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Kapitel 5

„Er hätte mir nicht folgen sollen“, sagte Arabella.

Alistair blieb einen Meter von ihr entfernt im Regen stehen. Er schien sich nicht unwohl zu fühlen. Natürlich nicht. Männer wie er ließen sich vom Wetter nicht beirren; das Wetter passte sich ihnen an.

—Du bist ohne Regenschirm ausgegangen.

—Ich habe schon Schlimmeres als einen schottischen Nieselregen überstanden.

—Ich zweifle nicht daran.

Das brachte sie zum Schweigen.

Alistairs Auftreten hatte sich kaum verändert. Weniger Geschäftsmann. Mehr Mann.

—Was dort geschehen ist, war ungerecht.

Was dort geschah, war beschämend. Und nun wird es eine fantastische Anekdote sein: der arme Student, der dem wichtigsten Mann in Edinburgh Kaffee ins Gesicht schüttete.

—Ich bin nicht der wichtigste Mann in Edinburgh.

—Wie bescheiden. Er liegt wahrscheinlich auf dem zweiten Platz.

Diesmal lächelte er. Kurz, aber aufrichtig.

Arabella hasste es, es zu bemerken.

„Ich kann die verpasste Schicht nachholen“, sagte er.

Ihr Lächeln verschwand.

-NEIN.

—Ich bin noch nicht fertig.

—Das spielt keine Rolle. Die Antwort ist nein.

Alistair betrachtete sie geduldig.

—Sie hat Angst, dass sie Hilfe braucht.

—Ich fürchte, die Hilfe wird an einer unsichtbaren Leine kommen.

Der Satz klang zu ehrlich. Der Regen füllte die Stille zwischen ihnen.

Er nickte langsam, als ob ihm diese Antwort mehr Freude bereitete als jeder Dank.

—Dann wird es keine Hilfe sein. Es wird eine Gelegenheit sein.

—Welche Art?

—Caledonia Press sucht Aushilfskräfte für das Manuskriptlesen. Sie haben Literaturwissenschaften studiert, ein gutes Urteilsvermögen und können eine Idee überzeugend vertreten? Ich kann Sie empfehlen.

Arabella spürte, wie ihr Herz gegen ihre Rippen schlug.

Caledonia Press. Ein echter Verlag. Kein Café, in dem Magnus seinen Wert daran maß, wie schnell er Cappuccinos servierte.

—Warum sollte ich das tun?

Alistair senkte die Stimme.

—Denn wenn sie über Bücher spricht, hört sie auf, ängstlich auszusehen.

Arabella wusste nicht, was sie antworten sollte.

—Ich werde keine mir angebotene Stelle annehmen.

—Niemand schenkt dir etwas. Das Vorstellungsgespräch wird ernst. Wenn du nicht gut genug bist, kommst du nicht rein.

Das könnte ich akzeptieren. Vielleicht.

—Ich werde darüber nachdenken.

—Mach es schnell.

—Gibt er immer Befehle?

—Nur wenn ich weiß, dass ich Recht habe.

Arabella stieß ein kurzes, unwillkürliches Lachen aus und bereute es sofort. Er sah sie an, als wolle er dieses Geräusch für sich behalten.

Ein schwarzes Auto hielt am Bordstein. Der Fahrer stieg aus und öffnete die hintere Tür.

„Ich bringe sie nach Hause“, sagte Alistair.

-NEIN.

—Es ist durchnässt.

—Und ich kann immer noch laufen.

—Sie ist stur.

—Und du bist hartnäckig.

-Eine Menge.

Das Wort fiel mit einer seltsamen Schwere zwischen sie.

Arabella trat einen Schritt zurück.

—Guten Abend, Herr Montrose.

—Alistair.

-NEIN.

-Trotzdem.

Sie hätte weitergehen sollen. Wirklich.

Aber er blieb noch eine Sekunde. Nur eine.

Als sie nach Hause kam, empfing Seraphina sie mit einer Decke, einem mörderischen Blick und einem Fragenhagel. Arabella verriet nur das Nötigste: den Kaffee, die Kündigung, das Angebot von Caledonia Press.

Seraphina hielt sich die Hände vor den Mund.

—Dieser Mann öffnet Ihnen eine Tür.

—Dieser Mann ist eine Tür. Und er hat wahrscheinlich eine Alarmanlage, ein Passwort und Jagdhunde.

—Aber dahinter steckt ein Verlag.

Arabella betrachtete ihre Dissertation auf dem Tisch. Sie betrachtete die Rechnungen. Sie betrachtete die Nachricht ihrer Mutter.

Manchmal war Stolz ein Schutzpanzer.

Manchmal war es auch ein Käfig.

In jener Nacht, bevor er schlafen ging, erhielt er eine E-Mail.

**Absender: Büro von Alistair Montrose.**

**Betreff: Caledonia Press. Interview bestätigt.**

Arabella setzte sich im Bett auf.

Er hatte noch nicht geantwortet.

Und Alistair Montrose hatte bereits den ersten Schritt getan.
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