich an die ersten Jahre unseres gemeinsamen Lebens. Gleich nach dem Studium bekam ich eine ausgezeichnete Stelle in einem angesehenen Unternehmen. Ich war erfolgreich, selbstbewusst und unabhängig. Und dann tauchte Maxim auf — so fürsorglich, so aufmerksam. Ich glaubte, es sei Schicksal, dass er meine wahre Familie sei, von der ich immer geträumt hatte, während ich im Waisenhaus aufgewachsen war. Für mich war seine Familie wie ein Märchen geworden: seine Mutter wie eine zweite Mutter und seine Schwester fast wie eine eigene Schwester.

Erst jetzt, wenn ich auf die Vergangenheit aus einer anderen Perspektive blickte, sah ich alles anders. Jetzt wurde mir klar, dass ich für diese Menschen nur eine Geldquelle gewesen war. Ich bezahlte alles: die Hypothek für die große Dreizimmerwohnung, in der wir alle lebten, die Rechnungen, die Einkäufe, die Medikamente. Und kein einziges Mal fragte ich meine Schwiegermutter, wohin das Geld ging, das sie aus der Vermietung ihrer eigenen Wohnung erhielt. Jedes Mal, wenn sie um Geld baten — für Renovierungen, für die Behandlung von Maxims Schwester, für neue Möbel oder eine Reise — stimmte ich zu, ohne Fragen zu stellen. Ich glaubte einfach, dass es so sein sollte, dass eine Familie einander hilft.

Erst jetzt begriff ich, wie zynisch sie meine Güte und meinen Wunsch nach einer echten, starken Familie ausgenutzt hatten. Maxim, der jeden Tag für mich kochte, der mir Tee brachte und sagte, er sei gut für meine Gesundheit. Ich hielt seine Fürsorge für Liebe und Aufmerksamkeit, doch in Wirklichkeit war sie nur ein Teil ihres schrecklichen Plans gewesen.

Nun lag ich auf dem Bett und weinte leise, während Schmerz und Kränkung mich völlig einnahmen. Warum hatte ich all diese offensichtlichen Dinge nicht früher gesehen? Warum hatte ich so lange zugelassen, dass man mich ausnutzt?

Doch jetzt würde alles anders sein. Ich würde ihnen nicht mehr erlauben, mich zu manipulieren. Ich hatte einen Plan, und ich würde nicht zurückweichen. Diese Kameras würden zu meiner Waffe werden — zu meiner Möglichkeit, mich zu schützen und diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die so grausam mit meinem Leben gespielt hatten.

Mit diesem Gedanken beruhigte ich mich allmählich. Der Schlaf kam lange nicht, doch schließlich gewann die Müdigkeit die Oberhand, und ich versank in einen schweren, unruhigen Schlaf — im Wissen, dass morgen ein neuer Abschnitt meines Lebens beginnen würde.

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