9/Mehr als nur eine gute Freundin
"Wie, du weißt nicht wo du bist?!", schreite Lenora entsetzt ins Handy, wobei ich zusammenzuckte.
"Ach keine Ahnung! Irgendein Spasti hat mich hierhergefahren, abgesetzt und ist weitergefahren."
"Was ein kleiner Hurensohn.", hörte ich sie flüstern, als wäre es illegal so etwas zu sagen. Dabei hat sie ihn richtig bezeichnet.
"Jap, das denke ich auch."
"Soll ich dich abholen?", fragte sie schließlich.
Ich atmete ein und wieder aus.
Ob ich wollte, dass sie mich abholt?
Hm.
Sie wusste ja noch nicht einmal, wo ich mich befand.
"Wie willst du herausfinden, wo ich bin?", überlegte ich etwas laut.
"Ach, das ist kein Problem. Das schaffe ich. Nur...willst du, dass ich dich abhole...?"
Kurz überlegte ich, entschied mich aber am Ende für ein "Ja.".
Nur um Kaden zu zeigen, dass ich auch ohne ihn klar kam.
"Ja. Hol mich ab. Wie auch immer das anstellen willst.", gab ich entschlossen von mir.
[...]
Ich starrte jetzt schon eine anderthalb Stunden auf den See und wartete auf Lenora. Meine Miene verzog sich nicht ein bisschen, das konnte ich spüren. Enttäuschung machte sich in mir breit. Warum zum Teufel hat er mich im Stich gelassen? Ich meine, ich habe zwar die ganze Zeit versucht, ihm zu entfliehen, aber irgendwie fühlte es sich nicht richtig an.
Kurze Zeit später hörte ich einen Sportwagen brummen, ich drehte mich um und ein Porsche 911 bremste direkt vor meiner Nase. Ich erhob mich und versuchte durch die Scheiben zu erkennen, wer sich darin befand. Bevor ich es herausfinden konnte, stieg die Person aus und ich spürte einen meiner Mundwinkel zucken.
Lenora.
Auch sie fing an zu lächeln und ich hatte zum ersten Mal wieder das Gefühl, mich wohlzufühlen. Zumal ich sie ja schon lange kannte.
"Baby!" Sie lief zu mir, mit ausgetreckten Armen und umarmte mich. Trotz, dass wir in der letzten Zeit wenig miteinander gesprochen haben, erwiederte ich ihre Umarmung. Ich weiß, dass sie es immer gut mit mir meinte.
"Hi!", begrüßte auch ich sie endlich glücklich. Freudetränen überkamen mich und nicht nur sie sondern auch ich runzelte die Stirn. Mein erstes Mal, Freudestränen.
"Wie hast du mich gefunden?", begann ich das Gespräch zuerst. Sie zog ihr Handy aus ihrer Jackentasche, tippte kurz etwas darauf und zeigte es mir schließlich. Ich erkannte sofort eine Karte. "Ist das Google-Maps?"
Sie formte ihre Augen zu Schlitzen. "Mhm, nicht ganz. Die App hier zeigt mir deinen Standort. Du hattest deinen GPS an."
Ich musste wieder die Stirn runzeln.
"Hä, was? Aber dann hätte ich ja auch meinen Standort herausfinden können. Ich hatte aber keinen Netz."
Sie zuckte die Schultern. Aber ich glaube, sie wusste ganz genau, wie sie es herausgefunden hatte.
"Komm jetzt mit." Sie zog mich an meinem Arm, wir stiegen in ihren schwarzen Porsche und ich musste kurz pfeifen. "Poah, krasse Maschine."
"Ich verdiene ja auch gut." Sie zwinkerte und ich wusste direkt, was sie meinte. Ich meine, ich konnte mir auch vieles leisten, aber anderen erzählen, als was ich arbeite, wenn sie mich fragten?
Ich weiß ja nicht.
Sie startete den Wagen und der Motor machte ein beeindruckendes Geräusch, was uns beiden ein Lächeln auf's Gesicht zauberte. Ich ließ meinen Blick während der Fahrt auf die wunderschöne Landschaft schweifen und schloss meine Augen.
Als ich sie wieder öffnete, fühlten sie sich schwer und trocken an. Ich schien wohl eingenickt zu sein. Als ich wieder aus dem Fenster schaute, waren wir schon in der City und sofort kamen Fragen in meinem Kopf, wie, ob ich wieder sofort zur Arbeit gehen sollte.
"Wir fahren jetzt zu mir nach Hause. Du gehst jetzt erstmal die nächsten Tage nicht zur Arbeit, verstanden?! Es scheint gerade nämlich echt gefährlich im Club!", beantwortete sie meine nicht-gestellten Fragen. Ich nickte. Sie schien es auch schon mitbekommen zu haben.
Sie parkte irgendwann an einem Parkplatz und wir stiegen aus. Es war tatsächlich schon dunkel. Ich folgte ihr hoch zu ihrem Apartment.
Als sie die Tür aufschloss, betraten wir ein Paradies. Ich drehte meinen Kopf gefühlt um 180 Grad, so schön war es hier. Weiße Wände mit leichten Goldverzierungen, sowie helle Gardinen die durch das Zimmer wehten. Ein schwarzes Sofa, was echt gemütlich aussah, sowie ein großer Leinwandfernseher an der Wad stoch mir direkt ins Auge.
"Übrigens etwas wichtiges: Wir gehen morgen zu 'nem Basketballspiel, da spielt sogar mein Lieblingsspieler mit. Ich habe zwei Tickets gekauft, du kommst auf jeden Fall mit, ich lass dich hier nicht alleine.", teilte sie mir mit.
Ich murmelte ein leises "Mhm", beeindruckt von ihrem Stilgeschmack.
Ein Basketballspiel könnte jetzt echt nicht schaden, ich liebte Basketball. Es konnte nur besser werden...
...
