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Kapitel 5 - Sie holten sie zurück

Im Nu waren wieder drei Jahre vergangen...

Flughafen Forough International.

Hanne Salzer kam mit ihrem Gepäckwagen aus der Sicherheitskontrolle. Ihr schminkfreies Gesicht zeigte ein Paar lebendiger mandelförmige Augen, die sich umsahen. Ihr Blick strahlte eine Gelassenheit aus, die man in ihrem Alter selten sah.

Schließlich entdeckte sie in der Menge Elmar Heun, den Fahrer der Familie Lasch, der ein Schild mit „Hanne Salzer“ hochhielt.

Hanne Salzer ging auf ihn zu und lächelte leicht. „Elmar.“

Elmar Heun betrachtete Hanne Salzer, ein Hauch von Überraschung glitt durch seine Augen.

„Du bist... Frau Salzer?“

„Ja.“ Hanne Salzer nickte mit einem sanften Lächeln.

Sie war sich der Veränderung der letzten vier Jahre durchaus bewusst. Sie war schlanker und auch etwas größer geworden.

„Na so was, du bist ja noch hübscher geworden, aus dem Mädchen von damals ist eine wahre Schönheit geworden.“

Nach der kurzen Verblüffung überzog ein breites Lächeln Elmar Heuns Gesicht, und er lobte sie.

„Elmar, du übertreibst.“

„Komm, steig ein.“

Nach einem kurzen Austausch von Höflichkeiten führte Elmar Heun Hanne Salzer aus dem Flughafen. „Der Wagen steht direkt vor dem Eingang. Frau Raffaela Waldow wartet schon auf dich und hat seit Tagen von nichts anderem gesprochen.“

Draußen stieg Hanne Salzer ins Auto.

Als der Wagen losfuhr, war sie sich sicher: Die Familie Lasch hatte nur einen Fahrer geschickt. Von Cäsar Lasch fehlte jede Spur.

Schließlich hielt der Wagen vor dem Pflegeheim im Stadtteil Flicledo.

Raffaela Waldow war herzkrank und stand unmittelbar vor einer Operation.

Das war auch der Grund, warum sie Hanne Salzer nach drei Jahren zurückholten - die Operation barg Risiken, und Raffaela Waldow fürchtete, falls etwas schiefginge...

Deshalb wollte sie Hanne Salzer vor dem Eingriff noch einmal sehen.

Schon vor der Zimmertür war Raffaela Waldows Stimme zu hören.

„Ist sie noch nicht da? Was dauert das so lange?“

Klopf, klopf.

Elmar Heun trat vor und klopfte an die Tür.

„Herein!“

Elmar Heun trat zur Seite und ließ Hanne Salzer eintreten. „Frau Salzer, bitte.“

„Danke.“

Hanne Salzer nickte, öffnete die Tür und trat ein.

„Hanne?“

Raffaela Waldow reckte den Hals, erblickte das Mädchen an der Tür, das Hanne Salzer ähnelte, war sich aber nicht sicher.

„Raffaela.“

Hanne Salzer ging schnell zu ihr hin.

Raffaela Waldow streckte ihr die Hand entgegen, konnte ihre Bewegung kaum verbergen. „Komm, komm her und lass mich dich ansehen.“

Hanne Salzer ließ es willig geschehen, dass Raffaela Waldow ihre Hand nahm und sie eingehend musterte.

„Gut, sehr gut.“

Raffaela Waldows Augen wurden feucht, ihre Stimme brach. „Du bist erwachsen geworden, zu einer jungen Frau.“

Als sie vor drei Jahren gegangen war, hatte sie noch ein rundes, kindliches Gesicht gehabt.

„Cäsar wollte nicht, dass ich Kontakt zu dir habe, sagte, du müsstest selbstständig werden. Sieht so aus, als hätte es dir gutgetan, nicht wahr?“

Bei diesen Worten zuckte Hanne Salzer zusammen, widersprach aber nicht und nickte lächelnd. „Du hast recht.“

Ihr so folgsames Wesen, im Vergleich zu früher, erfüllte Raffaela Waldow mit noch größerer Genugtuung. Sie klopfte Hanne Salzers Hand und sagte wehmütig:

„Hast du in all den Jahren deine schlechten Angewohnheiten abgelegt?“

Hanne Salzer zuckte erneut zusammen. Sie antwortete nicht direkt, sondern sagte nur: „Früher war ich unreif und habe dir viele Sorgen bereitet.“

Raffaela Waldow seufzte. „Dein Temperament war früher wirklich etwas verwöhnt.“

Hanne Salzer presste die Lippen zusammen und widersprach nicht.

Raffaela Waldow strich Hanne Salzer über die Schläfenhaare und sagte gerührt: „Ich sehe, du bist anders als früher. Du musst mir nicht böse sein, dass ich so streng war, es war nur zu deinem Besten. Von nun an führ ein gutes Leben, du bleibst meine liebste Enkelin.“

„Ich verstehe, Raffaela.“

Hanne Salzer nickte und ballte unbemerkt die Hände.

Nachdem sie noch eine Weile mit der alten Dame geplaudert hatte, wurde Raffaela Waldow müde und brauchte Ruhe.

„Ich halte dich nicht länger auf. Du bist heute erst angekommen, lass dich vom Fahrer nach Hause bringen und ruhe dich gut aus.“

„In Ordnung, Raffaela.“

Nach dem Verlassen des Pflegeheims brachte Elmar Heun Hanne Salzer zur Wohnung am Brine - ihrem ehemaligen Eheheim mit Cäsar Lasch.

„Frau Salzer, ruhe dich gut aus. Ich verabschiede mich.“

„Danke, Elmar.“

Hanne Salzer stand lange vor der Tür der Wohnung am Brine. Schließlich holte sie tief Luft, öffnete die Tür und trat ein.

Ihre Hand zitterte, als sie den Schlüssel umdrehte.

Wenn sie nur irgendwo anders hätte hingehen können, wäre sie diesem Haus nie wieder beigetreten.

Doch was blieb ihr anderes übrig? Sie war arm.

Ihr Geld musste sie zusammennehmen, jeden Cent zweimal umdrehen. Lieber hätte sie auf der Straße geschlafen, als es dafür auszugeben.

In der Wohnung am Brine zu wohnen bedeutete höchstens, Cäsar Laschs missbilligende Blicke zu ertragen.

In den letzten Jahren hatte sie genug verächtliche Blicke abbekommen. Gegen verächtliche Blicke war sie inzwischen immun geworden.

Im Eingangsbereich stellte Hanne Salzer ihren Koffer in eine Ecke.

Sie nahm ihre Toilettenartikel und die Kleidung heraus, die sie heute noch wechseln wollte. Den Rest ließ sie unberührt.

Sie würde nicht lange hier bleiben, nur ein paar Tage zur Überbrückung, bis sie eine andere Unterkunft gefunden hatte. Da war es nicht nötig, viel auszupacken.

Hanne Salzer duschte im Gästebad im Erdgeschoss, wusch den Staub und die Müdigkeit der Reise ab.

Die Dunkelheit brach allmählich herein, Cäsar Lasch war noch nicht zurück.

Sie ging in die Küche und sah nach. Nach längerem Suchen fand sie eine Packung Ramen, die fast abgelaufen war.

Außerdem waren noch ein paar Eier im Kühlschrank.

Sie setzte Wasser im Topf auf und begann, die Nudeln zu kochen.

Ramen, dazu ein Spiegelei.

Hanne Salzer nahm die Schüssel, schloss genießerisch die Augen und atmete tief ein. „Das riecht gut.“

Sie hatte lange kein so anständiges Essen mehr gehabt.

Sie griff nach den Gabel, gerade als sie essen wollte.

Aus dem Flur kam ein Geräusch.

Hanne Salzer erstarrte. Er war es... Cäsar Lasch, er war zurück.

Schon im Eingang roch Cäsar Lasch Essensgeruch.

Er runzelte sofort die Stirn. „Was ist das für ein Geruch?“

Im Wohnzimmer brannte Licht, ebenso in der Küche. War jemand im Haus? Wie konnte das sein? Ein Einbrecher?

Dabei galt die Sicherheit der Wohnung am Brine als erstklassig. Selbst die Nachbarsmaus würde zweimal überlegen, ob sie es lebend hereinschaffte.

„Wer ist da?!“

Cäsar Laschs Gesicht verdüsterte sich. „Komm sofort raus!“, herrschte er die unsichtbare Person an.

„Ich komme!“

Auf den Ruf hin antwortete Hanne Salzer, kam angelaufen und blieb vor ihm stehen, die Hände vor dem Körper gefaltet.

Sie sprach leise und bedächtig. „Du bist zurück.“

Einen Moment lang war Cäsar Lasch wie versteinert.

Das Mädchen vor ihm war groß und schlank, sehr hübsch, mit besonders lebendigen großen Augen.

Er kannte sie nicht.

Und doch hatte er ein starkes Gefühl der Vertrautheit.

Trotzdem hellte sich Cäsar Laschs Miene nicht im Geringsten auf. Er mochte es überhaupt nicht, wenn jemand in seinen privaten Bereich eindrang.

Ganz gleich aus welchem Grund.

„Wer bist du?“

„Wie bist du reingekommen?“

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