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3. Kapitel, Bonnie

3. Kapitel, Bonnie

„Nur eine Stunde.“

„Nein.“ Sie schüttelte entschlossen ihren Kopf, während ich kurz davor war, sie auf Knien

anzuflehen.

Ich hatte vor einer halben Stunde ein Vorhaben in meinem Kopf, welches ich unbedingt umsetzen

wollte. In der Suchmaschine war ich auf ein paar tolle Fotospots gestoßen und eines davon konnte

ich mir bei nächtlichem Regen richtig gut vorstellen.

Meine heiß geliebte Kamera hatte ich dafür schon demonstrativ auf die Kommode in den Flur

gelegt, nebst einer Tasche unterschiedlichster Objektive.

Meine Chancen hatte ich mir natürlich nicht allzu hoch ausgerechnet, doch was soll ́s.

„Ich will mir doch nur die Gegend ansehen.“, blieb ich hartnäckig.

„Das kannst du auch tun, wenn es nicht regnet. Vor allem, Bonnie, was erhoffst du dir, im dunklen

besichtigen zu können? Betrunkene Partylümmel?“

„Komm schon, Mum.“

Meine Lippen zogen einen Flunsch.

„Hast du schon Mal auf die Uhr gesehen?“ Entschlossen schüttelte sie mit ihrem Kopf.

„Und du auf den Kalender? Ich bin siebzehn, Mum.“, antwortete ich verärgert. Zornig stemmte ich

meine Hände in meine Hüften und funkelte sie an.

„Ja, und krank! Heute gehst du nicht durch diese Tür, und damit ist die Diskussion beendet.“,

entgegnete sie hart und verzog dabei keine Miene. Nicht einmal ihre Augenlider zuckten.

Mum konnte härter sein, als ein Legostein unter dem Fuß.

„Schön!“, brüllte ich ihr zu und hörte noch, wie sie so etwas sagte, wie: „Nicht in diesem Ton,

Fräulein!“, da machte ich schon die Kehrtwende und hastete lautstark die Treppen hoch zu meinem

Zimmer.

Dort angekommen knallte ich die Türe zu, sodass ich mich selbst von ihrem Knall kurz erschreckte

und zusammenzuckte. Der Schreck war jedoch nur von kurzer Dauer.

Wutentbrannt schnappte ich mir sogleich ein hellgrünes Kissen, um es frustriert gegen die Wand zu

werfen, wo es nach einem dumpfen Knall auf den Boden fiel.

Mittlerweile fühlte ich mich in etwa so, wie ein Goldfisch im Glas.

Gefangen und sich nur im Kreis drehend.

Ich wünschte mir einfach mehr.

Natürlich war ich meiner Mutter für ihre Fürsorge sehr dankbar und ich schätzte sie, aber ab und an

schoss sie weit über das Ziel hinaus.

Mein Leben war in dicke Ketten gelegt, welche ich nicht durchbrechen konnte.

Seufzend warf ich meinen Blick durch das Fenster, welches genau so ausgerichtet war, durch das

gegenüberliegende Fenster sehen zu können, wo das Licht brannte.

Neugierig stand ich auf und zupfte die lilafarbenen Gardinen etwas zur Seite.

Trotz dessen, dass das gegenüberliegende Haus gute fünf Meter von unserem entfernt war, konnte

ich ein paar Bandposter entdecken, die ziemlich Rockig aussahen.

Eine schwarze Gitarre prangte an der Wand, und ein Schreibtisch samt Stuhl stand vor dem Fenster.

Schwere, schwarze Vorhänge hingen an den Seiten.

Angestrengt versuchte ich die Bandposter zu identifizieren, als plötzlich jemand durch das Zimmer

ging.

Aufgeschreckt zuckte ich zur Seite und presste meine Hand auf mein pochendes Herz.

Ich hatte nur für den Bruchteil einer Sekunde seine Statur sehen können, und doch war ich mir

sicher, dass es ein Typ in meinem Alter sein musste.

Und mit derselben Vorliebe für schwarze Klamotten.

Ich spähte noch einmal neugierig an meinen Vorhängen vorbei, doch nun lag das Zimmer in

Dunkelheit.

Vermutlich war er schlafen gegangen und somit verschwand auch das einzig interessante, was es

bisher hier zu sehen gab.

Ich schnappte mir also ein Buch von meinem Regal und flenzte mich damit auf mein Bett.

Wenigstens Gedanklich konnte ich so eine Weile aus meinem Gefängnis entkommen.

Etwa eine Stunde lang schaffte ich es, mich auf die Geschichte zu konzentrieren, bis ich dann

neidisch das Buch zuschlug.

Die Personen in den Geschichten erlebten immer so vieles, während ich lediglich eine Reihe an

Wohnorten und Ärzten aufweisen konnte.

Aber ich wusste nicht, wie sich das salzige Meer um meine Knöchel anfühlte oder der grobkörnige

Sand unter meinen Zehen anfühlte.

Ich wusste nicht, wie es sich anfühlte, jemanden zu Küssen oder überhaupt mal nach einem Date

gefragt zu werden.

Ich wusste nicht, um welcher Uhrzeit Eis am Besten schmeckte und ich wusste schlichtweg nicht,

wie es sich anfühlte, zu Leben.

Leichtfüßig sprang ich auf und knipste das Licht der Stehlampe aus, welche neben dem Regal stand.

Dann ging ich zum Fenster und wollte gerade die Vorhänge wieder zuziehen, als ich im

Augenwinkel bemerkte, dass sich etwas im Zimmer gegenüber von meinem rührte.

Gespannt wartete ich ab; im Schutze der Dunkelheit würde er mich wohl sowieso nicht bemerken.

Gerade öffnete er sein Fenster und warf leise einen rostroten Rucksack auf die Wiese. Verhüllt in

dunklen Klamotten samt Kapuze, welche ihm tief in die Stirn hing, schwang er sich dann von

seinem Fensterbrett hinunter.

Als er losließ, stieß er sich mit einem Bein von der Mauer ab und kam kniend auf den Boden auf,

was ihn absolut keine Schmerzen zu verursachen schien.

Im Gegenteil, bei ihm sah jede Bewegung spielerisch leicht aus, so, wie als würde er dies jeden Tag

machen.

Kurz blickte er sich einmal nach allen Seiten um, ehe er sich seinen Rucksack schnappte, diesen

über seine Schulter schwang und geduckt das Grundstück verließ.

Da fühlte sich wohl noch jemand wie ein Goldfisch im Glas.

Er hatte jedoch scheinbar einen Weg gefunden, um aus dem Glas zu entkommen und mir damit

sogar unbewusst eine Falltüre geöffnet.

Meine Mutter hatte lediglich gesagt, dass ich nicht durch die Tür gehen dürfte.. Von dem Fenster

jedoch war keine Rede gewesen.

Plötzlich sammelte sich das Adrenalin in meinem Körper und flink zog ich mir einen schwarzen

Hoodie über und schnappte mir dann noch schnell meine Kamera, welche ich mir Mithilfe eines

Riemens um meine Schulter legte.

Leise fischte ich aus einem der Kartons ein paar Schuhe und öffnete dann mein Fensterbrett.

So vorsichtig wie möglich setzte ich mich an die Kante, ehe ich meine Schuhe anzog und noch

einmal tief durchatmete.

Ich konnte die Freiheit förmlich riechen.

Und dann sprang ich.

Unsanft kam ich auf der vom Regen nassen Wiese auf und hielt mir stöhnend meine Knöchel. Sie

brannten, waren jedoch sonst unversehrt, während meine rechte Hand eine kleine Schürfwunde an

der Handinnenfläche aufwies.

Doch den stechenden Schmerz nahm ich vor der Euphorie gar nicht erst wahr.

Endlich konnte ich einmal das tun, was ich gerne wollen würde, ohne einen Aufpasser an meiner

Seite.

Ich kam mir sogar ein wenig dumm vor, dass mir so eine simple Sache wie aus einem Fenster zu

klettern nicht eingefallen war. Dabei hatte ich so oft die Gelegenheit dazu gehabt. Und Mal unter

uns gesagt – ich war Siebzehn. Siebzehn! Da wird man sich wohl ein wenig Amüsieren dürfen.

Nach einem letzten Blick zu meinem Fenster schlich ich mich geduckt, im Schutze der Dunkelheit,

die Hauswand entlang, bis ich bei unserem Gartenzaun ankam.

Durch das Tor zu gehen, würde mit Sicherheit den Bewegungsmelder aktivieren und der gesamte

Eingang wäre beleuchtet und ich somit gut sichtbar.

Deshalb entschloss ich mich zu der nächsten Königsdisziplin: Über den Zaun klettern.

Zum Glück fiel mir das leichter als gedacht und kurze Zeit später stand ich auf dem Bürgersteig.

Die Laternen warfen ein eigenartiges Licht auf die vom Regen durchnässte Straße, welche ich nun

entlangging. Ein wirkliches Ziel hatte ich nicht vor Augen und an mein Handy hatte ich auch nicht

gedacht; ich genoss es dennoch, Mal ein bisschen raus zu kommen.

Vor allem Nachts war ich noch nie alleine unterwegs gewesen, und das, obwohl ich fand, dass die

Welt nachts etwas magisches an sich hatte.

Alles schien so friedlich.

Ab und an zückte ich meine Kamera, in etwa um den Mond zu Fotografieren, welcher sich in einer

der großen Pfützen spiegelte oder ein altes, überwuchertes Fahrrad, welches an einer Straßenlaterne

aufgehängt worden war.

Mittlerweile hatte ich die Stadt erreicht; Menschen hasteten an mir vorbei und vor ein paar gut

besuchten Lokalen an der linken Straßenseite standen grölende Passanten, die scheinbar schon das

ein oder andere gebechert hatten.

Drei junge Männer – ich schätzte sie nicht älter ein als fünfundzwanzig – tanzten Wankend Arm in

Arm an mir vorbei und sangen dabei laut einen Song von Bob Marley.

Winkend und pfeifend grüßten sie mich und schnell ging ich weiter.

Ein klein wenig fühlte ich mich doch unwohl.

„Hey, Süße.“, flötete mich plötzlich einer schräg hinter mir an. Um sein Gleichgewicht halten zu

können, hielt er sich an einer dunklen Regenrinne fest.

Seine blutunterlaufenen Augen und die riesigen Pupillen verrieten mir, dass er definitiv mehr

eingenommen hatte, als ein paar Promille.

„Naaa, willste was trinken?“ Er streckte mir seine halb leere Bierflasche entgegen.

Sein Atem, der mich traf, stank nach Alkohol und Zigaretten.

„Nein.. Nein, danke.“, wank ich ab und beschleunigte meine Schritte.

„Warte doch Mal.“, startete er einen erneuten Versuch und ließ die Regenrinne los.

Eine Gänsehaut kroch über meine Arme und meine Augen wanderten suchend durch die Gegend.

Der Typ machte mir eine Heidenangst.

Als ich erneut hinter mich blickte, merkte ich, dass er mich verfolgte. Zwar wankend und

schwerfällig, aber dafür erstaunlich gut Schritt haltend.

Ich verfiel in den Laufschritt und bog in die nächstbeste Seitenstraße ein.

Dort angekommen, fing ich an, zu rennen.

Schritte hallten die Gasse entlang und ich war mir ziemlich sicher, dass ich meinen Verfolger noch

nicht abgehängt hatte.

Ein kurzer Blick über meine Schulter bestätigte dies.

Scheiße.

Scheiße, Scheiße, Scheiße...

Eine U-Bahn-Station!

Ich erkannte das leuchtende Schild und ein Gefühl der Erleichterung machte sich breit.

Bei einer Ubahn-Station sind für gewöhnlich immer irgendwelche Menschen oder zumindest,

meiner inneren Hoffnung nach, Sicherheitspersonal.

Meine Beine fingen noch schneller an zu rennen und gut zweihundert Meter später hastete ich auch

schon flink die Treppen hinunter und bog um die Ecke.

Tatsächlich gingen genau in diesem Moment zwei Frauen an mir vorbei, welche mich kurz

musterten.

„Alles okay bei dir?“, fragte die Blondhaarige mich schließlich, während ihr prüfender Blick auf

mir ruhte.

Ich drehte mich um und spähte um die Ecke, doch mein Verfolger war nicht zu sehen.

Zischend wich die Luft aus meinen Lungen.

Da merkte ich, dass sie mich noch immer anstarrte, während ihre Freundin genervt mit den Augen

rollte und den dunkelbraunen Zopf hinter ihre Schulter warf.

„Alles okay. Danke.“

Sie musterte mich noch einmal prüfend, zuckte dann aber mit den Schultern und ließ sich von ihrer

Freundin mitziehen.

Ich hingegen stopfte meine Hände in die Vordertasche meines Hoodies und atmete noch ein paar

Mal tief durch.

Das hätte echt Mies ausgehen können...

Und um ehrlich zu sein wollte ich jetzt erst Recht nicht mehr nach Hause laufen. Allein der

Gedanke, zurück durch diese Gasse zu müssen, ließ meinen Puls in die Höhe schießen.

Nur über meine Leiche.

Also entschloss ich mich für das Erste, hier zu bleiben.

Immerhin war es hier hell, gut belebt... Und es gab Musik.

Schräge Töne durchzogen mein Ohr, die in Kombination aber eine wirklich tolle Melodie ergaben.

Als ich dann auch noch jemanden Rappen hörte, war meine Neugierde vollends gepackt.

Wie von selbst trugen meine Beine mich in die Mitte der Wartehalle. Ein paar schon längst

geschlossene Geschäfte reihten sich aneinander, es war eine Mischung aus kleinen Bäckereien,

einem Zigarettenhandel und eines Kiosks.

Vor diesem saß der junge Typ im Schneidersitz, die Beine in der dunklen Jeans lässig verkreuzt und

die Kapuze des Hoodies tief in die Stirn gezogen.

Er hielt ein Mikrofon in der Hand, in welches er einen Text rappte, während von den Boxen neben

ihm die Klänge ertönten.

„Caleb thinks, that his dreams where not possible. He stand up and think, that all he have wasn`t not

real. His Father was a liar and his Mum a slut. His life was a fuck, please shut up. Go away, and

leave me alone. Go away, and bitting in your tongue. I dont want to hear your shit. I dont want to

hear it anymore. Go away, go away, go away.“

Ein paar Personen liefen vorbei, einige wirkten in Eile, wie als wollten sie nur noch in das Bett

kommen.

Andere schüttelten stumm den Kopf.

Ich hingegen wirkte völlig befangen und merkte gar nicht, dass ich vor ihm zum stehen gekommen

war.

Erst dann, als er verstummte und seinen Kopf hob.

Sein Gesicht war zur Hälfte mit einem schwarzen Tuch verborgen, sodass man nur seine dunklen

Augen sehen konnte.

Welche Miene er hatte, oder was er sich dachte, war schwer zu sagen, denn ich konnte in seinem

Blick nichts ablesen.

„Kann ich dir irgendwie helfen?“, fragte er mich dann, als ich nichts entgegnete und legte dabei

seinen Kopf schief.

„Das war ziemlich gut.“ Ich nickte zu dem Mikrofon in seiner Hand.

Etwas besseres fiel mir in diesem Moment einfach nicht ein.

„Danke.“ Ich konnte schwören, dass er lächelte.

„Glaubst du, es wäre in Ordnung... Wenn ich ein wenig zuhören dürfte?“

„Versuchst du dir etwa gerade ein Gratis-Konzert zu erschleichen?“

„Ich weiß nicht, hat es denn geklappt?“

Jetzt konnte ich deutlich sehen, wie das Grinsen seine Augen erreichte.

Auffordernd klopfte er neben sich und ohne groß darüber nachzudenken, nahm ich an seiner Seite

platz.

Er tippte irgendetwas an seinem Handy herum und ein bekannter Beat durchschallte die Wartehalle.

Es waren andere Klänge als zuvor, jedoch vertrautere.

Und diese hätte ich ihm nicht im geringsten zugetraut.

„Mozart?“

Er blieb still und drehte das Mikrofon in seinen Händen.

Für einige Sekunden schwebte Mozart durch die Halle und neugierige Blicke huschten zu uns

hinüber.

Dann begann das Lied sich zu verändern. Bässe unterstrichen die Klänge des Klaviers.

Plötzlich klang es gar nicht mehr so unpassend, sondern irgendwie sogar richtig cool.

Er hob das Mikro hoch und begann zu rappen.

„We live in the right moments,

but we rely on recommendations.

We let ourselves be persuaded how to live our lives,

But we don't know who will end up stabbing with the knife.“

Jedes Wort, welches seine Lippen verließ, brachte mich dazu, einfach zuzuhören.

Ich nickte mit meinem Kopf im Takt und genoss es.

Genau so etwas hatte ich mir immer gewünscht:

Irgendwo sitzen, gute Musik und das Gefühl, zu leben.

We should only trust ourselves, but unfortunately there is something called love.“, sang er

schließlich die letzte Zeile des Refrains und blickte auf.

Zwei Polizisten betraten gerade die Wartehalle und sahen nicht gerade erfreut aus.

Mit direkten Schritten steuerten sie auf uns zu, während der größere von ihnen durch ein Funkgerät

sprach.

„Scheiße. Komm!“

Er sprang auf und packte seinen Rucksack.

In Lichtgeschwindigkeit schmiss er seine Box und das Mikrofon hinein.

„Was ist...“

Weiter kam ich nicht, denn da packte er schon mein Handgelenk und fing schon an, zu rennen.

Die beiden Beamten nahmen sofort die Verfolgung auf und hasteten uns hinterher.

Ich kreischte auf.

Wo war ich da nur hinein geraten?

Irgendwie hatte ich mir das Leben abseits des Goldfischglases doch ein wenig ruhiger vorgestellt.

„Was ist denn los?!“, startete ich einen neuen Versuch, während wir die Treppen hoch sprinteten.

Mein Atem ging stoßweise und die ersten Anzeichen für das Seitenstechen machten sich bereit.

„Hab mich nicht für ein Konzert samt Fans angemeldet.“

Wir sprinteten um die Ecke, die Straße entlang, aus der ich gekommen war.

„Es ist doch nur ein bisschen Musik!“, keuchte ich.

„Erklär das denen Mal, wenn es bereits nach Mitternacht ist.“

„Scheiße!“

Wir bogen in die von mir benannte „Lokalstraße“ ein.

Gerade wurden die Läden dort geschlossen und ein unübersichtliches Getümmel fand auf den

Gehwegen statt.

Als wir hinter uns blickten, waren die Polizisten verschwunden und wir bahnten uns einen Weg

durch die Alkoholisierten.

Erst, als wir sie bereits hinter uns gelassen hatten und das Grölen nur noch leise durch mein Ohr

drang, merkte ich, dass er meine Hand noch immer festhielt.

Es fühlte sich gut an und irgendwie fühlte ich mich an seiner Seite sehr sicher.

Dennoch wusste ich, dass es von hier aus nur noch ein paar hundert Meter waren und ihm zeigen,

wo ich wohnte, wollte ich dann doch nicht.

Bei dem an der Straßenlaterne hängendem Fahrrad blieb ich schließlich stehen.

„Ich wohne hier in der Nähe.“, ließ ich ihn wissen.

„Die restlichen paar Meter gehe ich alleine.“

„Okay.“

Er hielt meine Hand noch immer fest.

„Du kannst jetzt loslassen.“ Ich hielt unsere Hände in die Höhe und sofort ließ er sie los.

„Sorry.“ Er lachte und ich biss mir auf die Unterlippe.

Er hatte scheinbar vergessen, dass er mich an die Hand genommen hatte.

„Sag Mal.. Hast du morgen schon was vor?“, entgegnete er, und ich konnte das Lächeln aus seiner

Stimme heraus hören.

„Nein, aber ich schätze, dass wird sich gleich ändern.“

Er lachte leise und kramte aus der Vorderasche seines Rucksackes einen Kugelschreiber hervor.

Dann nahm er meinen Arm und schob den Pulli hoch.

Der Kugelschreiber flitzte über meine Haut und als er alles notiert hatte, schob er den Ärmel meines

Hoodies wieder hinunter.

„Komm dort hin, morgen um sechzehn Uhr. Und sei pünktlich.“ Er zwinkerte mir dann noch einmal

zu, und verschwand.

Lächelnd schob ich den Ärmel hoch und blickte auf eine Adresse.

Mit einem Mal fühlte ich mich ein wenig nervös.

Was mich dort nur erwarten würde?

Und vor allem, was hatte er vor?

Wütend über mich selbst, klatschte ich meine Hand gegen die Stirn.

Ich hatte völlig vergessen, ihn nach seinen Namen zu fragen.

Zuhause angekommen würde ich jedenfalls erst einmal die Suchmaschine anwerfen.

Am Ende lag die Adresse noch in einem verlassenem Baugebiet und er war ein Psycho, auch wenn

ich es ihm absolut nicht zutraute.

Wobei.. Wie lange muss man einen Menschen kennen lernen, um das beurteilen zu können?

 

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