
Zusammenfassung
Ich schreckte hoch und schrie. Meine Hände fuhren mir zum Hals - tasteten nach Wunden, nach Blut - aber da war nichts. Es hatte sich so real angefühlt. Die Zähne, die sich in meinen Arm bohrten, während ich gegen unsere Haustür hämmerte und David anflehte, mich hereinzulassen. Neben mir sagte David: „Halt dich zurück. Einige von uns haben morgen wichtige Termine.“ Dann drehte er sich weg. Doch es war kein gewöhnlicher Albtraum. Drei Wochen später - ein Virenausbruch in Bangkok. Die Toten wandelten. Und David ließ mich draußen. Für eine andere Frau. Ich fand die E-Mails. Die Affäre. Seinen Plan. Aber ich fand auch etwas anderes: einen Artikel über einen infizierten Forscher in Bangkok. Sein Name: Dr. Somporn Chitprasert. Das Glas rutschte mir aus der Hand und zerschellte auf den Fliesen. Der Traum war echt. Und ich hatte nur noch wenige Tage, um zu überleben.
Kapitel 1
Ich schreckte hoch und schrie.
Meine Hände fuhren mir zum Hals - tasteten hektisch nach Wunden, nach Blut - aber da war nichts. Mein Herz raste so wild, ich dachte, es zerspringt mir gleich in der Brust.
Es hatte sich so real angefühlt. Das verfaulte Fleisch. Die milchigen Augen. Die Zähne, die sich in meinen Arm bohrten, während ich hilflos gegen unsere Haustür hämmerte und David anflehte, mich hereinzulassen.
„Emilia? Jesus, was ist denn los?“ Davids Stimme kam von neben mir, verschlafen und genervt.
Ich drehte mich zu meinem Mann um. Im schwachen Licht, das durch unsere Schlafzimmervorhänge drang, wirkte sein Gesicht fast fremd. Seine Augen - kalt. Wann war das passiert?
„Nur ein Albtraum“, flüsterte ich, meine Stimme zitterte noch.
Er drehte sich von mir weg. „Na, dann halt dich zurück. Einige von uns haben morgen wichtige Termine.“
Ich saß da im Dunkeln, mein Puls raste immer noch. Es war nicht nur ein Albtraum. Das konnte nicht sein. Die Details - zu klar, zu genau, um nur ein Traum zu sein.
Im Traum - da lief es an einem Dienstag an. In drei Wochen. Die ersten Meldungen über einen neuen Virenausbruch in Südostasien. Bis Freitag hatte er sich an die Westküste ausgebreitet. Innerhalb von zehn Tagen wandelten die Toten.
Und David? Der ließ mich nicht rein. Stand da, hinter der Tür unseres Hauses in Greenwood Hills, der bewachten Siedlung vierzig Minuten vor Seattle - und ließ mich draußen. Stattdessen hatte er jemand anderen hereingelassen. Eine Frau - honigfarbenes Haar, und ihr Lachen... das kannte ich.
Mir wurde übel. Nicht nur wegen des Traums, sondern wegen etwas anderem. Etwas, das ich seit Monaten ignorierte.
Ich schlüpfte aus dem Bett und ging nach unten in Davids Büro. Er schloss es nie ab - warum auch? Ich war seine Frau. Er vertraute mir.
Oder vielleicht dachte er einfach, ich wäre nicht schlau genug, um etwas zu finden.
Sein Laptop lag auf dem Schreibtisch, noch warm. Er musste schon wieder lange gearbeitet haben - oder das behauptete er zumindest.
Ich klappte ihn auf. Kein Passwort - ein weiteres Zeichen seiner Arroganz. Der Bildschirm leuchtete auf und zeigte seinen E-Mail-Posteingang.
Und da war es. Ein Thread mit „Melissa“ ganz oben. Der Satz, den ich im Vorschautext las - er traf mich wie ein Schlag:
„Kann das Wochenende kaum erwarten. Das Übliche buchen? Liebe dich.“
Meine Finger zitterten, während ich mich durch die Nachrichten las - eine schlimmer als die andere. Sie planten Treffen. Sie redeten über mich - wie „anhänglich“ ich sei, wie ich ihn „nicht verstehen würde“. Wie er nur auf den richtigen Zeitpunkt warte, um zu gehen.
Aber gehen würde er nicht. Wirklich nicht. Denn David liebte unser Haus. Das weitläufige Anwesen mit fünf Schlafzimmern, der Dreifachgarage und dem beheizten Pool. Das Haus, das mein Trust Fund gekauft hatte - das Geld, das meine Großeltern mir hinterlassen hatten.
Ich klappte den Laptop vorsichtig zu. Mein Kopf raste.
Der Traum. Die Affäre. Zwei getrennte Katastrophen - oder hingen sie zusammen?
Ich ging in die Küche und schenkte mir mit zitternden Händen ein Glas Wasser ein. Im dunklen Fenster - mein eigenes Gesicht. Ich sah mich an, und ich wusste nicht: Bin ich das noch? Zweiunddreißig Jahre alt, meine braunen Haare vom Schlaf zerzaust, meine grünen Augen weit vor Angst.
Verlor ich den Verstand? Oder versuchte mein Unterbewusstsein, mich vor etwas zu warnen?
Ich holte mein Handy heraus und suchte nach „Virenausbruch“ mit dem heutigen Datum. Nichts Ungewöhnliches. Nur das normale Hintergrundrauschen der globalen Gesundheitsüberwachung.
Aber dann erinnerte ich mich an etwas aus dem Traum. Ein spezifisches Detail. Der Ausbruch hatte in einer Forschungseinrichtung in Bangkok begonnen. Mutiertes Tollwutvirus, hatten sie es anfangs genannt. Patient Null war ein Labortechniker namens Dr. Somporn.
Ich suchte nochmal - mit „Bangkok Forschungseinrichtung Tollwut“.
Ein Ergebnis. Ein winziger Artikel von einer thailändischen Nachrichtenseite, erst gestern veröffentlicht. Ein Forscher war nach versehentlichem Kontakt mit einem modifizierten Tollwutstamm ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Einrichtung stand unter Quarantäne. Sein Name: Dr. Somporn Chitprasert.
Das Glas rutschte mir aus der Hand und zerschellte auf den Fliesen.
Es war echt. Der Traum war echt.
---
